Bienen Jahreswechsel bei den Bienen

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Bienen, Wabe, Pollen © Fachzentrum Bienen Bild vergrößern
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München - Im August beginnt das neue Bienenjahr. Diese vom Kalender abweichende Einteilung hat seinen Sinn. Werden jetzt größere Fehler begangen, kommt das Volk schlechter über den Winter und leidet das gesamte folgende Jahr darunter.

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Die Bienen legen den gesammelten Pollen in den Zellen ab und stampfen ihn mit den Beinen fest. Der Pollen wird mit einer dünnen Honigschicht überzogen – so kann er nicht verderben.

Gegen Ende Juli fand bei den Bienen die sogenannte Drohnenschlacht statt, d. h. die Drohnen, die nicht zur Begattung kamen, wurden von den Bienen aus dem Stock gezerrt. Sie haben keine weiteren Aufgaben im Bienenvolk mehr und würden nur die Honigvorräte über den Winter schmälern. Die Drohnen werden nicht mehr ins Volk zurückgelassen und verhungern außerhalb oder werden notfalls mit Gewalt abgestochen.  
Der Nektareintrag ging Ende Juli meistens ebenfalls zu Ende. Lediglich bei einer Honigtautracht (zuckerhaltige Absonderungen von Blattläusen) dauert die Tracht länger an. Ab Mitte bzw. Ende August beginnen die Völker mit der Aufzucht der Winterbienen. Diese langlebigen Bienen ermöglichen die Überwinterung des Volkes und beginnen im Frühjahr mit der Aufzucht der ersten Brut.

Abschleudern hilft gegen Varroa

Biene, Varroamilben © Johann Fischer Bild vergrößern
Varroamilben auf Jungbiene: Die Milben saugen das Bienenblut und übertragen dabei tödliche Krankheiten. Deshalb müssen sie bekämpft werden.

Ein frühzeitiges Abschleudern (letzte Honigernte) ist wichtig, um eine rechtzeitige Varroabekämpfung beginnen zu können. Dies ist vor allem in Jahren mit frühem Saisonbeginn überlebenswichtig für die Völker. Nur Völker mit rechtzeitiger Varroabekämpfung können gesunde und langlebige Winterbienen aufziehen. Unmittelbar nach der letzten Honig­ernte soll mit der Varroa-
bekämpfung begonnen werden. Als äußerst wirksame Behandlungsmöglichkeit hat sich der Einsatz der Ameisensäure (Ameisensäure 60 % ad.us.vet.) gezeigt. Die Säure verdampft im Stock und tötet die Milben sowohl auf der Biene als auch in der gedeckelten Brut. Die Anwendung kann als Kurzzeitbehandlung mit einem Schwammtuch erfolgen oder als Langzeitbehandlung mit einem entsprechenden Verdunster

Verdunster haben sich in der Praxis bewährt

Bienen, Verdunster © Johann Fischer Bild vergrößern
Ameisensäurebehandlung mit dem Verdunster als Langzeitbehandlung.

