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Kommentar

Wirtschaftskrimi zwischen China und den USA

Flaggen auf zerbrochenem Glas
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Wolfgang Piller, Wochenblatt
am
03.01.2019

Aus kurzsichtigem Kalkül wird wertvolles Porzellan zerdeppert.

Wolfgang Piller

Weltweit flüchten die Menschen aus den ländlichen Räumen in die Städte. Schon heute lebt jeder zweite Mensch in einer Stadt. Bis 2030 werden zu den derzeit 30 sogenannten Mega-Citys mit mehr als 10 Millionen Einwohnern noch mal zwölf dazukommen. Wir brauchen uns nichts vormachen: Für die meisten dieser Menschen ist eine „regionale“ Versorgung bestenfalls Wunschdenken, eher gar nicht vorstellbar. Die Menschheit ist also auf effiziente Strukturen in der Lebensmittelproduktion, im Lebensmittelhandel und zuvor im internationalen Agrarhandel angewiesen. Die globale Arbeitsteilung und der Welthandel sind Fakt.
Das heißt natürlich überhaupt nicht, dass die Landwirtschaft nur für den Weltmarkt produzieren soll oder darf. Wo immer sich regionale Märkte auftun, lohnt es sich, sie zu bedienen. Das Gleiche gilt für die Biolandwirtschaft. Zunehmender Wohlstand verändert die Ernährungsweisen. In den satten Gesellschaften Europas und Nordamerikas verklärt sich Essen für manche zu einer Ersatzreligion. Aber in aufstrebenden Regionen Asiens und auch Afrikas – übrigens jene Regionen, wo sich die Städte immer weiter vergrößern – folgt auf ein höheres Einkommen schlicht und einfach mehr Fleisch auf dem Teller.  
Daher kommt zum Beispiel der enorme Bedarf Chinas an Soja. Die Bohne ist in der Tierhaltung unersetzbar. Dazu haben sich seit Jahren feste Handelsströme etabliert, begleitet (oder auch angetrieben) durch immer feinere Regeln, auf die man glaubte, sich verlassen zu können. Handel brachte Frieden und Wohlstand – und die jedem Menschen so wichtige Versorgungssicherheit. Darum macht der Konflikt zwischen Trumps USA und China so fassungslos. Handelskonflikte sollten sich in unserer Zeit diplomatisch lösen lassen. Jetzt aber wird aus kurzsichtigem Kalkül wertvolles Porzellan zerdeppert. Doch die internationale Arbeitsteilung in der Agrarwelt braucht intakte Strukturen, damit auch die Menschen in den Städten zu versorgen sind.

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