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Kommentar

Steak und Burger

Rindfleisch auf Grill
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
30.05.2018

Fleischmärkte: Besonders das Rindfleisch könnte Zuwächse verzeichnen. Wann springen die EU-Landwirte auf?

Wolfgang Piller

Jede Zeit hat ihren eigenen Geschmack. Am Fleischverzehr kann man das ganz gut ablesen. Nach dem Krieg ging es darum, wieder satt und anschließend, mit dem steigenden Wohlstand, richtig gut satt zu werden. Da durfte der Braten am Sonntag nicht mehr fehlen und er durfte auch etwas fetter sein. Mit den steigenden Umfängen in der Körpermitte der Deutschen ist der Fettrand unter der Kruste wieder schmäler geworden. Die Gerichte sind auch internationaler geworden. Die „Mittelmeerküche“ hat den Fleischanteil immer mehr zurückgedrängt. Pflanzenöl ersetzt das tierische Fett.

Mit dem Gesundheitsbewusstsein ist das Geflügelfleisch populär geworden. Je magerer, umso besser. Mancher Großstadtbewohner wird sich heute gar nicht mehr eingestehen wollen, dass eine Hühnerbrust tatsächlich Fleisch ist – so kalorienarm und gesund, das kann doch nicht aus einem Stall stammen! Doch langsam kommt im Windschatten der Putenschnitzel und Hühnerhaxn wieder ein fast schon überholt geglaubtes Fleisch wieder ganz nach vorne: Rind.

Rindfleisch ist wieder in! Doch wer glaubt, dass plötzlich die Großstädter wieder kochen gelernt haben, täuscht sich. All den Kochsendungen im Fernsehen zum Trotz – eine geschmorte Beinscheibe, eine selbst gekochte Suppe oder gar ein Böfflamot kommen in München selten auf den Tisch. Und trotzdem stimmt es offenbar: Rindfleisch erlebt weltweit sein Comeback. Kurioserweise aber ist das eine Folge des Fast-Food-Booms. Die jungen Gesellschaften, die in den letzten Jahren wohlhabender geworden sind, wollen Hamburger und Steaks. Und dies längst nicht mehr nur von McDonald’s und Burger King. Sie brutzeln die vorgefertigten Burger selber oder kaufen sie in Restaurants, die selbst wieder zu großen Ketten avancieren. Ach ja: Die bayerischen Rinderrassen passen gut in den Trend. Denn sie geben nicht nur gute Milch, sondern liefern auch Fleisch. Das passt in die Zeit.

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