In der Praxis haben sich die Verdunster besser bewährt, da sie zum einen über einen längeren Zeitraum die Ameisensäure freisetzen und zum anderen die Verdunstungsmenge in Abhängigkeit von der Außentemperatur anpassen können. Die Verdunster werden unmittelbar nach dem Abschleudern für ca. 14 Tage eingesetzt und nochmals nach dem Einfüttern.
Beim Schwammtuch wird nach dem Abschleudern ein Behandlungsblock von ca. drei bis vier Anwendungen im Abstand von jeweils drei bis vier Tagen vorgenommen und dann mit der Einfütterung begonnen. Je nach Befallsdruck erfolgen weitere Schwammtuchanwendungen. Bei der Kurzzeitbehandlung müssen die Rahmenbedingungen für eine gute Verdunstung (trocken und warm) beachtet werden. Alternativ zur Ameisensäure können vor allem bei geringerem Varroadruck auch Präparate mit Thymol zum Einsatz kommen. Diese Behandlungsstrategien sind auch in der ökologischen Imkerei zugelassen. Andere zugelassene Präparate spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Nach der ersten Behandlung bzw. Behandlungsblock wird mit dem Einfüttern begonnen. Das Einfüttern sollte bis ca. Mitte September abgeschlossen sein. Werden die Völker nur auf einem Brutraum überwintert, dann sollte die Einfütterung langsam erfolgen, damit die Königin noch genügend freie Zellen für die Brutanlage vorfindet. Erfolgt die Überwinterung auf zwei Bruträumen oder in Großwaben, dann kann das Winterfutter zügiger gegeben werden. Das Winterfutter kann selbst angemischt werden, indem man Zucker mit Wasser im Verhältnis 3 : 2 mischt. Der Handel bietet auch bereits fertig zubereitete Zuckerlösungen an, die durch eine Vor-Invertierung eine höhere Zuckerkonzentration aufweisen und dadurch nicht gärungsgefährdet sind. Zudem gibt es Futterteige, die besonders für eine frühe und langsame Einfütterung geeignet sind. Bei Futtersirupen, die aus Stärke gewonnen wurden, ist auf die Eignung als Bienenfuttermittel zu achten.

Den Wintervorrat kontrollieren

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Futterteige sind für eine langsame Einfütterung geeignet, die Folie verhindert ein Austrocknen des Futterteiges

Zur Verabreichung gibt es mehrere Vorrichtungen. Futterteig wird einfach auf die Folie gelegt und ein Leerraum aufgesetzt. Er sollte weitgehend in der Folie eingeschlagen bleiben, um nicht auszutrocknen. Flüssigfuttermittel können entweder in speziellen Futteraufsätzen, in speziellen Futtereimern oder in entsprechenden Gefäßen in einer Leerzarge verabreicht werden. Zum Ende des Einfütterns sollte ein normales Volk einen Winterfuttervorrat von ca. 15 bis 22 kg aufweisen. Der Vorrat sollte entweder durch Wiegen oder Wabenziehen kontrolliert werden.
Völker können auch überfüttert werden. Bei reichlicher Fütterung und gegebenenfalls noch einem Nektarangebot z. B. aus der Gartenzierpflanze Balsamine oder Zwischenfrüchten kann das komplette Brutnest verhonigen. Die Bienen haben dann keinen Platz mehr für die Brutaufzucht und gehen dadurch geschwächt in den Winter. Wird durch die vollen Futterwaben bei Kälteeinbruch die Bildung einer engen Bienentraube verhindert, ist eine Überwinterung unmöglich. In solchen Fällen sollte weniger gefüttert und gegebenenfalls rechtzeitig volle Futterwaben entnommen und durch Leerwaben ersetzt werden.
Beim Abschleudern und Einfüttern muss besonders auf die große Räubereigefahr zu dieser Zeit geachtet werden. Bereits kleine Fehler können sich hier verheerend auswirken. Ist eine Räuberei einmal am Stand ausgebrochen, ist sie nur mehr sehr schwer in Griff zu bekommen. Sie greift schnell auf andere Völker über. Wird eine Räuberei nicht rechtzeitig bemerkt, werden betroffene Völker gnadenlos ausgeplündert. Tausende Bienen werden abgestochen, die Waben abgeschrotet. Wird sie noch sehr frühzeitig bemerkt, kann das betroffene Volk auf einen anderen Stand außerhalb des Flugkreises gebracht werden. Es sollte allerdings für ein bis zwei Tage auf den gleichen Platz ein leerer Bienenkasten gestellt werden. Damit besteht die Chance, dass sich die Räuberei totläuft, wenn die Räuberbienen den Eindruck bekommen, sie haben alles, was zu holen war, geholt. Bei den anderen Völkern am Stand werden die Fluglöcher verengt, damit die Wächterbienen ihren Stock leichter verteidigen können.
Zur Vorbeugung einer Räuberei sollte zum Einfüttern das Flugloch verengt, kein Futter verschüttet  oder offen stehen gelassen werden, generell erst abends mit dichten Futtergeschirren gefüttert und Völkerdurchsichten auf das Notwendigste beschränkt werden. Selbstverständlich dürfen keine Waben den Bienen zugänglich gemacht bzw. keine Geräte, Schleuder, Eimer etc. von den Bienen ausgeleckt werden, sonst werden die Bienen bereits zur Räuberei „erzogen“.

