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Tierhaltung

Die Initiative Tierwohl hat Erfolg

Fleischtheke
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
23.11.2017

So viele Erzeuger mit so vielen Tieren wie bei keinem anderen Tierwohlprojekt machen hier mit.

Wolfgang Piller

Und die Initiative kostet Geld. Der Lebensmitteleinzelhandel bringt es auf. Klar wollen die Händler von Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Co. – 85 % des deutschen Lebensmitteleinzelhandels machen mit – dieses Geld möglichst gewinnbringend für sich selbst eingesetzt sehen. Nur im Moment können sie kein einziges Produkt irgendwie nachvollziehbar kennzeichnen. Ein Label hat die Initiative nicht vorgesehen (siehe Seite 88). Es fehlt die sogenannte Nämlichkeit.

Im Moment sind auch deshalb die Strukturen der Initiative schlank und wenig kostenaufwendig. Das würde sich schlagartig ändern, wenn die Nämlichkeit eingeführt werden müsste. Rückverfolgbarkeit – die Transparenz innerhalb der Wertschöpfungskette – würde eine Menge Aufwand verlangen und eine Stange Geld kosten. Wo sollte dieses Geld herkommen?

Sie, ich, wir alle kennen die Antwort: Sie würde bei den Mitteln für die Tierwohlmaßnahmen eingespart und keinesfalls von den Händlern zusätzlich aufgebracht werden. Fraglich ist, ob mehr Transparenz an der Ladentheke zu einem sichtbaren Mehrerfolg bei den Kunden führen würde, sodass dadurch die Initiative einen zusätzlichen Schub erhalten würde. Sicher aber scheint, dass der Eingriff in die Marktstrukturen für viele Erzeuger eine erhebliche Schranke darstellt.

Trotzdem fordern jetzt öffentliche Stimmen die Nämlichkeit ein. Sozusagen ohne Rücksicht auf Verluste. Denn die Verluste entstehen ja vor allem dort, wo die Schwächsten der Wertschöpfungskette stehen: die landwirtschaftlichen Erzeuger, die aufgrund der Tierwohldebatte sowieso unter Dauerbeschuss stehen, und die Tiere selbst. Für deren vermehrtes Wohl führen die Händler den Tierwohlbonus von vier Cent je Kilogramm Fleisch ab – und nicht für ihren eigenen Marketingerfolg.

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