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Marktverhältnisse

Lohnempfänger statt Unternehmer

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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
19.01.2017

München - Die Machtverhältnisse in der Fleischproduktion sind klar: Lebensmitteleinzelhandel und Fleischkonzerne sind am Drücker.

Wolfgang Piller

Im letzten Sommer brachte der Boykott zweier Zulieferbetriebe die Fließbänder der VW-Golf-Produktion zum Stillstand. Erst damit wurde bekannt, wie sehr die Autokonzerne ihre (kleineren) Zulieferer an die Wand drücken. Die Großen in dieser Produktionskette spielen ihre Macht ganz offenbar gnadenlos aus.

Die Machtverhältnisse in der Fleischproduktion dürften für die Rohstoffproduzenten kaum besser aussehen. LEH und Fleischkonzerne sind am Drücker. Ein Lieferboykott ist wegen der verderblichen Ware kaum vorstellbar. Damit nicht jeder einzelne Schweinehalter mit den Konzernen verhandeln muss, haben sie sich schon seit langem in Erzeugerverbänden organisiert. Das ist gut so, aber reicht das (noch) aus? Die Abnehmer werden ihre Macht ausspielen, je mehr die Fleischerzeugung ins gesellschaftliche Interesse rückt umso stärker. Wir sehen jetzt nur die Anfänge: Ebermast, Tierwohl in den Ställen. Der LEH schlüpft in die Rolle des Gesetzgebers. Verbraucherwille wird eins zu eins zum LEH-Willen und damit Norm. Die Fleischkonzerne stellen sich bisher kaum an die Seite der Primärerzeuger. Andere Agrarbranchen sind genauso betroffen, z. B. bei Pflanzenschutzvorgaben bei Obst und Gemüse oder etwa bei Fütterungsvorgaben bei gentechnikfreier Milch.

Seit Jahren versucht die Landwirtschaft beinahe krampfhaft, das Bild des Bauern durch das des Unternehmers zu ersetzen. Aber offenbar war es ein Irrglaube, dass damit zusätzliche Freiheiten zu erlangen seien. Freiheit ist trügerisch, wenn es unter den Abnehmern für die Produkte so gut wie keine Konkurrenz gibt. Da ist der Gedanke nicht weit, die Unternehmerfreiheit weitgehend aufzugeben und durch mehr Sicherheit zu ersetzen. Das nennt sich dann Integration und ist ein mehr oder weniger starkes Lohnverhältnis. Ein Gedanke, an den man sich erst gewöhnen muss.

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