Login
Betriebsmittel

Weniger Pflanzenschutz und Düngung

Pflanzenschutz
Thumbnail
Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
16.05.2019

Ein Gradmesser für den Absatz ist die Pressekonferenz des Industrieverbands Agrar (IVA) Mitte Mai.

Ein Gradmesser für den Markt­erfolg der Pflanzenschutzmittelindustrie und der Düngemittelhersteller ist Jahr für Jahr die Pressekonferenz des Industrieverbands Agrar (IVA) Mitte Mai. Letztes Jahr – so viel steht fest – war für beide wenig erfolgreich. Doch während sich für die Pflanzenschutzhersteller damit ein Trend verfestigt, hat dieser für die Dünger­industrie offenbar erst begonnen.

1. Pflanzenschutz: Der Abwärtstrend hält an

Pflanzenschutzmittel

Im direkten Geschäft mit dem Großhandel, dem sogenannten Nettoinlandsumsatz, hat die Pflanzenschutzmittelindustrie (nur IVA-Mitgliedsfirmen) im vergangenen Kalenderjahr einen Umsatz von 1,282 Mrd. € erzielt. Das bedeutet gegenüber 2017 ein Minus von über 7 %. 2017 konnten die Firmen noch Pflanzenschutzmittel im Wert von 1,385 Mrd. € verkaufen. Mit dem erneuten Rückgang – der Höhepunkt war 2014 mit 1,6 Mrd. € erreicht – fiel die Pflanzenschutzindustrie auf den Stand vor 2011 zurück. Wenn die Inflation mit berücksichtigt wäre, würde das letztjährige Ergebnis in einem noch schlechteren Licht erscheinen, sagte bei der Pressekonferenz in Frankfurt am Main der scheidende IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm.

Verantwortlich dafür machte er in erster Linie die Trockenheit von 2018. Die fehlende Notwendigkeit, die Ackerkulturen zu schützen, und schon früh eingetrübte Ertragserwartungen der Ackerbauern hatten die zu erwartende Reaktion gezeigt: Die Landwirte haben zurückhaltend Pflanzenschutzmittel eingekauft. Weil von den gekauften Präparaten auch einige nicht am Acker gelandet sein dürften, müsste der Verkauf auch in dieser Saison noch vorbelastet sein. Das bestätigt sich offenbar auch, denn wie Schramm sagte, liegen die Marktzahlen sogar noch etwas unter dem desaströsen Vorjahr. Trotzdem hofft er und wohl die gesamte Pflanzenschutzindustrie noch auf ein „Normaljahr“.

  • Herbizide: Der Herbizidumsatz 2018 ist um 4,4 % auf 568 Mio. € gesunken. Der Einsatz von Getreideherbiziden im Frühjahr lag im Vergleich zum Vorjahr auf einem höheren Niveau. Die Herbstbehandlungen blieben wegen der anhaltenden Trockenheit hinter denen der Vorjahre zurück. Der Markt für Rübenherbizide ist dank Flächenzunahme und einem höheren Marktpreis insgesamt um 2 bis 3 % gestiegen. Der Markt war geprägt von einer Produktknappheit bei blattaktiven Rübenherbiziden und gleichzeitig hohem Bedarf. Der Markt für Maisherbizide wuchs mit dem Anstieg der Maisfläche um circa 3 %. Der Rapsherbizidmarkt ist deutlich gesunken. 
  • Fungizide: Der Fungizidumsatz litt besonders. Im Vergleich zum Vorjahr ging er um 12,3 % auf 499 Mio. € zurück. Der Marktwert der Getreide­fungizide sank deutlich mit circa 16 %. Im Norden nahm das Marktvolumen extrem ab. Auch der Fungizideinsatz im Raps sank merklich. Außerdem drückte die Zunahme günstiger Produktangebote den Marktwert. Der Markt für Kartoffelfungizide bewegte sich unter dem Vorjahresniveau. Im Süden Deutschlands sanken die Anwendungen aber nur leicht. Dies bestätigt, dass die Landwirte ihre Maßnahmen nach dem Schadschwellenprinzip entscheiden und Pflanzenschutz zielgerichtet einsetzen.
  • Insektizide: Der Insektizidumsatz lag mit 132 Mio. € um 3,1 % über dem Wert des Vorjahres. Der Markt für Rapsinsektizide ist im Frühjahr 2018 leicht gesunken. Die Behandlungen der Herbstaussaaten erfolgten stärker als im Jahr 2017. Der Markt für Getreideinsektizide stieg im Frühjahr 2018 an und auch im Herbst waren die Wintergetreidesaaten intensiv gegen Blattläuse zu behandeln.
  • Sonstige: Der Umsatz der „sonstigen“ Pflanzenschutzmittel wie Wachstumsregulatoren, Rodentizide (Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren) und Schneckenmittel ging um 11,7 % auf 83 Mio. € zurück. Der Markt für Wachstumsregulatoren schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um fast 10 %, auch wegen Preissenkungen. Die Trockenheit schränkte den Bedarf an Schneckenkorn im Sommer und Herbst ein. 

