Mutterkuhhaltung Die Nase vorne bei der Fleischqualität

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Hochlandrind © Patrizia Schallert Bild vergrößern
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Ellerbach/Oberösterreich - Trotz deren schlechten Ruf halten Eckers Hochlandrinder – und sind begeistert.

Wer in der Diskussion um die Anbindehaltung auf der sicheren Seite stehen will, der sorgt vor. Christine und Karl Ecker haben eine Lösung gefunden, mit der sich die Existenz ihres kleinen Nebenerwerbsbetriebs in Ellerbach im Innviertel sichern lässt. „Wir setzen auf Hochlandrinder, diese Entscheidung haben wir noch keine Minute lang bereut.“ Der „Trausinger-Hof“ ist mit der großzügigen Flächenausstattung rund um den Stall hervorragend für die ganzjährige Weidehaltung geeignet. Mit geringem finanziellem Aufwand und ein wenig handwerklichem Geschick hat der Betriebsleiter den alten Milchviehstall für die Hochlandrinderzucht umgestaltet.
Christine und Karl Ecker sind begeistert von den „Zottls“, auch wenn die Tiere mit Blick auf die Tageszunahmen einen eher schlechten Ruf genießen. „Das ist kein Wunder, glauben doch viele Berufskollegen, dass diese robusten und anspruchslosen Rinder nicht viel zum Fressen brauchen“, erklärt die landwirtschaftliche Facharbeiterin. „Genau das Gegenteil ist aber der Fall. Auch Hochlandrinder benötigen ausreichend Grundfutter wie Weidegras und Heu, Mineralstoffe und viel sauberes Wasser. Unseren Tieren legen wir deshalb neben der Weidehaltung ein qualitativ hochwertiges Grundfutter ad libitum vor. Passen die Genetik und die Fütterung, dann lassen sich mit Hochlandrindern auch ohne Zugabe von Kraftfutter gute wirtschaftliche Erfolge erzielen.“ Mit Blick auf das Tierwohl achtet der Betriebsleiter auf gesunde Klauen, die er bei Bedarf selber pflegt.
 

Begeistert von der Rasse

Die Eckers wissen gar nicht, wo sie bei der Aufzählung der guten Eigenschaften und Vorteile ihrer Hochlandrinder anfangen sollen. „Aufgrund ihrer Ursprünglichkeit eigenen sie sich besonders für klein­strukturierte und ökologisch wirtschaftende Betriebe mit extensiver Freilandhaltung.“ Ihre Trittsicherheit ermöglicht auch die Beweidung von Steil- und Gebirgslagen. Obwohl Hochlandrinder sehr robust und durch ihr langes, dichtes Haarkleid kälteunempfindlich sind, benötigen sie zumindest einen Unterstand, der sie im Sommer vor der Hitze und im Winter vor extremer Kälte und Schnee schützt und ein großzügiger, befestigter Auslauf ist unumgänglich. Hochlandrinder kalben leicht ab und besitzen sehr gute Muttereigenschaften. Hinzu kommt ihre Langlebigkeit, zwölf bis fünfzehn Kälber sind keine Seltenheit. „Bei uns gab es bislang noch kein einziges krankes Kalb“, betont Karl Ecker. „Hochlandrinder sind sehr ruhige, wachsame Tiere und verfügen über eine hohe Lernfähigkeit. Bei ausreichendem Kontakt mit dem Halter sind sie bald handzahm und lassen sich leicht führig machen.“ Um auch wirklich Freude mit den Rindern zu haben, sollten Neuanfänger beim Kauf auf handzahme Tiere mit Abstammungsnachweis achten.
„Bei der Fleischqualität hat das Hochlandrind im Vergleich zu anderen Rinderrassen klar die Nase vorn“, betont Christine Ecker. „Ihr Fleisch ist cholesterin- und fettarm, enthält wertvolle Proteine und mehr Omega-3-Fettsäuren als Kaltwasserfische und viel konjugierte Linolsäure.“ Feinschmecker schätzen außerdem das leicht marmorierte, zarte, aromatische, fein- und kurzfaserige Fleisch. Umso wichtiger ist auf dem Betrieb Ecker die Produktion von gesundem, hochwertigem Biofleisch, das er als Mitglied der „ARGE Hochlandrind“ unter der geschützten Premium Marke „Highlandbeef“ ab Hof verkauft. „Unsere Kunden legen Wert auf die tierwohlgerechte Haltung unserer Rinder und die hohe Qualität des Fleisches und sie zögern nicht, dafür mehr Geld auf den Tisch zu legen.“
Mit der Hochlandrinderzucht haben Christine und Karl Ecker vor zwölf Jahren begonnen. „Zuerst hat meine Mutter noch Milchkühe gehalten, aber als ich den Hof 1997 im Nebenerwerb übernommen habe, war es ein viehloser Betrieb mit 4,5 Hektar“, erinnert sich der Betriebsleiter. „Wegen der arbeitsintensiven Bewirtschaftung der Hanglagen, entschlossen wir uns für die Haltung von Weidetieren.“ Während Christine zu Schafen tendierte, war das für Karl Ecker kein Thema. Nach langem Suchen und Überlegen einigte sich das Paar auf Hochlandrinder. 2003 wurde der Betrieb auf den ökologischen Landbau umgestellt und zwei Jahre später zogen zwei Hochlandmutterkühe, zwei Kälber und ein Stier in den umgestalteten Milchviehstall ein. Bis 2012 wuchs die Herde auf durchschnittlich zehn bis 15 Tiere an.

