Lieber Leser Der Eigentümer entscheidet

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München - Die EU betreibt einen hohen Aufwand, um das Grünland zu erhalten. Das geht hin bis zu einem Grünlandumbruchverbot. Die Begründung: Grünland sei ökologisch wertvoller als Acker. Alles falsch?

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Sepp Kellerer, Chefredakteur

Aus landwirtschaftlicher Sicht hat intensiv genutztes Grünland folgende Vorteile: Der Aufwuchs von den heimischen Wiesen ist gentechnikfrei. Grünland liefert nährstoffreiches Futter von den betriebseigenen Flächen. Gerade, wenn es zum richtigen Zeitpunkt geschnitten wird, erlaubt es eine hohe Grundfutterleistung. Damit kann der Einsatz von Kraftfutter aus Regionen der Erde verringert werden, wo für dessen Anbau vielleicht Regenwald gerodet wurde. Ein geringerer Kraftfutterzukauf entlastet auch den Nährstoffkreislauf im Betrieb. Und nicht zuletzt verhindert Grünland aufgrund der intensiven Durchwurzelung und der ganzjährigen Bodenbedeckung ziemlich wirksam die Bodenerosion. Alles falsch?

Bei einer Tagung des Landesjagdverbandes zum Grünland haben kürzlich mehrere Organisationen ein ganz anderes Bild vom Grünland und von dessen Nutzung gezeichnet. Die übliche Produktionstechnik mit häufigem Schnitt verringert die Artenvielfalt. Der frühe Schnitt verhindert, dass die Pflanzen blühen, der freilebenden Tierwelt wird die Nahrungsgrundlage entzogen. Und die Wildlebensraumberater der LfL müssen zugeben, dass Maßnahmen auf dem Grünland nicht so schnell wirken wie besipielsweise auf dem Acker. Unsere Vorstellung, dass Grünland ökologisch wertvoll ist, also völlig falsch?

Nun sind bestimmte Vorgehensweisen nicht unbedingt neu. Im Mittelalter hat man das Anziehen der Daumenschrauben gekannt. Erst muss aus dem Acker Grünland werden, dann werden die Flächen extensiviert und irgendwann fallen sie komplett aus der Produktion. Ist diese Schlussfolgerung falsch?

Fest steht, dass Daumenschrauben hierzulande heute nicht mehr angewandt werden. Man äußert sogar Verständnis für die Bauern. Sie seien ja gezwungen, intensiv zu wirtschaften, um ihre Existenz zu sichern. Das liege an den falschen Rahmenbedingungen, und deshalb müsse die Politik sie ändern, natürlich nach den Vorstellungen der Umweltseite. Man kann jemand auch so fest umarmen, dass er dabei erstickt.

Was ist nun richtig? Angebote und Alternativen schaffen, ja, aber entscheiden können muss der Landwirt selber, er muss von seinen Flächen leben.