Gier Die Letzten beißt der Weltmarkt

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München - Es ist eigentlich immer das Gleiche. Brechen die Märkte ein, wird viel Papier beschrieben, Runde Tische werden einberufen und unzählige Lösungsvorschläge purzeln durch die Gegend.

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Ein Kommentar von Rainer Königer, Wochenblatt-Redakteur, rainer.koeniger@dlv.de

Das Ergebnis ist meist ernüchternd. Es geht einfach weiter wie bisher und ziehen die Preise wieder an, verschwindet auch der Geist der Veränderung. Die Politik ist in Krisenphasen sehr umtriebig und legt lobenswerterweise Programme auf, die Linderung verschaffen. Und das ist auch gut so.

Vergessen wird an dieser Stelle gerne, dass der Einfluss der Politik mehr und mehr schwindet. Je liberaler die allgemeine, politische Ausrichtung ist, desto mehr regiert der Markt. Und am Markt geht es kernig zu. Fressen und gefressen werden, steht da auf der kühlen Tagesordnung, und Finanzhaie wittern in diesem Spiel den schnellen Rubel, oder besser gesagt den schnellen Dollar. Soziale Verantwortung hat an dieser Stelle keinen Platz.

„Freihandel bietet Chancen für uns alle“, steht dann gerne auf bunt bedruckten Fahnen. Mit dem Begriff „alle“ ist aber meist das sich selbst ernährende System gemeint. Der kleine Erzeuger und der ganze Primärsektor sind dabei das letzte Glied in der Kette, das vom Markt erdrückt wird.

Ganz vergessen hat man dabei auch, dass der Primärsektor die Welt ernährt. Von einem Smartphone kann man nicht abbeißen und Aktienpapiere haben keinen Nährwert.

„Was treiben wir da eigentlich?“ Diese Frage muss man sich stellen, wenn man sich die Zeit nimmt, und den Blick von den Börsenkursen auf die Welt da draußen richtet. Eine Welt, die in vielen Teilen noch wunderbar ist. Allerdings voll mit getriebenen Menschen, die in einer Mühle stecken und zu Dingen gezwungen werden, die sie gar nicht wollen. Eigentlich sollte der Wille des Volkes an erster Stelle stehen, und nicht der Wille des seelenlosen Markts.