Ursprünglich für Selbstversorgung gedacht

„Ursprünglich waren die Rinder nur zur Selbstversorgung gedacht“, sagt Christine Ecker. Die Direktvermarktung habe sich vor neun Jahren eher zufällig ergeben. „Immer mehr Freunde und Bekannte verlangten nach dem Fleisch unserer Hochlandrinder und so hat sich der Ab-Hof-Verkauf entwickelt.“ Karl Ecker führt seine handzahmen Tiere persönlich zu einem kleinen, nur 10 km von der Hofstelle entfernten Metzger. „Wir legen großen Wert auf stressfreies Transportieren und Schlachten. Deshalb bleibe ich bis zum Bolzenschuss bei meinen Tieren.“ Der Metzger zerteilt die Schlachtkörper, auf dem Hof wird das Fleisch in 5-kg-Misch-Paketen vakuumiert und reift im hofeigenen Kühlraum nach. Gustostücke wie Filet, Beiried und Rostbraten, aber auch Knochen und Faschiertes werden extra verkauft. „Der delikate und kräftige Eigengeschmack des Highlandbeefs ermöglicht beim Kochen einen sparsamen Umgang mit Gewürzen, die Edelteile werden erst auf dem Teller ein wenig gesalzen“, erklärt Christine Ecker. „Auch das Fleisch älterer Tiere lässt sich noch hervorragend verarbeiten. Es schmeckt beinahe nach Wild, weil es länger gereift ist. Ich verwerte es zu Gulasch oder Faschiertem und lasse vom Metzger Rinderspeck und Würste herstellen.“
„Durch die Anzahl der Tiere hat sich das Herdenmanagement zunehmend schwieriger gestaltet“, sagt  Ecker. Hochlandrinder sind mit einem Jahr geschlechtsreif, was zwei Probleme mit sich bringt. Einerseits sollten die weiblichen Nachkommen nicht vom eigenen Vater, andererseits nicht vor einem Alter von zwei Jahren belegt werden. 2012 ergab sich die Gelegenheit, den bis dahin verpachteten elterlichen Betrieb von Christine Ecker im nur 4 km entfernten Utzenaich wieder zurückzunehmen. Im Jahr darauf wurden zum bestehenden Stallgebäude eine Halle für das Winterfutter gebaut und der Stall für die Rinder eingerichtet. „Wer ausreichend Flächen zur Verfügung hat, muss für den Umbau eines Milchviehstalls mit Anbindehaltung zu einem Laufstall für Rinder nicht gleich 100 000 Euro in die Hand nehmen“, betont Karl Ecker. „Schon mit ein wenig handwerklichem Geschick und Eigenleistung lässt sich ohne große Kosten einiges bewerkstelligen.“
Aufgrund der größeren Ackerfläche war die Umstellung auf den ökologischen Landbau in Utzenaich eine größere Herausforderung als in Ellerbach. In Utzenaich werden 9 ha Grünland, 7 ha Acker und 2 ha Wald bewirtschaftet. Das Landwirtepaar setzt auf eine sechsjährige Fruchtfolge: Zwei Jahre Kleegrasmischung als Stickstofflieferant und Winterfutter in Form von Silage, dann im Wechsel Weizen oder Dinkel, Hafer, Leinsamen und Ackerbohnen. Das Getreide wird zu einem geringen Teil ab Hof, größtenteils über die Erzeugergemeinschaft für Bio-Getreide Oberösterreich abgesetzt.

