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Kommentar

Wer recht hat, sagt der Markt

Milchviehbetrieb
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
14.08.2019

Das Gebot dieser Zeiten: Den Bonus für Mehrkosten - etwa für gvo-freie Produktion - möglichst lange verteidigen. Ein Kommentar von Wochenblatt-Redakteur Wolfgang Piller.

Es ist beinahe wie beim Bienen-Volksbegehren: Es gibt niemanden, der nicht den Bienen helfen möchte, und genauso will kaum jemand das „Teufelszeug“ Gentechnik – es gilt geradezu als Gegensatz zu Natur. Kein Wunder also, dass – nachdem die ersten Molkereien begonnen hatten, gvo-freie Produktion auszuweisen – ganz schnell die Konkurrenten nachgezogen haben. Wer will schon, dass seine Milch, sein Produkt von den Verbrauchern als unnatürlich empfunden werden könnte. So stammt mittlerweile der bei weitem überwiegende Teil der bayerischen Milch von Erzeugern, die ihre Kühe gvo-frei füttern.

Im Süden Deutschlands ist dieser Prozess besonders schnell abgelaufen. Das liegt daran, dass hier die Molkereien direkt auf die mittlerweile so sensiblen Verbraucher abzielen. Im Norden gehen größere Mengen in eher anonyme Exportmärkte. Das ist für die hiesigen Milcherzeuger ein Erlösvorteil, erst vor wenigen Wochen hat unser Milchpreisvergleich das mehr als eindeutig belegt. Die landwirtschaftlichen Erzeuger im Süden haben aber auch den Vorteil, dass sie ihren Höfen, ihrer Erzeugung ganz häufig noch ein Gesicht geben können. Sie sind Bauern, sie sind regional verwurzelt und haben damit ganz sicherlich noch immer Sympathiepunkte auf ihrer Seite – Volksbegehren hin oder her. Das nützt auch den Molkereien.

Als es noch kein „Ohne Gentechnik“-Siegel gab, haben das vermutlich nur wenige Verbraucher als Lücke empfunden. Doch in dem Moment, wo die ersten Produkte so gekennzeichnet waren, wäre es schlicht unvernünftig gewesen, sich zu verweigern. Warum sollte man einen so klar zu erkennenden Verbraucherwunsch nicht befolgen und sich damit gegen den Markt stellen? Zumal die Herausforderungen offenbar zu bewältigen waren. Jetzt gilt es, den Bonus für die Mehrkosten möglichst lange zu verteidigen.

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