Die Völker im Herbst vereinigen

Für eine Völkervereinigung und Umweiselung bieten sich die Herbstmonate an, die Völker sind weitgehend eingefüttert und der Räubereidruck nimmt ab. Der Imker entscheidet, welche Völker eingewintert werden. Alle Völker, die in der Leistung oder vor allem in den Eigenschaften (Sanftmut, Schwarmträgheit oder Krankheitsanfälligkeit) nicht befriedigten, sollten umgeweiselt werden. Auch Völker, die im September noch Drohnen in ihren Völkern halten oder Drohnenbrut pflegen, sollten umgeweiselt werden. Die Drohnenpflege im September ist ein Hinweis, dass die Königin nicht mehr lange durchhält und das Volk vorhat, die Königin zu ersetzen.
Ein Volk direkt umzuweiseln birgt  das Risiko, dass die Königin nicht angenommen wird. Besser ist, mit einer jungen Königin frühzeitig einen Ableger oder Kunstschwarm zu bilden und im Herbst das Jungvolk und das Altvolk zu vereinigen. Die zu entfernende Königin wird entnommen. Dann werden beide Völker getrennt durch Zeitungspapier aufeinandergesetzt. In das Zeitungspapier werden mit einem Messer einige Schlitze gestoßen und mit dem Wassersprüher leicht befeuchtet. Die Bienen nagen sich durch das Zeitungspapier und gewöhnen sich ohne Rauferei aneinander. Nach circa einer Woche erfolgt eine erste Kontrolle, bei der gegebenenfalls die Brutwaben zusammengehängt werden und der Bienensitz hergerichtet wird. Eine Flüssig-Futtergabe ermöglicht den Bienen nochmals den Winterfuttersitz zu optimieren.
Wenn eine direkte Umweiselung nicht zu umgehen ist, sollte zuerst die alte Königin gesucht werden und dann in einem Königinnen-Käfig fest verschlossen zwischen die Wabengassen gehängt werden. Nach neun Tagen wird sie entnommen, eine kurze Kontrolle auf eventuelle Nachschaffungszellen vorgenommen und die junge Königin in einem Zusetzkäfig mit Futterteigverschluss zugesetzt. Nach der letzten Fütterung, die bis spätestens Mitte September erledigt sein sollte, und nach einer Kontrolle der Vorratsmenge wird das Futtergeschirr (Futtertröge) entfernt. Die Futtertröge und -eimer werden gründlich gereinigt und aufbewahrt. In den Herbstwochen der Monate September und Oktober finden sich auch Zeit und Gelegenheit für die Reinigung von leeren Bienenkästen, Ablegerkästen, Begattungskästchen, Absperrgitter und Ähnlichem.
In Zeiten ohne Bienenflug sollen alle Altwaben eingeschmolzen werden, nur unbebrütete Waben werden überwintert. Dadurch bereitet die Wachsmotte kaum Probleme.

Die Fluglöcher gegen Mäuse schützen

Die Fluglöcher müssen während des Winters gegen das Eindringen von Spitzmäusen durch Fluglochkeile von 6 mm Schlitzhöhe oder Mäuseschutzgitter mit quadratischer Maschenweite von 6 mm vor den Flugnischen geschützt werden. Vor Feldmäusen schützt schon ein 8-mm-Gitterwerk. Das Flugloch sollte so weit wie möglich offen sein. Äste, die an den Kästen scheuern könnten, werden entfernt. Der Gitterboden bleibt während der Überwinterung offen. Ruhe am Stand ist für eine gute Überwinterung wichtig.