Lieber Leser Von Erntestress und Erntespaß

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München - Die letzten Jahre war eigentlich immer das gleiche Phänomen zu beobachten: Vor Beginn der Ernte eine Trockenperiode, die zum Teil zur Notreife beim Getreide geführt hat. Und jedesmal, wenn dann die Mähdrescher losfahren wollten oder kurz losgefahren waren, folgt eine Phase unbeständigen Wetters.

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Sepp Kellerer, Chefredakteur

Natürlich ist der Freistaat Bayern keine Einheit – ganz konkret bezogen auf das Klima und die Bodenverhältnisse und damit auf die Vegetation und deren Fortschritt. Und deshalb beziehen sich meine Erfahrungen auch nur auf einen Ausschnitt des Freistaates, sagen wir mal grob von Regensburg bis München. Da war aber die letzten Jahre eigentlich immer das gleiche Phänomen zu beobachten: Vor Beginn der Ernte eine Trockenperiode, die zum Teil zur Notreife beim Getreide geführt hat. Und jedesmal, wenn dann die Mähdrescher losfahren wollten oder kurz losgefahren waren, folgt eine Phase unbeständigen Wetters. Muss denn das sein? Haben die Bauern denn nicht schon so genug Ärger? Verständlich, dass jeder seine Gerste oder seinen Raps vom Feld haben will, wenn sie oder er trocken sind. Verständlich, dass jeder meint, der Mähdrescher müsse zuerst zu ihm kommen. Aber das geht nun mal nicht und das muss auch nicht sein, denn insgesamt geht es heute doch viel schneller.

Beweis gefällig? Die ersten Berufsjahre, wenn ich zur Erntezeit mit dem Zug vom Büro nach Hause gefahren bin, dann war auf fast jedem Gerstenacker ein Mähdrescher. Und am nächsten Abend war der gleiche Mähdrescher auf dem gleichen Acker. Heute, wenn ich abends heimfahre, dann sehe ich da mal einen Mähdrescher und dort mal einen und da ganz hinten vielleicht noch einen dritten. Und am nächsten Abend ist die ganze Flur abgeerntet – wenn das Wetter mitspielt. Unsere Vorhersage lässt daran für die nächsten Tage noch einige Zweifel aufkommen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einen anderen Aspekt der Ernte ansprechen, einen mengenmäßig viel kleineren, aber fürs Gemüt viel schöneren. Machen Sie eigentlich nach vollbrachtem Tagewerk auch noch einen Rundgang durch den Garten?

Ein Blick auf das Beet mit den Walderdbeeren und die letzten von der Staude zupfen, auch wenn sie nur noch stecknadelkopfgroß sind. Dann weiter zu den Himbeeren. Hoffentlich haben die anderen heute Morgen beim Pflücken ein paar übersehen. Ja, da hängt noch eine und dort auch – süß und ein unvergleichlich natürliches Aroma. Und dann weiter zum Haselnussstrauch. Unter dem ist nämlich eine Schwarze Johannisbeere aufgelaufen und deren Früchte sind gerade prall und knackig.

Vielleicht nutzen Sie ja die nächste Regenpause in der Ernte für einen Rundgang durch den Garten.