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Schweinemast

Mehr in Kreisläufen denken

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Dr. Michael Ammich
am
25.02.2019

Schweinemästertag: Beitrag von Futterstrategien und Haltungssystemen

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Es wird eng für viele Schweinehalter: NERC-Richtlinie, Rote Gebiete und Düngeverordnung auf der einen, wenig Fläche und umso mehr Gülle auf der anderen Seite. Da kommt es auf jedes Kilogramm Stickstoff an, das sich einsparen lässt. Auf dem Schwäbischen Schweinemästertag zeigte Dr. Stephan Schneider, was die richtige Futterstrategie zum Einhalten der gesetzlichen Stickstoff-Grenzwerte beitragen kann. Und das ist eine ganze Menge, wenn man den durch Untersuchungen gut belegten Ausführungen des LfL-Mitarbeiters folgen mag. Eröffnet wurde der hervorragend besuchte Schweinemästertag vom Vorsitzenden des Fleischerzeugerrings Wertingen, Hermann Kästle. Seit nunmehr sechs Wochen trete der Schlachtschweinepreis auf der Stelle, in den Medien werde lieber mit Bildern von Schweinen in verschmutzten Ställen operiert als mit fachlich korrekten Berichten, die auch einmal die guten Seiten der Landwirschaft zeigen, klagte Kästle. Durch die Tagung führte Wolfgang Grob vom AELF Wertingen.

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Jetzt gehe es nicht mehr darum, die neue Düngeverordnung in allen Einzelheiten abzuklopfen, sagte der Leiter des Fachzentrums Schweinezucht und -haltung. Gefragt seien vielmehr Strategien für einen effizienten Umgang mit Stickstoff in den Schweine haltenden Betrieben. In seinem Vortrag zur Bedeutung einer effizienten Fütterung mit Blick auf die Düngeverordnung und die Stoffstrombilanz verwies Dr. Stephan Schneider auf zahlreiche Untersuchungen im In- und Ausland, die allesamt zum selben Ergebnis kamen: Die deutliche Reduzierung von stickstofflastigem Rohprotein muss in der Schweinemast keineswegs zu Leistungseinbußen und Tiergesundheitsproblemen führen.
Der Mitarbeiter des LfL-Instituts für Tierernährung und Futterwirtschaft ermunterte die Mäster, künftig mehr in Kreisläufen zu denken. Die Sache ist im Grunde einfach: Was der Landwirt vorne in das Schwein hineingibt, das kommt hinten wieder raus und landet entweder auf dem Feld oder in der Luft.
Die Frage lautet also, in welchen Futterkomponenten besonders viel Stickstoff enthalten ist. Schweine scheiden den Stickstoff im Harn als Harnstoff aus, in dem er besonders flüchtig ist, erklärte Schneider. Im Kot dagegen wird der Stickstoff bakteriell gebunden und deshalb weniger schnell freigesetzt. Damit Schweine weniger Harn und im Gegenzug mehr Kot erzeugen, benötigen sie faserreiches Futter. An Rohproteinen haben sie ohnehin weniger Bedarf als an verdaulichen Aminosäuren. Das bedeutet für den Mäster, dass er sich beim Futter mehr am Aminosäuren- als am Proteingehalt orientieren sollte. Als Beispiel für eine Futterkomponente, die viel Rohprotein und damit auch viel Stickstoff liefert, führte Schneider Weizen mit einem Proteingehalt von 13 % an.

