Simmernhof Alle ziehen an einem Strang

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Simmenhof © Simmenhof Bild vergrößern
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Mossendorf - Auf dem 5-Sterne-Simmernhof haben die vier Generationen ein Ziel: Den Betrieb als bewirtschafteten Bauernhof in die Zukunft zu führen. Dafür haben sie die Weichen gestellt, Mut zur Veränderung bewiesen und auf Hofurlaub gesetzt.

Simmenhof, Familie © Christine Schmid Bild vergrößern
Gemeinsam erfolgreich: (vorne v. l.) Barbara Weiherer mit Anton, Theresia Schwanzl, Christa Marquart sowie Simon Weiherer (hinten l.)und Rupert Marquart.

Wer sich auf dem Simmernhof in Mossendorf (Opf.) über die Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebs unterhalten möchte, bekommt es mit vier Generationen zu tun: mit Betriebsleiterin Barbara Weiherer und ihrem Mann Simon, Barbaras Eltern Christa und Rupert Marquart und Christas 93-jähriger Mutter Theresia Schwanzl. Dazwischen turnt der gut anderthalbjährige Anton herum, Sohn von Barbara und Simon, der in Kürze ein Geschwisterkind bekommt. Schnell wird klar: Alle ziehen an einem Strang. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Simmernhof als bewirtschafteten Bauernhof in die Zukunft zu führen. Als Rupert Marquart im Jahr 2012 in Rente ging, standen Entscheidungen an. Einer der beiden Einkommenszweige – 25 Milchkühe mit Nachzucht sowie Urlaub auf dem Bauernhof – musste ausgebaut werden, wenn der Vollerwerbsbetrieb eine Zukunft haben sollte. Aussiedeln mit Laufstall für Milchkühe? Die beengte Lage hätte keine andere Lösung erlaubt, denn das Grundstück streckt sich schmal und lang zwischen Naab und Dorfstraße, grenzt links und rechts direkt an die Nachbarn. Andererseits waren die Ferienwohnung und Doppelzimmer mit insgesamt 13 Betten durch Urlauber gut belegt.
Die Umgestaltung wurde ein Prozess, an dem alle beteiligt waren und sind. Mittlerweile hat sich einiges geändert: Sie haben das Milchvieh durch eine Mutterkuhherde ersetzt und ihren Urlaub auf dem Bauernhof mit einem neu gebauten Gästehaus zum 5-Sterne-Beherbergungsbetrieb gemacht. „Das war schon ein Schritt. Für das Geld kriegt man locker einen schönen Milchviehstall. Aber die Investition hat sich gelohnt. Wirtschaftlich trägt sich die Sache sehr gut“, sagt Barbara Weiherer zufrieden. Dabei hat sie anfangs am meisten gelitten, als die Entscheidung fiel, sich von den Milchkühen zu trennen.
In fünfter Generation bewirtschaftet die Familie den Betrieb, in dritter Generation führen – mangels männlicher Erben – die Frauen Regie. Barbara hat als jüngste von drei Töchtern den elterlichen Hof übernommen. Ihr Mann Simon, der als Zimmerermeister ganztags erwerbstätig ist und im BiLa-Kurs entdeckt hat, dass er gern mit Tieren arbeitet, zog mit. „Es ist wichtig, dass es weitergeht, aber auch, dass es anders weitergeht“, sagt er. So beschloss die Familie, nicht auf Tiere aber aufs Milchvieh zu verzichten. Zeitgleich entdeckte Barbara eine Anzeige im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt, in der ein Landwirt eine Angus-Mutterkuhherde gegen Fleckvieh-Jungvieh tauschen wollte. Barbara lächelt. „Das hat so sein müssen.“ Es entstand ein neuer Stall und wo der alte Stall stand, frühstücken heute die Gäste.

