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Konsum

Das passt auf keine Kuhhaut

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
07.02.2019

Anstelle des Miteinanders ist der Egoismus getreten – vielleicht auch als Spiegelbild unseres Wirtschaftssystems.

Schlaraffenland

Wie wollen Sie Ihre Milch? Zum Hiertrinken oder zum Mitnehmen? A2-Milch, A3-Milch, A4-Milch, oder A5-Milch mit der neuen Bionic-Formel? Wollen Sie die Milch, die von Kühen kommt, die mit Schweizer Minze gefüttert wurde? Oder lieber die Milch von unserer Kuh der Woche, der Luise? Oh, die ist leider schon aus. Da hatten wir nicht so viel. Im Becher aus Rinderdarm oder lieber im biologisch dynamischen Sojaschrot-Becher mit Artenschutzgarantie? Oder doch den neuen Plastikbecher „Meeresschutz“, der sich auch in 1000 Jahren im Salzwasser nicht auflöst?

Ganz ehrlich: Wir haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun! Es ist gar nicht so lange her, da ging man zum Kramer im Dorf und kaufte Milch. Es gab keine Nachfragen und man trug seine Schätze nach Hause.

Das waren Zeiten: Demut, Wertschätzung, Zufriedenheit und ein Hauch von Glück. Ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett und genügend Geld für eine warme Mahlzeit – was braucht man mehr? In der Psychologie ging man lange davon aus, dass sich die Menschheit entwickelt, wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind. Wenn die Menschen dann noch keine Angst vor Krieg zu haben brauchen, sollte der Kittel eigentlich sitzen. Aus dieser nie da gewesen, luxuriösen Position heraus, könnte sich eigentlich ein wunderbares, soziales Wesen entwickeln. Tut es aber nicht. Anstelle des Miteinanders ist der Egoismus getreten – vielleicht auch als Spiegelbild unseres Wirtschaftssystems.

Was der Egoismus gar nicht gebrauchen kann – genau wie unser Finanzsystem – ist Eigenverantwortung. Was aber tun, wenn man merkt, dass wir die Erde in Schutt und Asche konsumieren? Dann muss jemand anderes Schuld sein. Ja genau! Am besten eine Minderheit: die Bauern! Warum die Bauern? Die sind schließlich Schuld, dass es uns zu gut geht.

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