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Im Kreuzfeuer

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
28.07.2016

München - Wie mit Kritik umgehen? Von einem Profi lernen.

Wolfgang Piller

Clemens Tönnies hat schon einiges an öffentlicher Kritik und an Feindseligkeit über sich ergehen lassen müssen. Wenn er, wie bei seiner Rede bei der Ringgemeinschaft, kurz gefasste Empfehlungen in den Raum wirft, so spricht daraus Erfahrung. Auf drei prägnante Aussagen hinsichtlich des Umgangs mit Kritik aus der Öffentlichkeit lässt sich seine Haltung verdichten: 1. Wir müssen kommunizieren. 2. Wir müssen selbstbewusst sein. 3. Wir müssen den Kritikern auch zuhören.

Diese drei Sätze scheinen zusammen zu gehören und doch auch nicht. Denn die Kritik an der modernen Tierhaltung stammt ja auch nicht aus einem Mund. Da ist erstens die Masse an Verbrauchern. Auf bestimmte Einflüsse – zum Beispiel Bilder aus dem Schlachthof – reagiert sie oft trotzig wie ein Kind: „Das will ich nicht!“ Was macht man mit einem Kind: Man erklärt, geduldig und immer wieder. Was folgt für die Branche: Wir müssen kommunizieren. Wir müssen erklären, was wir tun, wie wir es tun, warum wir es tun.

Aber es kommt auch Kritik von sehr gut informierten Gruppen an Menschen, etwa von Tierschutzverbänden. Sie vertreten gezielt Interessen. Mit ihnen muss man anders sprechen, also: „Jeder von uns arbeitet in seinem Bereich professionell, wir halten die Vorgaben ein“ – und unter anderem die eigenen Interessen der Branche hoch halten. Das ist gemeint mit „selbstbewusst sein“.

Manche Kritik ist aber nicht unberechtigt. Zeiten ändern sich, mit ihnen Haltungen und auch Möglichkeiten. Also muss man Kritik auch abwägen und in manchem Fall darauf reagieren – das ist der Fall 3. Das wird in vielen Fällen sehr vorteilhaft sein. In anderen Fällen der Kritik hilft jedoch schlicht und einfach gar nichts. Dann nämlich, wenn es dem Kritiker gar nicht um Verbesserungen geht, sondern nur darum, selbst einen Vorteil zu erhalten. Zum Beispiel ausreichend Spendengelder. Dann ist jede Mühe nutzlos.

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