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Rinderversteigerung - keine Panik, die Kühe sind los

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Christine Endres, Fleckvieh
am
13.09.2018

In der Ansbacher Rezathalle werden die Kühe nun führerlos versteigert.

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Das stricklose Versteigern hat die traditionelle geführte Vermarktung schon auf einigen bayerischen Zuchtviehmärkten abgelöst, aber eine Tierschau nach dem losen Auftriebssystem? – Das gab es nun beim Rinderzuchtverband Franken zum ersten Mal. Anlässlich der Einweihung der erweiterten Ansbacher Rezathalle demonstrierte der Verband das lose Auftriebssystem. „Mit dieser Tierschau wollen wir den Leuten zeigen, wie sich die Tiere im Versteigerungsring präsentieren, wenn sie nicht am Strickhalfter geführt werden“, erklärte Lothar Ehehalt, der Vorsitzende des Rinderzuchtverbandes Franken.
Vor drei Jahren wurde der Beschluss gefasst, den Ansbacher Zuchtviehmarkt auf das lose Auftriebssystem umzustellen und nun sind die Umbauarbeiten fast abgeschlossen. Gleichzeitig wurde die Vermarktungsanlage um einen Quarantänestall für Exporttiere und einen überdachten LKW-Waschplatz erweitert. „Die Jungkühe, die bei uns vermarktet werden, stehen überwiegend in Laufställen und sind das Führen am Strickhalfter einfach nicht mehr gewohnt“, betonte Zuchtleiter Albrecht Strotz. Deshalb sei es für die Marktbeschicker aufwändig, die Tiere führig zu machen. Letztendlich führt das getriebene System so auch zu mehr Tierwohl.
„Die Züchter können ihre Tiere jetzt einfach am Anlieferungstor abgeben und brauchen sich dann um nichts mehr zu kümmern“, erklärt der Zuchtleiter. Dort werden die Tiere erfasst, gewogen und vom Tiergesundheitsdienst untersucht. Anschließend geht es in die Waschhalle, dort können die Züchter auf Wunsch auch selbst waschen, alternativ wird das vom Verbandspersonal übernommen.
„Zudem wird auch ein Komplett-service angeboten. Die Tiere werden dabei gegen eine Gebühr direkt am Betrieb abgeholt“, ergänzt Ehehalt. Bis zur Versteigerung sollen die Kühe dann in Boxen mit je drei bis vier Tieren untergebracht werden. Diese Boxen, in denen insgesamt rund 120 Tiere Platz finden sollen, sind allerdings noch nicht installiert. „Wir wollen in den Boxen auch melken, doch dafür haben wir bisher noch kein passendes Konzept gefunden“, berichtete Strotz.

Geführte Versteigerung weiterhin möglich

Für die Stiere, die weiterhin geführt versteigert werden, steht ein separater Waschplatz zur Verfügung. Zudem wurde bei der neuen Aufstallung darauf geachtet, dass man überall gut mit Stieren an der Führstange durchgehen kann. „Wir haben oft bis zu 40 Zuchtbullen an einem Markt, deshalb mussten wir darauf stärker achten als manch andere Verbände“, gab der Zuchtleiter zu bedenken.

„Durch diese für die Landwirte zeitsparende Form der Versteigerung erhoffen wir uns wieder einen höheren Auftrieb bei den Märkten“, erklärte Strotz: „Wir hätten zum Beispiel auch verstärkt in die Vermarktung ab Hof investieren können, aber wir brauchen einfach genügend Tiere auf den Märkten, um eine ehrliche Preisbildung zu haben.“

Tiere können sich gut selbst präsentieren

Bei der führerlosen Tierschau demonstrierten die 20 aufgetriebenen Kühe aus Mittel- und Unterfranken vor vollen Zuschauerrängen, wie gut sie sich selbst im Ring präsentieren können. Immer zwei Kühe wurden dabei gleichzeitig in den Ring getrieben, gerichtet wurde dann nach dem K.O.-System. Für den Preisrichter Andreas Bernhard aus Mühldorf war das eine besondere Herausforderung. „Ich bin ein sehr großer Fan vom getriebenen Markt und war sehr gespannt wie sich das System bei einer Schau entwickelt“, erzählte er.

Runde für Runde war es seine Aufgabe, die Kuh zu bestimmen, die weiterkommt. Im Finale wurde dann aus den Gruppensiegerinnen nach gleichem Prinzip der Champion gekürt. Klar durchsetzten konnte sich dabei die Valeur-Tochter Ikarus, eine Jungkuh von Familie Espert aus Dottenheim. Bernhard stellte sie vor allem wegen ihres hervorragend beaderten Euters und ihrer sehr gut platzierten Strichen nach vorne. Ebenfalls im Finale vertreten waren: Hirgard (V: Incredible) von der Brunner GbR aus Feuchtwangen, die Vocado-Tochter Destiny von der Lang GbR aus Rudolzhofen, Olivia (V: Hall) von Stefan Föttinger aus Wettelsheim sowie die Reflex-Tochter Hawai von der Busch Gbr aus Hechlingen. Der erste reguläre Zuchtviehmarkt nach losem Auftriebssystem soll übrigens im November stattfinden.
Christine Endres
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