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Hopfen

Ein Konzert für den Gaumen

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
07.09.2017

München - Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! Dieser fromme Spruch ist bayerische Lebenskultur.

Es geht dabei natürlich um Bier, den Göttertrunk für die bajuwarische Seele, der dem strammen Volk seine Gelassenheit einhaucht, oder besser: einflößt.
Ob in einer fränkischen Kleinbrauerei oder in einem schicken Münchner Biergarten, das Geräusch nach dem ersten, langen Schluck ist überall gleich: „Aaahhh.“ Würden Katzen Bier trinken, würden sie schnurren.
Doch seit einiger Zeit kann sich das Geräusch des ersten Schlucks auch einmal ändern. „Uuuiihhh“ oder „Ja heee“ sind inzwischen Ausdrucksformen eines überraschten Wohlbefindens. Und das liegt am Hopfen und seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit. Setzte man früher hauptsächlich Bitterhopfen ein, um dem Bier Geschmack und Stabilität zu geben, gibt es heute – angetrieben durch eine freakige Gilde, die sich Craftbrewer nennt – Hopfensorten, die nicht nur durch ihre Namensgebungen die Zunge schnalzen lassen. Mandarina Bavaria oder Hüll Melon, hinter diesen Namen verstecken sich Hopfensorten, die Fruchtkomponenten auf dem Gaumen zerplatzen lassen. Der Vielfalt des Hopfens sind keine Grenzen gesetzt und in den bayerischen Anbaugebieten wie in der Hallertau oder in Spalt tüfteln die Bier-Alchemisten an immer neuen Sorten. Der weltweite Hunger nach Hopfen ist groß. Für die Craftbeer-Szene wird Hopfen in rauen Mengen benötigt. Dieser Trend fördert die Kreativität der Züchter und solange der Trend anhält, wird ein Zauberhopfen nach dem anderen den gut laufenden Markt erobern.
Bayern ist zwar das unumstößliche Mekka des Hopfens, doch auch in anderen Ländern wie in den USA hat man den Trend erkannt und in den Hopfengärten hängen immer mehr Dolden. Hoffentlich bleibt diese Bewegung lange in Schwung. Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s!

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