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Sauberer Konzern

Milchvieh Fleckvieh
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
14.03.2019

Ein Kommentar von Wochenblatt-Redakteur Rainer Königer zum Thema Ethik und Moral in der Wirtschaft. Beispiel: Die Milchbranche

Königer Rainer

Bayerns Milchbauern sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das wird dem Einzelnen gar nicht so bewusst sein. Bei einer Milchanlieferung von knapp 7,8 Mrd. kg Milch im Jahr und einem Milchpreis von 36 Cent ergibt das einen Umsatz von 2,8 Mrd. Euro. Das ist durchaus vergleichbar mit großen, deutschen Firmen. Geht man jetzt – grob über den Daumen gepeilt – davon aus, dass auf jedem der 30 000 Höfe zwei Menschen in Vollzeit arbeiten, ergibt das eine Firma mit 60 000 Abteilungsleitern. Dazu kommen die Mitarbeiter – in diesem Fall die Mitarbeiterinnen, die Milchkühe: Und das sind in unserem Falle 1 170 000. Das ist doch eine Hausnummer. Welche Firma auf der Welt gibt es, die mehr als eine Million Beschäftigte hat? Würde man die Rechnung bei den anderen tierhaltenden Betrieben aufstellen, käme man auf ähnliche Größenordnungen.

In Wirtschaftskreisen würde man sagen, diese Firma ist systemrelevant. Und was diese Firma nun produziert, sind keine Handys, Sturmgewehre, oder tonnenschwere Dreckschleudern. Nein, was diese Firma produziert, ist kein unnützer oder gar tödlicher Krimskrams. Diese Firma produziert das, was die Menschen wirklich brauchen: Lebensmittel!

Schwingt man jetzt die moralische und ethische Keule, müsste man zu dem Schluss kommen, dass diese Firma – nennen wir sie Milch AG – in der gesellschaftlichen Anerkennung und Hierarchie ganz oben stehen muss. Dass sie das nicht tut, hat verschiedene Gründe.

Zum einen ist der Zweibeiner des 21. Jahrhunderts von der Natur so weit entfremdet, dass er keine zehn Minuten in einem Wald ohne Handyempfang überleben würde. Zum anderen ist das, was die Milch AG macht, für alle sichtbar. Und nur was ich sehe, kann ich kritisieren. Wenn hinter verschlossenen Türen Auspufftöpfe geschweißt, oder Gewehrkolben montiert werden, interessiert das offensichtlich niemanden. Aus den Augen, aus dem Sinn und aus der Schusslinie. Keep it simple.

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