Fütterung optimieren, um gut wegzukommen

Er machte die Mäster mit zwei Faustregeln bekannt: 10 g weniger Rohprotein im Futter bedeuten 10% weniger Ammoniak-Emission und 1% weniger Rohprotein bedeutet 7% weniger Gülle. Ein Vorteil, nachdem der Schweinehalter bei seiner Düngebedarfsermittlung die Gülle mit Blick auf den Nährstoffgehalt besonders hoch ansetzen muss. Schweine haltende Betriebe werden in der Düngeverordnung entweder als Betriebe mit Standardfütterung, mit stickstoff- und phosphorreduzierter oder mit stark stickstoff- und phosphorreduzierter Fütterung klassifiziert. Um gut wegzukommen, gilt es daher die Fütterung zu optimieren. „Ich kenne keinen Schweinemastbetrieb, bei dem es hier kein Potenzial mehr gibt“, sagte Schneider.
Untersuchungen zeigen eindeutig, dass unabhängig von der Genetik der Schweine unter der Phosphorreduzierung weder die Leistung oder der Magerfleischanteil noch die Knochengesundheit leiden – vorausgesetzt, dass zugleich mit dem Phosphor auch der Calciumgehalt des Futters verringert wird. Schneider empfahl den Mästern mehr Gerste und weniger Soja in das Futter zu mischen. Das verringert nicht nur den Proteingehalt, sondern auch die Futterkosten. Um hier die richtige Balance zu finden, sind allerdings entsprechende Futteruntersuchungen unumgänglich. Wie Schneider bestätigte, haben die bayerischen Schweinehalter den Rohproteingehalt ihrer Mastfuttermischungen in den vergangenen Jahren bereits deutlich reduziert. Das sei ein starkes Signal an die Gesellschaft: „Wir tun etwas für die Umwelt und den Klimaschutz.“

Alternative Haltungssysteme

Franziska Plank vom LfL-Institut für Landtechnik und Tierhaltung stellte alternative Haltungssysteme in bayerischen Betrieben vor:
  • Offenfrontstall mit 100% Festfläche und Kotbereich mit Schieber im Auslauf, Trockenfütterung, abgedeckte Liegekiste, händisches Einstreuen und Entmisten im Liegebereich.
  • Pig-Port-Stall mit Spaltenboden im Kotbereich und mit Auslauf, Spalten im Fressbereich, Güllekanal unter dem Spaltenboden, abgedeckte Liegekiste.
  • Schweizer Labelstall mit Rosten und Schieber im Kotbereich, Festfläche im Fressbereich, eingehauster Liegebereich mit Festfläche, händisches oder automatisches Einstreuen und händische Entmistung im Liegebereich.
  • Angepasster Tieflaufstall mit Festfläche im Auslauf und Kotbereich, Fressbereich mit Spalten und darunter liegendem Güllekanal, Festfläche im Liegebereich, händisches oder mechanisches Einstreuen im Liegebereich und Auslauf, Entmistung mit dem Hoflader.
  • Schrägbodenstall als Warmstall mit Trauf-First-Lüftung, Kotbereich auf Spalten mit Unterflurschieber, Festfläche im Fress- und Liegebereich, händisches Entmisten im Liegebereich.
  • Abgewandelter konventioneller Stall als Warmstall, Spaltenboden im Kot- und Fressbereich, teilweise geschlossene Fläche im Liegebereich, keine Einstreu, bei Bedarf Raufuttergabe in einer Raufe.
So weit, so gut. Aber was bedeuten die alternativen Haltungssysteme für die Landwirte, die mit ihnen arbeiten müssen? Die Sauberkeit der Buchten und der Tiere war auf den konventionellen Praxisbetrieben im Mittel besser als in den untersuchten Betrieben mit alternativen Haltungssystemen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die Flüssigfütterung den Verschmutzungsgrad der Buchten erhöht. Einerseits ermöglichten die alternativen Haltungen den Mästern eine flexiblere Arbeitseinteilung, andererseits sorgten sie für Mehrarbeit durch das Entmisten, das Einstreuen und bei der Tierkontrolle. Freilich sind die Leistung, die Hygiene und der Arbeitsaufwand in den konventionellen und alternativen Systemen auch eine Frage des Managements, wie Plank feststellte. Hier habe die Untersuchung der LfL von Betrieb zu Betrieb erhebliche Schwankungen an den Tag gelegt.
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