Ökoverordnung Die Angst vor dem Scheitern

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München - Bei Shakespeare ruft in einem der Königsdramen der Held seine Soldaten dazu auf, „Noch einmal stürmt, noch einmal liebe Freunde“, damit endlich die lange belagerte Stadt erobert werden kann.

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Ein Kommentar von Simon Michel-Berger, Stellvertretender Chefredakteur, Simon.Michelberger@dlv.de

Ganz so dramatisch ging es in Luxemburg beim Treffen der EU-Agrarminister nicht zu. Formell wollten sich alle Seiten zwar schon auf eine neue Ökoverordnung einigen. Aber zu weit auseinander liegen viele der Positionen selbst nach dreieinhalbjährigen Verhandlungen immer noch. Und so erhob sich aus dem Konferenzsaal eher ein leicht genervtes: „Wenn es sein muss, probieren wir es halt nochmal“ als ein dramatischer Aufruf zum letzten Gefecht.

Nachvollziehbar ist das Stimmungs- tief. Die EU-Kommission hatte bereits im Dezember 2014 angekündigt, den Gesetzesvorschlag vom Tisch zu nehmen, sollte es keine Einigung binnen sechs Monaten geben. Ein Kompromiss schien auch immer näher zu rücken – doch wie eine Fata Morgana blieb er letztlich knapp außerhalb der eigenen Reichweite.

Mittlerweile spielt es eine zunehmend wichtige Rolle, nicht derjenige zu sein, der am Ende mit dem Schwarzen Peter dasteht, das Scheitern der Gespräche verantworten zu müssen. Denn all die technischen Details dringen zu den Wählern außerhalb der Landwirtschaft ohnehin nicht durch. Ein Abbruch der Gespräche würde das schon eher.

Beispiel gefällig? Eine Brüsseler Internet-Zeitung brachte kürzlich ein Porträt des Grünen-Abgeordneten Martin Häusling, Verhandlungsführer des EU-Parlaments beim Thema. Schlagzeile: „Der deutsche Grüne, der dafür kämpft, Pestizide in Ihrem Bioessen zu erhalten“. Der Tagespresse ist die Rückstandsproblematik oft schlicht zu kompliziert und so kommen derartige Vorwürfe heraus. Ob und was hingegen in den kommenden gut zwei Wochen Verhandlungen herauskommt, ist noch völlig offen.