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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
12.09.2019

Stehen Bauer, Bäcker, Metzger, Dorfwirt vor dem Aussterben?

Wolfgang Piller

Nächste Woche hat der Bundesverband der Regionalbewegung zu einer Presseaktion in Berlin eingeladen. Der etwas drastisch formulierte Grund dafür lautet: Bauer, Bäcker, Metzger, Dorfwirt stehen vor dem Aussterben. Wie in einem Wachsfigurenkabinett werden „die Letzten ihrer Art“ medienwirksam ausgestellt werden. Mal sehen, wie die Hauptstadt-Presse darauf reagieren wird. Tatsächlich sind das „Bäcker-“ und „Metzgersterben“ oder auch der „Strukturwandel“ in der Landwirtschaft längst geflügelte Worte.

Kein Wunder, in Deutschland herrscht nach wie vor die Devise „Geiz ist geil“ und Lebensmittel können gar nicht billig genug sein. Aber es gibt durchaus auch eine anderslaufende Entwicklung. Immer mehr Menschen erkennen ihre eigene Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung von Land und Gesellschaft. Das sollten sich die Handwerksbäcker und Metzgermeister und die bäuerlichen Familienbetriebe zunutze machen. Zum Glück gibt es im Süden Deutschlands, in Bayern und in Baden-Württemberg, noch eine Struktur mit einer Vielzahl an eingesessenen, gewachsenen, manchmal auch neu gegründeten, aber auf jeden Fall handwerklichen und familiär geführten Betrieben. Deren Vielfalt ist zugleich ihre Stärke.

Da passt ein neuer Trend zu Urgetreide durchaus rein. Erfahrungen mit Fehlschlägen aus früheren Zeiten helfen, in Zukunft mehr richtig als falsch zu machen. Entwicklungen gemeinsam, abgestimmt und nicht überstürzt voran zu treiben, gehört sicher dazu.

Wenn Bauer, Müller und Bäcker an einem Strang ziehen, dann lassen sich deren aller Bedürfnisse besser berücksichtigen. Am allerbesten ist es, wenn letztlich diejenigen, die das Endprodukt dem Kunden verkaufen, gut erklären können, wo die Vorteile sind und warum es mehr kostet als die Billigsemmel beim Aldi. Die Konkurrenz über den Preis auszutragen, kann auf keinen Fall der wichtige Weg sein. Der führt mit Sicherheit ins Museum.

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