Login
Internationaler Handel

CETA-Abkommen mit Kanada

Getreide
Thumbnail
Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
28.06.2018

Kanada bietet weitgehend unverarbeitete Commodities an, während die EU doch mit werthaltigeren Produkten auftritt.

Beim 4:3 für Deutschland im olympischen Halbfinale gegen die Eishockeyweltmacht Kanada war das Land im hohen Norden Amerikas spontan sympathisch. Das ging so weiter, als der kanadische Premier Justin Trudeau sich vor wenigen Wochen als der verlässlichere Partner für Europa in Amerika präsentierte (und sich auch nicht von Donald Trump einschüchtern ließ). Mit Kanada, diesem Land, das riesig groß, aber kaum besiedelt ist, verbindet die EU seit letztem Jahr das Freihandelsabkommen CETA.

Noch ist dieses Abkommen nicht abschließend gültig. Doch schon die unglaublichen Wirren, in die der US-Präsident derzeit den Welthandel stürzt, zeigen, wie wichtig es ist, gemeinsame Regeln verbindlich festzulegen. Freihandel bedeutet ja eben nicht „frei von allen Regeln“. Am besten funktionieren bilaterale, also zwischen zwei Partnern, abgeschlossene Abkommen dann, wenn diese möglichst unterschiedliche Waren anbieten. Dann setzten die Handelserleichterungen nicht direkt eine vorher verhinderte Wettbewerbssituation frei.

Das dürfte bei Kanada weitgehend so zutreffen. Im Agrarbereich ist das Land bekannt für Ausfuhren von Raps, Weizen und Soja. Der – gentechnisch veränderte – kanadische Raps gelangt nur nach Europa, wenn er Absatz im Energiemarkt findet. Der amerikanische Weizen bedient andere Abnehmer als der europäische und bei Soja stellt die EU als Exporteur sowieso keine Konkurrenz dar.

Was auffällt, ist, dass Kanada weitgehend unverarbeitete Commodities anbietet, während die EU doch mit werthaltigeren Produkten auftritt. CETA beinhaltet im Ernährungsbereich einige europäische Prämissen wie das Verbot des Hormoneinsatzes in der Tiermast. Das alles heißt nicht, dass uns kanadische Produkte nicht auch einmal schmerzhaft Konkurrenz machen können. Doch wie andersherum im Eishockey wird das wohl eher nicht zum Dauerzustand werden.

Auch interessant