Wer kriegt wieviel

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen. Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Bild auf Agrarheute.com © Wolfgang Piller Bild vergrößern
von , am

Ein Kommentar von Wolfgang Piller, Wochenblatt-Redakteur.

Die Agrarpreiskrise im letzten Wirtschaftsjahr haben viele Landwirte nur deshalb überstanden, weil staatliche Zuschüsse und Beihilfen das Schlimmste verhindert haben. Ohne öffentliche Fördergelder in Höhe von fast 27 000 € für jeden bayerischen Haupterwerbsbetrieb hätte deren Gewinn im Durchschnitt nur etwas über 13 000 € betragen. Nach Abzug der Alters- und Krankenkassenbeiträge und der Tilgungszahlungen für Kredite wäre von den 13 000 € kein Cent mehr übrig geblieben für den täglichen Einkauf, den Schulbus, das Wohnen und den Privat-Pkw.

Dieses Horrorszenario konnte insbesondere dank der EU-Direktzahlungen bisher verhindert werden. Doch was machen die Politiker? Sie überbieten sich derzeit mit Vorschlägen, den Bauern dieses Sicherheitsnetz wegzuziehen. Lasst uns die Direktzahlungen kürzen und das Geld für Umweltprogramme verwenden, lautet unisono das Rezept. Landwirte sollten die Beihilfen nur noch dann bekommen, wenn sie Leistungen fürs Gemeinwohl erbringen, heißt es.

Diese Vorschläge sind jedoch eine Mogelpackung. Denn für Gemeinwohlleistungen erhält der Landwirt stets nur seine Kosten oder den Ertragsausfall erstattet, aber keinen echten Lohn (oder Gewinnaufschlag). Das heißt, er darf umsonst arbeiten. Sozusagen ehrenamtlich.

Doch wovon soll er dann leben? Die Direktzahlungen sind ja bereits jetzt nur eine Entschädigung für erbrachte Gemeinwohlleistungen. Die hohen Auflagen und Einschränkungen, die jedes Jahr mehr werden und hohe Kosten verursachen, dienen ja dem Gemeinwohl, können aber von den Landwirten nicht über den Preis an ihre Kunden weitergegeben werden. Die Buchführungsergebnisse zeigen es klipp und klar: Die Bauern arbeiten schon heute zu 65 Prozent fürs Gemeinwohl; sie bleiben auf ihren hohen Kosten sitzen und sorgen zwangsweise für eine preiswerte Lebensmittelversorgung. Auch das ist eine wertvolle Gemeinwohlleistung.