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Rindfleisch

Rangkämpfe

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
27.10.2016

München - Australien, die bisherige Nummer 1 unter den Exporteuren, fehlt nach einer Dürreperiode die Ware, und schon verliert es wichtige Anteile am Markt.

Wolfgang Piller

Wenn der Platzhirsch eine Schwäche zeigt, stößt ihn der Nächststärkere aus dem Feld. So ähnlich offenbart sich derzeit die Situation am Weltmarkt für Rindfleisch. Australien, die bisherige Nummer 1 unter den Exporteuren, fehlt nach einer Dürreperiode die Ware, und schon verliert es wichtige Anteile am Markt. Die Konkurrenz, namentlich die US-Rindfleischexporteure und die Brasilianer, zögert nicht, es scheint fast so, als hätten alle nur auf diese Chance gewartet. Die Australier dürfte diese Situation enorm schmerzen. Denn es ist klar, mit den Marktanteilen geht häufig auch Marktzugang verloren. Geschwundenes Vertrauen in zuverlässige Lieferbeziehungen muss neu aufgebaut werden, erkaltete Geschäftsbeziehungen müssen erst wieder heiß gemacht werden.

Deutschland und die EU sind bislang keine der Top-Herkünfte für Rindfleisch am Weltmarkt. Doch es gab zuletzt Stimmen zu hören, dass der erwachende Hunger nach hochwertigem Fleisch in Asien auch die hiesigen Rindfleischvermarkter auf den Plan ruft. Oft fehlen noch die nötigen Rahmenbedingungen. Dazu ist auch die Politik gefragt. China fällt als Markt für hiesiges Rindfleisch noch weitgehend aus – wegen alter Sorgen vor BSE. Entsprechende veterinärrechtliche Hygieneabkommen fehlen noch.

An einem anderen Punkt profitiert die EU schon jetzt: Sie rücken vor in Richtung Marktführer bei Lebendviehexporten. Zucht- und Nutzvieh aus Europa ist gefragt. Ganz vorne mischen auch die Deutschen mit. Im letzten Jahr verluden die deutschen Exporteure so viele Rinder wie kaum zuvor. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2004 wurde eingestellt. In diesem Jahr scheint dieser Trend anzuhalten. Frankreich, Italien, Marokko, Türkei und vor allem die Niederlande kauften insgesamt noch mehr deutsche Tiere als 2015. Bleibt zu hoffen, dass dieser Platzhirsch noch lange stark bleibt und seinen Rang verteidigen oder sogar ausbauen kann.

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