Weiterer Ausbau geplant

Auf dem Hof in Ellerbach halten die Eckers derzeit sieben Hochlandmuttertiere mit ihren Kälbern und einen gekörten Zuchtstier. Ziel sind neun oder zehn Mutterkühe. Männliche, nicht zur Zucht geeignete Tiere werden kastriert, weil „sich Ochsen im Herdenmanagement leichter halten lassen“. Die weiblichen Kälber wandern im Alter von zehn Monaten nach Utzenaich. Die Abkalbezeit fällt immer auf das Frühjahr. „Das macht Sinn, weil das frische Gras im Frühjahr für mehr und hochwertige Milch bei der Mutterkuh sorgt.“ Außerdem hält sich die Fliegenbelästigung für die Kälber, die meist auf der Weide geboren werden, in Grenzen. Bei der Arbeit wird das Landwirtepaar von seinen Kindern Alexander (25) und Susanne (23) sowie der Mutter des Betriebsleiters, Rosa Ecker, tatkräftig unterstützt. „Die Hofnachfolge ist noch nicht geklärt, wir müssen ja selbst noch mindestens 15 Jahre lang arbeiten.“
Image aufbessern
Die Familie Ecker sucht den züchterischen Erfolg und möchte mit dem schlechten Image der Hochlandrinder als „Allesfresser auf der Weide“ aufräumen. Auch deshalb ist sie Mitglied beim Fleckviehzuchtverband in Ried im Innkreis und bei der „ARGE Hochlandrind“: In der Arge agiert Karl Ecker im Vorstand. Inzwischen hat sich sein Betrieb mit seinen „Innviertler Hochlandrindern vom Trittfeld“ einen Namen gemacht. Die Erfolge bei den Fleischrinderrasseschauen sprechen für sich. Mit Lyng­gaarden Cirkeline wurden sie in Ried im Innkreis Bundessieger 2011 und mit Wolfram vom Trittfeld Bundesreservesieger 2016 in Maishofen. Verkauft werden die Zuchttiere ab Hof in das gesamte Bundesgebiet, nach Südtirol und Slowenien. „Unsere Rinder besitzen alle einen Abstammungsnachweis, damit die Zucht genau zurückverfolgt werden kann.
Auf dem Hochlandrinder-Fleischmarkt ist noch viel Luft nach oben“, sagt Karl Ecker. „Deshalb sind wir sehr um Nachwuchs bemüht und stehen Jungzüchtern beratend zur Seite.“ So könnten diese beispielswiese lernen, dass Zuchttiere niemals unter dem Fleischpreis verkauft werden sollten. „Damit schaden sich die Züchter nur selbst.“ Schaden erleide der Berufsstand „Landwirt“ auch durch manche Berufskollegen, für die ihre Nutztiere inzwischen zur Sache geworden seien und die ihnen keine Wertschätzung mehr entgegenbrächten. „Für uns ist Tierwohl selbstverständlich. Damit wir unsere Rinder gut behandeln, benötigen wir keine politischen und gesellschaftlichen Tierwohldiskussionen.“