Seit der Wiedervereinigung schwanken die jährlichen Mengen an chemischen Pflanzenschutzmitteln in Deutschland zwischen 30.000 und 35.000 t. Gute zehn Prozent davon (2017 ca. 3600 t) landen übrigens auf Feldern von Ökolandwirten. Das sind oft Mittel wie Kupfersulfat oder Schwefelprodukte, die in hohen Mengen verwendet werden. 
Anders als in Deutschland ist der weltweite Bedarf an Pflanzenschutzmitteln gestiegen. Die Landwirte rund um den Globus gaben fast 48 Mrd. $ für den chemischen Pflanzenschutz aus. Umgerechnet sind das etwa 56,5 Mrd. €. Der größte kontinentale Einzelmarkt ist Asien (ca. 30 %) gefolgt von Südamerika (ca. 24 %). 

2. Düngermarkt: Die neue Verordnung schlägt zu

Düngemittelmarkt

Auch die Düngerbranche ist mit dem Jahr 2018 – dem ersten Jahr im Zeichen der neuen Düngeverordnung – keineswegs zufrieden. Das dürfte für die Anwender genauso gelten wie für die Hersteller. Die Landwirte hatten die Anstrengungen in der Umsetzung der DüV zu bewältigen und die Mineraldüngerhersteller enorme Rückgänge. Die Verkäufe von Stickstoff, Phosphat und Kali sanken jeweils um rund 10 %. Ulrich Foth, der beim IVA für den Bereich Düngemittel zuständig ist, drückte die Enttäuschung der Branche aus, die auch für 2019 zumindest bei Stickstoff und Phosphat mit Rückgängen in dieser Größenordnung rechnet.

  • Stickstoff: Im Schnitt der letzten Jahre rechnet Foth mit einem Verlust von je 100 000 t, die die Hersteller weniger an stickstoffhaltigen Düngern an die Landwirte verkaufen konnten. Dieser Verlust stammt zum einen vom Wetter, das jetzt in mehreren Jahren nicht günstig für die deutschen Ackerbauern war, zum anderen von der Düngeverordnung, die seit Sommer 2017 die Ackerbauern schärfer verpflichtet, Stickstoff effizient einzusetzen und vor allem den organischen Stickstoff genauer zu bilanzieren. „Die Mineraldünger lösen jetzt die Probleme der organischen Dünger“, nannte dies der Düngermanager. 2017/18 erreichte der Absatz in Deutschland bei den Stickstoffdüngern ein Volumen von insgesamt 1,497 Mio. t. Das entspricht einem Rückgang von 9,8 % und liegt erstmals seit vielen Jahren sichtbar unter dem langjährigen Durchschnitt von etwa 1,6 Mio. t. Verloren hat insbesondere Harnstoff mit einem Minus von fast 20 %, in absoluten Zahlen ist das ein Rückgang um fast 114 000 t.
  • Phosphat: Die DüV trifft auch insbesondere den Absatz von Phosphatdüngern. Sie haben ebenfalls ein Zehntel der Menge verloren. Der Absatz lag bei unter 210 000 t. Nur Superphosphat hat mehr verkaufen können als zuvor. 
  • Kali: Auch der Kaliabsatz hat sich im Berichtszeitraum mit 9,9 % deutlich negativ entwickelt. Hier fällt es schwer, einen direkten Zusammenhang mit der DüV zu erkennen, weshalb Foth auch davon ausging, dass sich der Rückgang – anders als bei N und P – nicht zum mehrjährigen Trend ausbilden dürfte.
  • Kalk: Der Absatz von Kalkdüngern konnte um 9,5 % zulegen und kam insgesamt auf 2,93 Mio. t CaO. Davon entfielen 79 % auf kohlensauren Kalk, der damit weiterhin der deutlich wichtigste Kalkdünger bleibt, auch wenn andere Kalksorten deutlich zulegen konnten.

Auch der Düngermarkt dehnt sich weltweit betrachtet aus. Das hängt fast direkt mit dem Zuwachs in der Weltbevölkerung zusammen. Vor allem in Südamerika, Südostasien, aber auch Afrika steigt der Einsatz von Dünger und damit die Intensität im Ackerbau.

Auch interessant