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Marktlage

Wandel im Kartoffelmarkt

Kartoffel Ernte
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
08.08.2019

Kartoffelpreise stabilisieren sich.

Wolfgang Piller

Ein gutes Kartoffeljahr muss immer auch ein paar schlechte mit finanzieren – das war so ziemlich das erste, was mir als jungem Pflanzenbauredakteur eingebläut wurde. Das war vor etwa 20 Jahren und ziemlich richtig: Nicht öfter als alle zehn bis zwölf Jahre reißt der Preis für Kartoffeln zwischen 1983 und 2006 in Richtung eines „Hochs" aus. Dazwischen liegen mindestens doppelt soviele Tiefpreisjahre.

Das scheint sich grundlegend gewandelt zu haben: Seit 2006 sind die guten Jahre fast die Regel und die absoluten Tiefpreisjahre gibt es kaum mehr. Was seitdem den Boden (2011, 2014) markiert, war zuvor schon beinahe ein mittleres Jahr!

Auch die Marktgespräche haben sich seitdem verändert. Damals starrte man fassungslos auf den Rückgang im Frischkartoffelverzehr. Jetzt sieht man die Zuwächse im Segment der verarbeiteten Kartoffeln und freut sich klammheimlich darüber, dass der Frischkartoffelmarkt sich in diesem Zug stabilisiert hat.

Dabei hilft diesem mit Sicherheit der Trend zu regionalen Produkten. Die Kartoffel ist ja auch ganz einfach das regionale Lebensmittel schlechthin. Und ganz ehrlich: Keine importierte Ware kann mit der heimischen Kartoffel mithalten, die Frühkartoffel aus dem Mittelmeerraum jedenfalls ganz sicher nicht.

Die Branche hat sich im Gesamten professionalisiert. Die Verarbeiter haben ihre Rohstoffbasis organisiert, die Anbauer ihre Flächenplanung mittlerweile offenbar gut abgestimmt.

Was immer noch fehlt, ist für viele Erzeuger der Zugang zum Wasser. Denn mehr als jede andere Frucht ist die Kartoffel mit ihrer hohen Frischmasse (und auch der hohen Wertschöpfung) darauf angewiesen. Das erfahren auch in diesem Jahr wieder insbesondere die Anbauer im Osten und Norden Bayerns. Besonders ihnen müssen hohe Preise zwar nicht die Tiefpreisjahre mitfinanzieren, aber sehr wohl die Ernteausfälle.

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