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Kommentar

Sprunghafte Welt

Verladung Getreide
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
24.05.2018

Russland hat mit seinen Exporten monatelang den Weltweizenmarkt dominiert. Jetzt wenden sich die Blicke der neuen Ernte zu und damit dem Wettergeschehen und der Politik rund um den Erdball.

Wolfgang Piller

Die Welt ist und bleibt im Großen und Ganzen stets die Gleiche – und ändert sich zugleich beständig. Jeden Tag leben mehr Menschen auf ihr und alle wollen satt werden. Dass dies noch immer nicht der Fall ist, sondern hunderte Millionen Menschen hungern, ist und bleibt ein politischer Skandal. Hunger herrscht heute dort, wo Despoten sich nicht um ihr Volk kümmern und vor allem dort, wo sie ihre Länder ins Chaos der Kriege stürzen. Unabhängig davon ist mit dem Anstieg der Weltbevölkerung zwangsläufig immer ein steigender Nahrungsmittelbedarf und damit Verbrauch der ackerbaulichen Rohstoffe verbunden.

Die Welt braucht also die Leistungen der Bauern. Mit jeder Ernte geht das Spiel von Neuem los: Reichen der Weizen, der Mais, die Sojabohnen und alle anderen agrarischen Rohstoffe, um erst die Läger und später die Bäuche zu füllen? Weil dieses Spiel in unserer Gesellschaft mit dem weltweiten Handel (und damit mit den wichtigen Warenterminbörsen) untrennbar verknüpft ist, beginnt es quasi schon vor dem Anpfiff, also dem Erntebeginn. Die Börsianer, die Händler und auch die Landwirte beäugen jedes Signal, jeden möglichen Einfluss auf seine Auswirkungen.

Das ist im Ackerbau selbstverständlich das (extreme) Wetter. Erst bleibt es unter dem Radar, aber plötzlich wird es sichtbar und dann als Ausschlag im Börsenkurs spürbar. Oft aber sind diese Spitzen/Einbrüche nur kurzlebig und als vermarktender Ackerbauer muss man schon ein gutes Gespür haben, um davon zu profitieren. Wer dazu digitale Instrumente nutzen kann, ist sicher im Vorteil. Wichtige Einflüsse liefert derzeit auch die Politik. Sie ist mit US-Präsident Trump wieder sprunghafter und unberechenbarer geworden. Auch das lässt die Rohstoffkurse (Rohöl!) nicht unberührt. Dahinter aber wirken immer die globalen Zahlen, also Produktion und Verbrauch. Jeder Marktteilnehmer sollte derzeit sehr aufmerksam bleiben.

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