Die Rechnung mit der Milch

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Ein Kommentar von Sepp Kellerer, Wochenblatt-Chefredakteur.

Mal ehrlich, ein wenig müssen es sich die Molkereien schon selber auf die Fahnen schreiben, dass ihnen nun das Bundeskartellamt auf die Eisen steigt. Schon lange vor dem Quotenende wurde darüber diskutiert, wie man die Lieferbeziehungen zukunftsfähig gestalten könnte, passiert ist nichts. Auch in der Milchkrise blieb es bei Beteuerungen und kaum hat sich auf den Märkten ein klein wenig etwas bewegt, da herrschte wieder (Funk)stille.

Wenn man die Dinge nicht selber in die Hand nimmt, dann braucht man sich nicht wundern, dass andere das tun. Die Position der Milcherzeuger gegenüber den Molkereien stärken, so lautet kurz zusammengefasst das Fazit des Bundeskartellamtes aus seinen bisherigen Untersuchungen.

Das lässt aufhorchen, wenn dabei gerade auch die Genossenschaftsmolkereien im Mittelpunkt stehen. Sind da nicht die Milchlieferanten auch die Eigentümer? Na ja, ganz so pauschal lässt sich das heute auch nicht mehr sagen. Und so einheitlich ist die Situation auch nicht.

Man muss sich die Analysen im Detail anschauen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Starre, einheitliche Vorgaben führen nicht zum Ziel. Es braucht Spielraum, um der konkreten Situation gerecht zu werden.

Die Andienungspflicht ist schnell über Bord geworfen, aber dann ist auch die Abnahmegarantie verloren. Das mag bei Getreide kein Problem sein, aber die Milch ist nach drei Tagen hinüber.

Die möglichst freie Wahl des Abnehmers hört sich gut an, aber welche Milchbauern haben was davon, wenn vielleicht 3 Milchautos durch das gleiche Gebiet fahren?

Kurze Vertragslaufzeiten sind bei anziehenden Märkten sicher von Vorteil, aber was ist im umgekehrten Fall? Verträge können von beiden Seiten gekündigt werden, und da kann man auch ganz schnell ohne Molkerei dastehen.