Bauerntag Nationalpark Frankenwald: Landwirtschaft nicht auszäunen

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Bauerntag © Stephan Stöckel Bild vergrößern
Braucht der Frankenwald einen Nationalpark? MdL Jürgen Baumgärtner (l.) sieht ihn als Chance für den Landkreis Kronach, Kreisobmann Erwin Schwarz eher skeptisch.
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Haig/Lks. Kronach - Pfeifkonzert im Frankenwald: Bauern und Forstwirte lehnen Nationalpark ab.

Die Forst- und Landwirte im Frankenwald lehnen Jürgen Baumgärtners Vorschlag von einem Nationalpark ab. Der Landtagsabgeordnete wagte sich dennoch in die Höhle des Löwen und ernteten beim Bauerntag des BBV-Kreisverbandes Kronach im Stockheimer Ortsteil Haig ein gellendes Pfeifkonzert.
Dabei hatte der Gast versucht, mit Blick auf die Plakate „Wir werden gebraucht“ bei den Landwirten gute Stimmung zu machen: „Natürlich werdet ihr gebraucht. Ihr seid das Rückgrat des ländlichen Raumes.“ Der Landtagsabgeordnete, der sich als „Freund der Landwirtschaft“ bezeichnete, redete um den heißen Brei, zählte auf, was seine Partei alles Gutes für die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren getan hatte und sprach den Nationalpark, erst am Ende seiner rund vierzigminütigen Rede an.
Damit zog er sich den Unmut der Bauern zu, die seine Rede immer wieder mit einem ohrenbetäubenden Pfeifen garnierten. Der Gescholtene ließ sich davon nicht beindrucken: „Ich gehe davon aus, dass das Pfeifen eine Zustimmung zu meinen Aussagen ist.“ Baumgärtner machte unverdrossen weiter, was das Auditorium erst recht auf die Palme brachte. Baumgartner erinnerte da­ran, dass der Landkreis in den vergangenen zehn Jahren rund 10.000 Einwohner verloren habe. „Die kommen auch nicht zurück, wenn wir gemeinsam pfeifen. Da muss man mal anpacken“, sagte er.

Zukunft geht nur gemeinsam

Nach Ansicht Baumgärtners brauche die Region neue Ideen. Als eine solche pries er den Nationalpark. Das Trillerpfeifenkonzert schwoll an und ein sichtlich genervter Politiker rief ins Bierzelt: „Erst hören, dann stören.“ Baumgärtner warb für einen ergebnisoffenen Dialog zwischen allen Interessengruppen im Landkreis Kronach, in dem die Vor- und Nachteile eines Nationalparks ohne Zeitdruck abgewogen werden. „Wenn wir erfolgreich die Zukunft der nächsten Generation organisieren wollen, geht es nur gemeinsam“, lautete sein Resümee.
Das Echo auf Baumgärtners Rede folgte auf dem Fuße: Michael Heyder, Landwirt aus Ebersdorf, warf dem Abgeordneten vor, mit seinen positiven Aufzählungen vom eigentlichen Thema abgelenkt zu haben. „Da ist etwas Arroganz im Spiel“, meinte der Bauer, der deutliche Worte fand: „50 Jahre waren wir vom DDR-Zaun eingezäunt. Und jetzt sollen wir wieder in unserer Bewegungsfreiheit eingezäunt werden.“ Seine Befürchtung: Ein Nationalpark werde die Region spalten und für ein totes Land sorgen.
Der oberfränkische Bauernpräsident Hermann Greiff stellte sich die Frage, weshalb der Frankenwald der Wald des Jahres 2017 sei und gelangte zu der Erkenntnis: „Weil er genutzt wird. Weil wir durch Nützen schützen.“ Die rund 300 Besucher quittierten die Feststellung mit tosendem Applaus und „Bravo!“-Rufen. „Wer gegen die Erderwärmung und für den Klimaschutz ist, darf den Wald nicht stilllegen“, sagte Greif. Andernfalls drohten schwerwiegende Konsequenzen, wie eine rasche Vermehrung des Borkenkäfers, Nitratprobleme für das Grundwasser und Schwarzkittel, die den Nationalpark zu ihrem Rückzugsgebiet machten, um von dort aus fruchtbare Felder zu attackieren. Greiff befürchtet, dass nicht genügend öffentliche Flächen für den 10 000 m² großen Nationalpark zusammenkommen. „Dann geht es nicht nur um das Eigentum des Volkes, sondern um Euer Eigentum“, sagte er.
Stellvertretender Landrat Gerhard Wunder (CSU) sprach sich für eine sachliche Diskussion aus und sagte, wie es nicht laufen dürfe: „Gegen die Mehrheit der Menschen etwas zu entscheiden, ist schlecht.
Eine Sichtweise, die Kreisobmann Erwin Schwarz nur unterschreiben konnte. Dem Abgeordneten warf Schwarz Wortbruch vor. „Wir haben uns an die Abmachung, die wir bei einer Vorbesprechung zum Bauerntag getroffen haben, gehalten, mit niemandem über das Thema zu reden und erst ein Informationsgespräch in München im Juni abzuwarten. Andere Stellen konnten das offenbar nicht“, bedauerte Schwarz.

Ehrungen standen am Anfang des Bauerntags

Zu Beginn des Bauerntages, als es im Festzelt noch ruhig gewesen war, wurden amtierende sowie ausgeschiedene Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner mit Urkunden, Anstecknadeln („Silberne Ähren“ für 15 Jahre), Ehrentellern und Geschenken geehrt. Diese setzen sich seit vielen Jahren für das Gemeinwohl und ihren Berufsstand ein oder taten dies jahrzehntelang (siehe Infokasten). Marianne Weiß und Michael Heyder, die zehn beziehungsweise fünf Jahre der Kreisvorstandschaft angehört hatten, wurden ebenfalls geehrt. „Das kann man nicht mit Geld aufwiegen, was Ihr, liebe Jubilare, ehrenamtlich alles geleistet habt“, lobte Kreisobmann Erwin Schwarz.