Sowohl Vermieterin als auch Bäuerin

Gästehaus Simmenhof © Christine Schmid Bild vergrößern
Das neu gebaute Gästehaus hat den Simmernhof zum 5-Sterne-Beherbergungsbetrieb gemacht. Für die Familie war das ein großer Schrit

Heute stehen zehn Angus-Mutterkühe mit Nachzucht und ein Deckbulle im Kaltlaufstall. Vier bis sechs Tiere werden im Jahr geschlachtet und in Zehn-Kilo-Paketen auf Vorbestellung direktvermarktet. Die Familie bewirtschaftet rund 50 Hektar Nutzfläche davon 20 Hektar Grünland. „Das ist kein Alibibauernhof“, sagt Betriebsleiterin Barbara mit Nachdruck. „Unsere Gäste sollen schon sehen, wie es heute in der Landwirtschaft zugeht.“ Weil sie mit vollem Herzen sowohl Vermieterin als auch Bäuerin ist, erhielt sie beim Wettbewerb „Bäuerin als Unternehmerin“ 2016 eine Anerkennungsurkunde.
Das Gästehaus und der schöne Garten mit großem Kinderspielplatz und die lauschigen Plätzchen laden zum Verweilen ein. Alles ist den Gästen zugänglich. „Nein, einen eigenen Garten für die Familie haben wir nicht. Wir genießen, dass wir jetzt das Haus für uns haben.“ Das war nicht immer so. Als Barbaras Oma Theresia Schwanzl Ende der 1960er-Jahre mit der Vermietung an Urlauber begann, wohnten die im Dachgeschoss des Bauernhauses. Barbaras Eltern passten die Räume dem Stand der Zeit an. Zuletzt war Mitte der 1990-er-Jahre grundlegend renoviert worden.
Im Mai 2013 zogen die ersten Urlauber in das neue Gästehaus. Innerhalb nur eines Jahres hatte die Familie Planung, Neubau und Einrichtung gestemmt. Dabei kamen ihr die Zusammenarbeit mit einem guten Architekten, hervorragenden örtlichen Handwerkern, mit dem Tourismusverband Oberpfälzer Wald und ihre jahrzehntelange Erfahrung zugute. Dazu kam viel Eigenleistung, vor allem die Zimmererarbeit von Simon Weiherer. Während der Umbaumaßnahmen in der Mitte der Hofstelle wohnten Stammgäste im Bauernhaus. Die wurden eingebunden, besichtigten den Rohbau und suchten sich schon mal ihre künftigen Lieblingswohnungen aus.
Barbara Weiherer hatte von Anfang eine 5-Sterne-Einstufung durch den Deutschen Tourismusverband angestrebt und genaue Vorstellungen wie alles aussehen sollte. Entstanden ist ein Bau im Oberpfälzer Stil mit Erdgeschoss, erstem Obergeschosss und Dachgeschoss. Der Frühstücksraum, komplett in Holz und Glas errichtet, ist als halbhoher Anbau des Gästehauses gestaltet.
Die Einrichtung ist klar gestaltet: moderne Möbel, hochwertige Materialien, Weiß und Naturtöne von Holz und Stein, dezente Farben, wenig ausgesuchtes Dekor. „Kein G‘lump. Vollholz und nur zwei Holzarten“, sagt Holzprofi Simon: Eiche für Möbel, Innentüren und Böden und Fichte für den sichtbaren Dachstuhl und die Fenster. Barbara und Simon lachen. „Eigentlich ist unsere Wohnung genauso eingerichtet. Wir wollten es modern und trotzdem gemütlich.“ Ihre Mutter Christa ergänzt: „Die Leute sollen sich wohlfühlen.“
Auch in Geschmacksdingen sind sich die Generationen einig. Und die Arbeit teilen sie auf, denn davon gibt es auf dem Simmernhof jede Menge. Die Männer, die sich gut verstehen, kümmern sich hauptsächlich um den Ackerbau, Simon außerdem um bauliche Themen, Christa Marquart sorgt für den riesigen Garten und die Verarbeitung von Früchten und Gemüse, unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Alle haben Zeit für den kleinen Anton. Und zwei Frauen aus der Umgebung, die Teilzeit auf Minijobbasis beschäftigt und hoch geschätzt sind, helfen bei Frühstücksservice und Zimmerreinigung. „Das ist keine one-man-show“, sagt Barbara Weiherer. Nur als Familienbetrieb sei all das zu stemmen. Sie hat genau überlegt, wo sich Arbeit outsourcen oder durch Austattung und Technik erleichtern lässt. So gibt es beispielsweise auf jeder Etage des Gästehauses einen Wäscheschacht, eine Putzkammer und eine zentrale Staubsaugeranlage.
In einem Restaurant hatte Barbara eine Einrichtung mit Altholz gesehen und sich nach der darauf spezialisierten Firma erkundigt. Der überließ sie die Innenraumgestaltung des Frühstücks- und Aufenthaltsraums. „Die Zimmereinrichtung haben wir selbst zusammengestellt.“

Sofakissen mit dem Logo des Urlaubshofs

Simmenhof, Kräutergarten © Christine Schmid Bild vergrößern
Genuss pur: Lauschige Plätze laden die Gäste zum Verweilen und Entspannen ein.

