Traktorenkonzert Kultur mit Dieselschwaden

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Traktorkonzert © Roland Lory Bild vergrößern
Jeder Bulldog hat seinen eigenen Rhythmus und seinen eigenen Sound.
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Polling/Lks. Weilheim-Schongau - Ein Traktorenkonzert – das klingt erst einmal wie ein Witz. Doch Dirigent Johansson ist es völlig ernst damit. In seinem grünen Anzug mit Krawatte steht er auf einer Holzkiste und dirigiert.

Dieselschwaden ziehen über den Platz vor der Pollinger Stiftskirche. In einem Halbkreis stehen zwölf betagte Bulldogs, darunter Schlepper der Marken Eicher, Schlüter und Hanomag.
Die Fahrer lassen die Gefährte auf Kommando an, stellen sie ab oder drücken aufs Gas. Die Anweisungen kommen vom Dirigenten, dem schwedischen Komponisten Sven-Åke Johansson. Wer sich noch keinen Reim darauf machen kann: Es handelt sich um ein Traktorkonzert.

Der Bulldog als ein altes Kulturgut

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Dirrigent Johansson ist es völlig ernst mit dem Traktorenkonzert.

Dahinter drängt sich hinter einer Absperrung das Publikum. Es ist Kulturtag in Polling, der mit einem umfangreichen Programm aufwartet.
Alte Bulldogs zählen zweifellos auch zur oberbayerischen Kultur. Die Oldtimer besitzen Charme, und sie erinnern daran, mit welchen Maschinen einst hierzulande Landwirtschaft betrieben wurde. Dass Traktoren auch als Instrument dienen können, hat Johansson erstmals 1996 mit seinem „Konzert für 12 Traktoren“ bei Leipzig unter Beweis gestellt. Seitdem hat er das Konzert mehrfach an verschiedenen Orten in Europa dirigiert.
Es stimmt schon: Jeder Bulldog hat seinen eigenen Rhythmus und seinen eigenen Sound. So wie der Güldner von Ehrenkreisobmann Franz Mayr. An dem Konzert mitzuwirken, sei „Ehrensache“, betont er. Eine Soloeinlage steuert Maria Weiß mit ihrem Schlüter bei. Nach dem Konzert liefert Ortsobmann Josef Pröbstl den Zuschauern Details zu jedem einzelnen Oldtimer und dem jeweiligen Fahrer, die aus Polling, aber auch anderen Orten kommen.

Traktoren-Casting ging voraus

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Die Teilnehmer wurden in einem Casting, wie sich das seit Deutschland sucht den Superstar nennt, ausgewählt.

Pröbstl selbst ist beim Konzert mit seinem 16-PS-starken Lanz (Baujahr 1956) Ersatzmann. „Er hat einen besonderen Klang“, erzählt der Ortsobmann.
Komponist Johansson, von Haus aus Percussionist, hatte im Vorfeld aus 23 Traktoren 12 ausgewählt. Die Probe fand am Tag vor der Aufführung auf dem Anwesen der Familie Pröbstl statt.