Ernte 2017 Mit der Rübe bleibt es spannend

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Gäuboden - Die Ernteerwartungen sind in Niederbayern regional unterschiedlich. Und für die Zuckerrübe ist das Wetter im August ausschlaggebend.

Keine Quote, keine Marktordnung mehr und dann dieses Wetter dazu – in Sachen Zuckerrüben bleibt es spannend. Wie wird sich die Rübe aus der Familie der Gänsefußgewächse bis zur Ernte entwickeln? Kann man die vereinbarten Mengen mit der Zuckerfabrik noch erwirtschaften? Noch habe die Zuckerrübe Zeit aufzuholen, aber dafür müsste das Wetter noch mitspielen, so Gerhard Stadler. Als Niederbayerns Bauernpräsident allerdings die Journalisten beim BBV-Ernte-Pressegespräch begrüßte, knallte die Sonne gnadenlos vom Himmel. Während sich andernorts der Großteil der Bevölkerung über 30 °C und mehr freute, halten viele Landwirte in Niederbayern nach Regen Ausschau.
Das BBV-Ernte-Pressegespräch fand mitten in Bayerns Kornkammer statt: im Gäuboden. Hier hat auch Franz Schreyer seinen Betrieb. Er baut Kartoffeln, Weizen und auch Zuckerrüben an. Und eigentlich ist er recht zuversichtlich ins neue Jahr gestartet. „Ich hab’ mich im Winter sehr über die Minusgrade gefreut, ebenso wie über die Frostperiode, die über 14 Tage anhielt“, erzählt er den Journalisten. Die Schneedecke aber habe so isolierend gewirkt, dass sich die Vorteile eines kalten Winters für die Landwirtschaft nicht eingestellt haben. Ende März sei die Aussaat von Kartoffeln und Zuckerrüben erfolgt. Alles habe gut ausgesehen. Nach Ostern allerdings herrschten nasse und kalte Bedingungen vor. Die Minustemperaturen führten an vielen Kulturen zu erheblichen Frostschäden. „In diese Frostperiode ist auch die Zuckerrübe hineingeraten“, so Schreyer. Während der Weizen es seiner Meinung nach zumindest im Gäuboden gut überstanden habe, sehe es beim Mais, der früh gesät worden war, schlecht aus. „Der spätere ist besser.“ Der Mai versuchte ab Monatsmitte zusammen mit dem Juni wettzumachen, was der April verbockt hatte: Hitze und Trockenheit setzte den Pflanzen aber ebenfalls zu. „Über 30 Grad hören die meisten Pflanzen auf zu wachsen“, so Schreyer. Zusätzlich wurden der Zuckerrübe die Witterungsverhältnisse nach der Saat zum Verhängnis: Ist der Boden da feucht, wurzelt sie nicht so tief, was ihr bei später einsetzender Trockenheit wiederum große Probleme macht. Genau das trat dieses Jahr ein.

Keine Spitzenerträge erwartet

Niederbayern © Claudia Rothhammer Bild vergrößern
Lud zum Erntegespräch ein: Der BBV Niederbayern, vertreten durch (ab 2. v. l.) stellv. Bezirksbäuerin Renate Stöckl, Niederbayerns Bauernpräsident Gerhard Stadler, die beiden stellv. Kreisobmänner Franz Schreyer und Franz Lehner sowie stellv. Kreisbäuerin Brigitte Landstorfer. Auch AELF-Leiter Josef Groß (3. v. r.) war dabei.

Stadler nickte an vielen Stellen und ergänzte die Ausführungen seines stellvertretenden Kreisobmanns im Landkreis Straubing-Bogen: „Der Regen der letzten Tage war deshalb ein Segen für die Landwirtschaft. Allerdings sorgte der Regen noch nicht überall für ausreichend Feuchtigkeit.“ Wie auch: Der Sommer mit über 30 °C war schnell wieder zurück. „Für die Zuckerrübe wird die Niederschlagsmenge in den nächsten Monaten entscheidend für den Ertrag sein“, so der niederbayerische BBV-Präsident. „Ja, wir haben noch Zeit bis zur Ernte. Wir werden sehen“, sagt auch Schreyer. „Aber wir werden nirgends Spitzenerträge einfahren. Wir können über durchschnittliche Erträge froh sein.“ Die Ernte könnte bei manchen Kulturen und in manchen Regionen auch durchaus unterdurchschnittlich ausfallen. Gerade im Fall der Zuckerrübe wäre das bitter. „Der Ertrag ist ja das eine, das andere sind die Rahmenbedingungen“, so Schreyer. Heuer sei man bei der Zuckerrübe vom Weltmarkt abhängig, was gut 20 bis 30 % weniger Geld fürs selbe Produkt bedeute. Noch drastischer sei der Preis beim Weizen. „Und eine Preissteigerung dort ist nicht in Sicht.“
Stadler bestätigte: Unterm Strich seien die Ernteaussichten für Niederbayern durchschnittlich, aber regional sehr unterschiedlich. Zum einen hänge dies mit der lokalen Niederschlagsmenge zusammen, zum anderen mit den unterschiedlichen Wasserspeicherungsvolumina der Böden.
Auch Straubings AELF-Behördenleiter Josef Groß sagte: „Heuer sieht man wieder sehr gut, wo die Bodenkultur nicht in Ordnung ist.“ Um die Bodenverdichtung so gering wie möglich zu halten, sei es eben doch wichtig, zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Maschinen aufs Feld zu fahren. Sein Amt wiederum kümmere sich auch um das Rübenmonitoring. „Wir fahren regelmäßig raus auf bestimmte Felder und beobachten, ob und wie Blattkrankheiten vorhanden sind.“ Auf Basis dieser Datenmengen werde den Landwirten Pflanzenschutz empfohlen oder nicht.
„Das Monitoring gibt es auch für andere Kulturen“, ergänzte Franz Lehner. Auch er ist Stadlers stellvertretender Kreisobmann im Landkreis Straubing-Bogen. „Auch uns Landwirten ist es wichtig, so wenig wie möglich Pflanzenschutzmittel auszubringen.“ Deshalb sei man um das Monitoring sehr froh, das es beispielsweise auch für Kartoffeln gebe. Damit hatte Lehner einen Bereich angesprochen, der den Landwirten heuer am meisten Sorgen macht. Oder wie Groß es ausdrückte: „Bei der Kartoffelernte heuer sehe ich das größte Fragezeichen dahinter.“