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Schweinemarkt

Alter Schwede

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Ferkel auf Stroh
© imago/photothek
von , am
14.06.2017

München - Die Zahlen aus Schweden hauen einen aus den Schuhen: Von 50.000 Schweinehaltern sind noch 700 übrig, die Eigenversorgung ist von 110 % auf 55 % eingebrochen.

Ein Kommentar von Wolfgang Piller, Wochenblatt- Redakteur, wolfgang.piller@dlv.de © Archiv/BLW

Und: Leidtragende sind – wen wundert es – die kleineren Betriebe. Das frühe Sich-Hinwenden zu Tierwohl in der Schweinehaltung hat offenbar zu einer enormen Spezialisierung und Intensivierung geführt. Den Tierschützern wird das egal sein. Im Gegenteil: Wem das Tierwohl über alles andere geht, wird darüber sogar froh sein – je spezialisierter ein Betrieb ist, umso mehr wird er sich um dieses eine Ziel kümmern können. Ja, so eine schwedische Sau hat’s schon gut (bevor der Metzger kommt).

Interessant sind auch andere Aspekte: Der Fleischhunger der Schweden ist in der Zeit nicht zurückgegangen, sondern gestiegen. Doch die Nutznießer davon sind Fleischerzeuger aus dem Ausland, die im offenen EU-Markt Zugang zu den schwedischen Verbrauchern bekommen haben und ihren Vorteil daraus ziehen, dass sie nicht an die hohen schwedischen Tierwohlvorgaben gebunden sind. Auf der anderen Seite tun sich die Schweden schwer, außerhalb des eigenen Landes für ihr teuer produziertes Fleisch lukrative Märkte zu finden. Der Bedarf auf den Exportmärkten an besonderem Tierwohl-Fleisch scheint gering zu sein.

Was folgt: 1. Tierschützer kümmern sich um Tiere, der Mensch dahinter ist ihnen kaum wichtig. 2. Wenn ein paar Tausend Tonnen besonders produziertes Fleisch einen guten Preis am Markt erzielen, heißt das nicht, dass alle Verbraucher für ihr Schnitzel tief in die Tasche greifen. 3. Harte Tierwohlvorgaben müssen möglichst zeitgleich international, also mindestens EU-weit, eingebettet werden. 4. Bei einem nationalen Alleingang müssen die Nachteile der heimischen Erzeuger ausgeglichen werden. Das ist zwar teuer, aber dann nur gerecht – und unsere nach wie vor vielfältige Landwirtschaft ist eben auch ein schützenswertes Gut.

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