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Bayerischer Vieh- und Fleischhandelsverband

Von wegen regional: Hauptsache billig

Rinder-Argentinien
Redaktion
am
16.08.2019

Verband prangert Heuchelei des Lebensmitteleinzelhandels an

Eine nur schwer zu ertragende Heuchelei des Verbrauchers, aber auch des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) hat der stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes, Reinhold Koller, bereits zu Beginn der Grillsaison bei Sonderangeboten für Rindfleisch von namhaften Discountern angeprangert. Das Thema hat nach wie vor Brisanz. Durch das Mercosur-Abkommen könnte Billigfleisch aus Südamerika ein Dauerthema werden.

Es könne nicht angehen, dass von der heimischen Landwirtschaft und dem Agrarhandel immer strengere Auflagen und immer neue Qualitätsprogramme mit deutlich steigenden Kosten gefordert werden und gleichzeitig marktbeherrschende Discounter südamerikanisches Rindfleisch zu Tiefstpreisen anbieten, so Koller. „Die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels an unser heimisches Rindfleisch werden ständig in die Höhe geschraubt. Neben den Qualitätsprogrammen GQ, QS und neuen Programmen für Tierwohl und Haltungsformen, die ein schier unerträgliches Maß an Bürokratie für die Landwirtschaft bedeuten, wird auch der Preisdruck seitens des LEH stets erhöht, obwohl den Verantwortlichen bewusst ist, dass die Kosten in der Erzeugung und im Handel in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind“, meinte Koller.

Altar des Freihandels

„Die heimische Landwirtschaft wird ein weiteres Mal auf dem Altar des Freihandels geopfert. Unsere bayerischen Bauern produzieren bereits heute ausreichend Rindfleisch für den eigenen Markt. Ökologisch und sozial bedenkliches Billig-Fleisch aus Südamerika wird folglich unsere Landwirtinnen und Landwirte weiter unter Druck setzen und den Ansprüchen unser Verbraucherinnen und Verbraucher nicht gerecht. Die Wahrheit ist doch, dass weder der Lebensmitteleinzelhandel, noch die Verbraucher darüber aufgeklärt sind, unter welchen Bedingungen die Rinder in Südamerika gehalten, gemästet und geschlachtet werden. Von dem ökologischen Irrsinn, Rindfleisch um die halbe Welt zu transportieren, nur um es hier für die Hälfte des Wertes unserer ohnehin günstigen Fleischpreise anbieten zu können, gar nicht zu reden“, so Koller.

Praxisfremd

Koller fordert eine Intervention der Politik und nachhaltige Verbraucheraufklärung. Auch die Behörden und der Gesetzgeber seien gefordert, wenn es um die Vermittlung der Werthaltigkeit des Lebensmittels Fleisch geht. Koller weiter: „Es zeugt doch von einer vollkommen abgehobenen und praxisfernen Einstellung zum hochwertigen Lebensmittel Fleisch, wenn nun zusätzlich in einer neuen Verwaltungsvorschrift des Bundesrates vom 18. April 2019 festgelegt wird, dass das Fleisch von Schlachttieren am Schlachthof zu Hundefutter verarbeitet werden muss, wenn Flanken, Vorder- oder Hintergliedmaßen der Schlachttiere verschmutzt sind. Gerade bei warmem Wetter sind Verschmutzungen durch Kot beim Transport unvermeidlich. Auch in den vergangenen Jahren war es dann immer möglich, Tiere noch am Schlachthof zu reinigen oder auf andere Weise sicherzustellen, dass Lebensmittelhygiene gewährleistet ist.“

Die deutsche Bevölkerung einschließlich ihrer Politiker bestünde zu 98 % aus Experten für Landwirtschaft und nur zu 2 % aus Beteiligten, die tatsächlich im Agrarsektor arbeiten und wüssten wovon sie sprechen. Wenn sich hier nicht etwas ändere, so Koller, könne Lidl, genauso wie der letzte Metzger um die Ecke bald nur noch südamerikanisches Fleisch verkaufen.

Mit Material von Bayerischer Vieh- und Fleischhandelsverband
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