Seltene Nutztierrassen Das Rhönschaf als Landschaftspfleger

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Rhönschaf © Regina Vossenkaul Bild vergrößern
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Ginolfs - Josef Kolb kümmert sich seit über 30 Jahren um die früher vom Aussterben bedrohte Rasse.

Das Rhönschaf ist ein Allrounder – es pflegt die Landschaft, liefert Fleisch, Milch und Wolle“, lobt Schäfer Josef Kolb seine Herde. In der Fränkischen Rhön, in Höhen bis zu 900 m, lässt er die Tiere mit dem typischen schwarzen Kopf weiden, allerdings sind sie bis Mitte oder Ende April, je nach Wetter, im großen Stall am Ortsrand von Ginolfs untergebracht. Dort kommen schon seit Dezember die Lämmer zur Welt.
500 Mutterschafe und rund 250 Lämmer zählt der Schäfer im Frühjahr 2017. Er freut sich über jedes gesunde Neugeborene, das vital und stark ist, kräftig saugt und von der Mutter gut betreut wird. 30 % sind Zwillingsgeburten, da brauchen die Mütter etwas mehr Futter, um genug Milch zu geben.
Eine logistische Herausforderung ist die Arbeit im großen Stall, wo Kolb täglich sechs bis acht Stunden verbringt. Abends um 20 Uhr macht er seinen letzten Rundgang. In Gruppen von 50 bis 60 Tieren hält er die Schafe, die zu unterschiedlichen Zeiten gedeckt werden, damit sie nicht alle zum gleichen Zeitpunkt lammen. Eine Gruppe steht kurz vor dem Ablammen, die Mütter mit den Neugeborenen dürfen sich in eigene Boxen zurückziehen und sich erholen, dann können sie in eine Gruppe mit Gleichaltrigen zurück. Der Schäfer achtet darauf, dass der Altersunterschied der Lämmer in einer Gruppe höchstens vier Wochen beträgt. „Denn es gibt Milchdiebe, die saugen das Euter anderer Mutterschafe leer und für die eigenen Lämmer ist dann nicht genug übrig.“
Im Winter steht die Herde windgeschützt auf Stroh im Stall, trockene Kälte macht den Tieren nichts aus. Wenn es wärmer wird und kein Schneefall mehr zu erwarten ist, können die Tiere auf die Weide. Die erwachsenen Schafe werden Ende November geschoren. Da die Wolle pro Monat einen Zentimeter wächst, sind die Tiere dann wieder geschützt, wenn sie auf der Weide stehen.

Genügsam und robust

Als Landschaftspfleger ist das Schaf in der Rhön unverzichtbar, es trägt auch dazu bei, die unbeliebten Lupinen in Schach zu halten.
Als genügsam, robust und widerstandsfähig beschreibt Kolb die Rasse. Sie sind unkompliziert beim Lammen, gute Futterverwerter und kommen, wenn sie draußen sind, ohne Zufütterung mit dem aus, was auf den Weiden wächst. Sie können aufgrund ihrer harten Klauen gut auf dem steinigen Untergrund laufen. In der fränkischen, thüringischen und hessischen Rhön leben rund 4500 Rhönschafe, bundesweit ungefähr 10 500.
In den 60er-Jahren stand das Rhönschaf kurz vor dem Aussterben. Es gab nur noch wenige Exem­plare bei einigen Bauern. 1975 erklärte der Freistaat Bayern das Rhönschaf zur „gefährdeten Haustierrasse“ und stellte Fördermittel bereit. Von da an ging es zahlenmäßig wieder leicht aufwärts, von zunächst 75 im Herdbuch verzeichneten Tieren auf 113 Tiere im Jahr 1980. Im Jahr 1985 hielten bereits zehn Betriebe 310 eingetragene Zuchttiere, 1993 waren es 18 Betriebe mit 888 Zuchttieren. Zu dieser Zeit griffen der Bund Naturschutz Bayern (BN) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unterstützend ein.
Durch die Vergabe einer „Erhebung botanischer und faunistischer Daten im Naturschutzgebiet Lange Rhön“ durch den Landkreis Rhön-Grabfeld geriet die gefährdete Rasse in den Fokus von Professor Gerhard Kneitz vom Institut für Angewandte Zoologie an der Universität Bonn. Bei seinen Kartierungsarbeiten lernte er den Arzt Dr. med. Wolfgang Tränkle kennen, der auf die unmittelbar vom Aussterben bedrohten Rhönschafe aufmerksam machte und den Ankauf von rund 32 ha Weideflächen, den sogenannten Gassenwiesen mit ihrer besonderen Flora und Fauna, anregte. Durch eine bundesweite Spendenaktion gelang der Kauf und die Gassenwiesen, auf denen eine Ferienhaussiedlung entstehen sollte, konnten bewahrt werden. Dazu wurde eine kleine Herde von 39 reinrassigen Rhönschafen erworben.  
Dabei war zunächst noch nicht geklärt, wo die Tiere untergebracht werden konnten und wer sie betreute. Zufällig traf Prof. Kneitz bei einem Schäfertreffen in Würzburg 1985 Eberhard und Josef Kolb, Vater und Sohn aus Ginolfs. Sohn Josef Kolb suchte als Landwirtschaftsmeister gerade eine neue Perspektive und begeisterte sich gleich für das Rhönschaf-Projekt. In den folgenden Jahren wurde mit Unterstützung der BN-Kreisverbände Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld ein Stall gebaut.
Die Schäferei wurde vom BN an Josef Kolb und seine Frau Zita Kolb verpachtet. Inzwischen arbeitet das Ehepaar selbstständig. 31 Jahre lang kümmert sich Josef Kolb bereits um die Rhönschafe und ist stolz da­rauf, dass die Rettung der an das raue Klima angepassten Rasse gelungen ist. „Man lebt mit den Tieren – da braucht man die richtige Einstellung dazu“, sagt er.