Tierschutz Brucker Schlachthof - Es soll einen Neuanfang geben

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen. Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Engelbert Jais © Angi Kiener Bild vergrößern
Im Schweinestall: Engelbert Jais ist Landwirt und Metzgermeister.
von , am

Fürstenfeldbruck - Der Innungsobermeister Engelbert Jais führt beim Brucker Schlachthof Gespräche mit Landrat und Metzgern.

Kritische Kundschaft sind die Erzeuger der Bauernquelle gewöhnt. Ein Gesprächsthema beim Einkauf auf dem Brucker Bauernmarkt war am vergangenen Samstag natürlich der Fürstenfeldbrucker Schlachthof. Dieser ist nach der Veröffentlichung von Videoaufnahmen der Soko-Tierschutz mittlerweile geschlossen und liquidiert worden.
Seitens des Landratsamtes wurde Strafanzeige gegen den Schlachthof bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Von der Kreisbehörde ist zu verlauten, dass dies nicht überschätzt werden solle. Es gehe um die Überprüfung des Videomaterials durch die Staatsanwaltschaft.
Metzger-Innungsobermeister Engelbert Jais hatte kürzlich ein Gespräch mit Landrat Thomas Karmasin und einer Vertreterin des Veterinäramtes. „Mir ging es bei diesem Treffen in erster Linie darum, in Erfahrung zu bringen, ob wir mit der Kommanditisten-Einlage des Landkreises in Höhe von 150.000 Euro weiterhin rechnen können; denn wenn dieses Geld raus ist, ist es vorbei“, sagt Jais. Karmasin habe ihm beim Gespräch am vergangenen Freitag zugesichert, dass er zu dem regionalen Schlachthof stehe.
„Herr Jais hat zugesagt, die Auflagen des Landratsamtes zu erfüllen; ich setze mich dafür ein, die Einlage des Landkreises weiterhin einer mit neuem Personal ausgestatteten Gesellschaft im Betrieb zu belassen, allerdings haben hier die Kreisgremien das letzte Wort“, betont Karmasin auf Nachfrage. Auch an den Einlagen (rund 500.000 €) der insgesamt rund 70 Teilhaber der Schlachthof GmbH hängt ein eventueller Neuanfang. „Wenn die Hälfte der Kommanditisten ihre Einlagen herausnähme, wären wir mit dem Brucker Schlachthof am Ende“, meint der Innungsobermeister und Landwirt. Dass das passiere, davon gehe er zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht aus.

Stimmungsbild vom Bauernmarkt

Beim Brucker Bauernmarkt stellte sich der bisherige Geschäftsführer des Schlachthofes Max Keil den Fragen der Kunden, zeigte Präsenz, versteckte sich nicht. Einer langjährigen Kundin erzählte er, dass er mittlerweile Hunderte von Drohanrufen erhalten habe, die Nummern der Anrufer sogar vom Display ablesen konnte. „Ich habe sie aber nicht notiert“, sagt Keil.
„Ich habe Vertrauen zu dir, zu deiner Arbeit – als ich das von dem Schlachthof hörte, habe ich das gar nicht mit dir in Verbindung gebracht“, sagt Maria Fischer-Kouniadi. Sie ist seit über 20 Jahren aus Überzeugung treue Bauernmarkt-Kundin. „Ich habe selten jemand erlebt, der so menschlich und ehrlich ist wie Max Keil und er war sicher auch ein guter Schlachthofchef“, betont sie. „Unsere Bauernmarktkunden haben keine vorgefertigten Meinungen, sie sind sensibel, aufgeklärt und denken mit“, weiß Keil, dem der Schlachthof nach eigenen Worten immer ein Herzensanliegen war.
Sebastian Best verkauft kein Fleisch, sondern Spargel vom Betrieb Wolf. Er meint: „Die von der Soko-Tierschutz hätten doch gleich zu den Verantwortlichen gehen können und nicht erst an die Öffentlichkeit; dann hätte zusätzliches Tierleid verhindert werden können – vielleicht ging es denen gar nicht ums Tierwohl, sondern um das medienwirksame Aufdecken eines Skandals.“ Er gibt den Betrieben Jais, Unglert und Zimmermann, die am Bauernmarkt ihre Fleischprodukte verkaufen, Rückendeckung. Diese hätten schließlich in gutem Glauben beim Brucker Schlachthof die Tiere angeliefert: „Die können doch nichts dafür und müssen jetzt die Suppe auslöffeln und den Kunden Rede und Antwort stehen“, sagt Best.

Neuanfang mit dem Innungsobermeister?

An der Bauernmarkt-Fleischtheke der Metzgerei Jais verkauft Juniorchef Andreas Jais Rind- und Schweinefleisch. „Der Brucker Schlachthof muss erhalten bleiben, die Vorfälle müssen aufgearbeitet und Probleme aus der Welt geschafft werden“, sagt er. Dafür wolle man sich seitens der Metzger gern mit allem Fachwissen einbringen. Sein Vater Engelbert Jais hat angekündigt, künftig gemeinsam mit anderen Metzgern Verantwortung am Brucker Schlachthof übernehmen zu wollen – falls der Betrieb dort wieder aufgenommen wird.
Kunde Peter Schmid sagt: „Ich war überrascht, konnte es mir nicht vorstellen, dass im Brucker Schlachthof so etwas passiert ist.“ Er will künftig keinen regionalen Metzger meiden, aber er betont auch: „Die Kontrollen im Schlachthof müssen verbessert werden – das haben die Tiere und natürlich auch die Verbraucher, die gerne mehr fürs Tierwohl und für gutes Fleisch bezahlen, verdient.“
Innungsobermeister Jais will nicht blauäugig in die Schlachthof-Zukunft starten. Seine Innungskollegen hat er mittlerweile mobilisiert, sie hätten ihm ihre Unterstützung zugesichert. „Ich habe die Zusage, dass jeder Innungsbetrieb einen Metzger für den weiteren Betrieb am Schlachthof zur Verfügung stellt“, sagt Jais. Auch er wolle künftig wieder selbst beim Brucker Schlachthof vor Ort sein und dort schlachten. Doch: „Meine letzte Schlachtung liegt schon einige Jahre zurück; ich und die neue Mannschaft werden natürlich entsprechende Kurse absolvieren.“
Als Frontmann der Metzgerinnung sei er seit der Schlachthofschließung „wie die Jungfrau zum Kind gekommen“, was einen möglichen Fortbestand des Brucker Schlachthofes angehe. Nach erforderlichen Umbaumaßnahmen müsse laut Jais im tierschutzrelevanten Bereich – also nach der Lebendbeschau auch bei den Schlachtungen – ein zusätzlicher Tierarzt vor Ort sein. Denn: „Wir unterscheiden zwischen einem reinen und einem unreinen Bereich und ein Veterinär kann wegen der Hygienebestimmungen nicht einfach in beiden Bereichen hin- und hergehen“, betont Jais. Und: Generell dürfe man sich in Zukunft im Brucker Schlachthof keine Schlampereien erlauben. Noch ist der Fortbestand der Schlachtstätte nicht in trockenen Tüchern. „Das wird noch eine gewisse Zeit dauern“, sagt Jais.