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Einkauf

Verbraucherverhalten - nur heiße Luft?

Supermarkt
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
28.03.2019

Bio, regional, öko - die sinnbildlich ausgewerteten Einkaufstaschen nach der Kasse sprechen oft eine andere Sprache.

Wolfgang Piller

Lautstark melden sich derzeit die Verbraucher, gefühlt die gesamte Öffentlichkeit, zu Wort. Ihnen können die Produkte in den Läden gar nicht regional, ökologisch, nachhaltig genug sein und ja, selbstverständlich sind auch alle bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Zumindest gilt das, wenn man die Leute fragt, bevor sie ihre Einkaufsstätte betreten. Die sinnbildlich ausgewerteten Einkaufstaschen nach der Kasse sprechen oft eine andere Sprache.

Ein Beispiel: Trotz Stimmenanteilen von über 15 % für ökologisch ausgerichtete Parteien bei den letzten Wahlen, trotz 18 % Zustimmung zum Bienen-Volksbegehren sorgen diese Deutschen nur für Umsätze für Biolebensmittel von rund 5 %. Bei Fleisch ist das noch weitaus weniger. Die Initiative Tierwohl hingegen kommt nach eigenen Angaben auf Anteile von ca. 25 % bei Schweinefleisch, bei Geflügel sogar 60 bis 70 %. Warum? Der Erfolg geht nicht über das Verbraucherverhalten, sondern darüber, dass der LEH derzeit noch die Tierwohlmaßnahmen bezahlt.

Ein paar Schlussfolgerungen:

  1. Es gibt eine große, stille Mehrheit, die auch gut essen, aber dafür nicht viel Geld ausgeben will oder kann. Auch dieser mengenmäßig sehr große Markt muss versorgt sein.
  2. Viele Verbraucher verhalten sich nach wie vor nicht so, wie sie es nach außen hin gerne täten. Auch dafür dürfte der Geldbeutel die entscheidende Größe sein, manchmal aber auch die Zugänglichkeit von regional oder ökologisch erzeugten Lebensmitteln.
  3. Trotzdem muss man den geäußerten Verbraucherwunsch ernst nehmen und als Chance begreifen.

Eine höhere Wertschöpfung ist möglich und unbedingt anzustreben. Davon hat nicht nur die Umwelt etwas, sondern auch die Landwirtschaft. Deshalb gilt es, weiter dranzubleiben und aus der heißen Luft einen anhaltenden Rückenwind zu machen. Bei Programmen zur regionalen Fleischerzeugung heißt das, die regional erzeugten Futtermittel nicht zu vergessen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

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