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Ernährung

Am Limit

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
04.01.2017

München - Noch mehr Fleisch werden die Deutschen kaum essen. Der heimische Markt ist längst am Limit.

Schweinsbratwürstl mit Sauerkraut am Heiligabend, an Weihnachten Geflügel mit Knödel und am zweiten Feiertag ein Sauerbraten mit Spätzle und Blaukraut – so könnte über Weihnachten durchaus die Speisenfolge in vielen Familien ausgesehen haben. Ja, es waren Festtage mit Festtag-Menüs. Nun essen die Deutschen auch im restlichen Jahr nicht schlecht. Die Versorgung unserer Gesellschaft ist hervorragend, da kann sagen, wer will, dass es anders sei.

Doch das beinhaltet auch Beschränkung: Noch mehr Fleisch werden die Deutschen kaum essen. Der heimische Markt ist längst am Limit. Mit mehr Wohlstand picken sich die Leute höchstens die noch hochwertigeren Fleischstücke heraus. Oder greifen auf Ware zu, die etwas anderes mit verkauft – ein gutes Gefühl. Tierhalter können davon profitieren: Regionale und/oder ökologische Produktion, Markenprogramme, ein besonderer Prozess wie Weideochsenmast oder Heumilch, das sind Wege, die auf Verbraucherwünsche reagieren. Wann immer damit eine erhöhte Wertschöpfung die Betriebskasse füllt, sind das gangbare Wege.

Doch für viele, ja die meisten Tierhalter taugen diese Wege nicht. Sie werden weiter austauschbare Massenware erzeugen. Umso ärgerlicher ist es, wenn neue gesellschaftliche Normen bewährte Systeme erschweren und verteuern und zugleich diese Normen in Nachbarländern unterlaufen werden können. Erinnert sei an die Geflügelställe in Osteuropa oder den massiven Ausbau der Schweinemast in Spanien. In solchen Fällen fühlt man sich von der Politik verraten. Gleichwohl ist es so, dass bei Selbstversorgungsraten über 100 Prozent, was ja auch Ausdruck für Erfolg ist, Märkte außerhalb des heimischen gesucht und gefunden werden müssen. Brechen Auslandsmärkte weg (wie Russland), müssen neue erschlossen werden. Das ist knallharter Konkurrenzkampf und auch eine Sache, wo die Politik helfen muss. Andere Länder sind uns da weit voraus.

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