Die fünf Ferienwohnungen, eine davon barrierefrei, zwischen 60 und 95 Quadratmetern für zwei beziehungsweise vier Gäste und die zwei Doppelzimmer überzeugen durch Großzügigkeit. „Das geht halt, wenn man neu baut. Da kann man alles so machen wie man möchte.“ Jede Wohnung verfügt über einen eigenen Balkon oder Terrasse. In den Ferienwohnungen sind moderne Küchen eingebaut; in jedem Doppelzimmer steht ein Wasserkocher und ein kleiner Kühlschrank. Die Einrichtung ist in allen Zimmern einheitlich. Weiße Wände, einzeln zu stellende Boxspringbetten, Essplätze, separate Sitzecken mit dunkelbraunen Kunstledersofas, Radio, TV, WLAN und Insektenschutzgitter sind Standard. Handgedruckte Tischläufer und ­Sofakissen mit dem Simmernhof-Logo zählen zur sparsamen Dekoration. Die optische Klarheit schafft Ruhe und schärft den Blick für das edle Material: Vom Schreiner gefertigte Vollholz-Schränke mit Quermaserung korrespondieren mit den Zimmertüren. In elegantem Schwung grenzen Holz- und Fliesenboden aneinander.

Auch Frühstück können Gäste buchen

Simmenhof, Spielplatz © Christine Schmid Bild vergrößern
Der schöne Garten mit großem Spielplatz – alles ist den Gästen zugänglich. „Einen eigenen Garten für die Familie haben wir nicht“, erzählt die Hofchefin.

Bei den Doppelzimmerpreisen ist das Frühstück inklusive. Wohnungsmieter können es dazubuchen oder einen Brötchenservice nutzen. Voll des Lobs sind die Gäste für die professionelle Kaffeemaschine, für die hausgemachten Marmeladen, die auch optisch ansprechend kredenzt werden, für Gurken, Tomaten und Kräuter frisch aus dem Bauerngarten. „Das erwarten Gäste, die Urlaub auf dem Bauernhof machen.“
Hunde sind auf dem Simmernhof gegen Aufpreis willkommen. Familien mit Kindern haben ausreichend Platz, Gelegenheitsradler können sich E-Bikes ausleihen. Kanuwanderer haben ebenso wie Angler einen kurzen Weg: Vom Hof über eine
schmale Straße und schon ist man direkt an der idyllischen Naab. Angler erhalten im Simmernhof Angelkarten. Sie finden einen Abstellplatz für ihre Ausrüstung, einen Kühlschrank für die Köder, eine Gefriertruhe für die Fische, Schlachthaus und Räucherkammer. Schließlich lebten in dem ehemaligen Fischerdorf Mossendorf die Bewohner von Fischerei und Landwirtschaft – auch am Simmernhof. Noch Christa Marquarts Vater fischte ab und zu mit dem Netz.
Im Eingangsbereich gibt es eine Fülle an Broschüren über die Umgebung. Beim eigenen Infomaterial investierten die Weiherers in ein Logo, Grafik, Fotos, erstellten ein zwölfseitiges Infoheft, Visitenkarten und einen Internetauftritt. Werbung schalten sie in ausgesuchten Publikumszeitschriften – mit Erfolg. „Das ist genau die Kundenklientel, die wir erreichen wollen,“ erklärt Barbara Weiherer.

Dranbleiben, aber sich nicht übernehmen

Und in Zukunft? Klar gebe es Überlegungen, was man als nächstes machen könne, aber Priorität habe die Familie, das zweite Kind. „Man muss schon dranbleiben, darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Aber man darf auch mal zufrieden sein. Und man sollte schauen, dass man sich nicht übernimmt.“