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Tierwohl

Tierisch gut

Mastschwein
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
14.02.2019

Schweinehalter, die mehr für das Wohl ihrer Tiere tun wollen, können das in Zukunft mit einem staatlichen Siegel kennzeichnen, müssen aber nicht.

Redakteur, BLW, Wolfgnag Piller

Das passt in unser marktwirtschaftliches System. Die Mehrkosten müssen an der Ladentheke verdient sein. Die Käufer müssen aber auch erkennen können, wofür sie mehr ausgeben. Insofern ist Transparenz der notwendige erste Schritt. Letztlich ist aber der Verbraucher in der Pflicht, für seine Forderungen nach mehr Tierwohl auch zu bezahlen. Es wird sich zeigen, ob dem transparent gemachten Angebot auch die Nachfrage folgt. Bis dahin geht die ganze Wertschöpfungskette in ein Risiko.

Selbstverständlich gibt es zunächst Kritik: Warum ist das Einhalten der Kriterien (vor allem in der ersten Stufe) so wenig anspruchsvoll? Warum machen so viele Kriterien das Label für die Verbraucher so kompliziert zu durchschauen? Warum überhaupt ist es freiwillig und nicht verpflichtend? Und nicht zuletzt, warum gibt es keine vierte Stufe für die Bio-Erzeugung von Fleisch? Jede Kritik setzt natürlich irgendwo an, wo es tatsächlich eine Kante gibt. Doch jedes Label bleibt immer auch ein Kompromiss, der Kanten stehen lässt. Entscheidend wird sein, wie viele sich beteiligen und ob damit das Kennzeichen an der Fleischtheke und im Regal sichtbar wird.

Interessant ist der letzte Kritikpunkt: die fehlende Bio-Stufe. Die Ökobranche dürfte darin eine Gefahr sehen. Denn vielen Verbrauchern dürften regional erzeugte Fleischprodukte von Tieren aus ausgewiesenen Tierwohl-Ställen völlig genügen. Ähnliches ist ja schon bei nicht-tierischen regionalen Produkten zu sehen. Doch fehlt die Stufe tatsächlich? Immerhin gibt es auch ein staatliches Bio-Siegel. Damit lässt sich Tierwohl und Bioerzeugung eindeutig ausweisen. Gefragt bleibt der Verbraucher. Er muss beim Öffnen des Geldbeutels zeigen, was ihm seine Lippenbekenntnisse tatsächlich wert sind. Die Produkte werden es sicher sein.

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