Herbstsaaten Schnecken bekämpfen

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Ackerschnecke, Raps © agrarfoto Bild vergrößern
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München- Die Sommertrockenheit hat die Schnecken erledigt? Weit gefehlt: Schnecken sind wahre Überlebenskünstler und sorgen immer wieder für Überraschungen – dagegen hilft nur eine gute Vorsorge.

Ackerschnecke, Raps © agrarfoto Bild vergrößern
Gefräßig: Wer nicht von den Schnecken und deren Schaden überrascht werden will, sollte seine Flächen nach der Saat sorgfältig auf Befall prüfen.

Nach der Aussaat von Winterraps und Wintergetreide ist mit großer Vorsicht zu agieren. So wurde die Schneckenpopulation durch die Sommertrockenheit mit Sicherheit etwas dezimiert, ein Großteil konnte jedoch in den Trockenrissen und tieferen Bodenschichten diese Phase überstehen. Um Fraßschäden zu vermeiden, ist vom Landwirt vor bzw. nach der Saat eine schlagspezifische Beurteilung der Schneckenpopulation vorzunehmen und eine gezielte Schneckenbekämpfung durchzuführen. Die wichtigsten Schneckenarten sind

  • die genetzte Ackerschnecke: bis 6 cm lang, beige bis braunschwarz,
  • die graue Wegschnecke: bis 5 cm lang, dunkelgrau-braun und
  • die spanische Wegschnecke: bis 15 cm lang, braun.

Während die spanische Wegschnecke mehr vom Feldrand aus agiert, sind die genetzte Ackerschnecke und graue Wegschnecke vorrangig im Acker anzutreffen. Da bei der Bekämpfung der einzelnen Schneckenarten keine Unterschiede bestehen, ist eine genaue Bestimmung in der Praxis nicht erforderlich.
Schnecken sind Zwitter und somit sind alle Tiere zur Eiablage fähig. Jede Schnecke kann bis zu 300 Eier ablegen. Dies erfolgt immer haufenweise mit bis zu 30 Stück. Je nach Witterung werden die Eier bis zu 40 cm tief im Boden abgelegt. Nach ca. 2 bis 4 Wochen schlüpfen aus den Eiern die Jungschnecken, welche nach ca. 6 Wochen geschlechtsreif sind. Durch die hohe Vermehrungsrate kann sich aus einem niedrigen Ausgangsbefall relativ schnell ein größeres Problem entwickeln.
Neben den jahresspezifischen Witterungsbedingungen wird zunehmend aus der Praxis von einer ansteigenden Schneckenpopulation berichtet. Reduzierte Bodenbearbeitung und ein höherer Anteil an Winterbegrünung fördern die Vermehrung der Schnecken. So sichert die grüne Brücke die Nahrungsversorgung und begünstigt durch die Beschattung die Entwicklung und Ausbreitung der Ackerschnecken. 

Ackerbauliche Maßnahmen

  • Nach der Getreideernte sollte eine intensive flache Stoppelbearbeitung durchgeführt werden: Durch die Bodenbearbeitung werden Schnecken mechanisch verletzt und abgelegte Eier an die Oberfläche transportiert. An der Bodenoberfläche trocknen die Schneckeneier aus, wodurch der vorhandene Besatz erheblich reduziert wird.
  • Eine wiederholte Stoppelbearbeitung unterbricht zudem die grüne Brücke, wodurch die Nahrungsgrundlage der Schnecken und die Beschattung als Verdunstungsschutz zerstört werden.
  • Generell sollte durch den Einsatz eines entsprechenden Nachläufers der Bodenschluss gefördert werden. Um zu überleben, sind Schnecken auf vorhandene Hohlräume als Rückzugsmöglichkeit angewiesen. Werden diese zerstört, können sie sich nicht zurückziehen und vor der Austrocknung schützen.
  • Dies ist auch bei der späteren Saatbeetbereitung zu beachten: So werden durch den Einsatz eines Packers bei der Pflugfurche oder durch Anwalzen nach der Saat Hohlräume geschlossen und der Überlebensraum der Schnecken reduziert. Sollte die Rückverfestigung der Böden nicht gelingen, so sind diese Flächen verstärkt auf Befall zu kontrollieren.

Nach der Saat: Befall kontrollieren

Sofort nach der Saat müssen die Flächen intensiv auf Schneckenbefall kontrolliert werden. Hilfreich sind hier der Einsatz von Schneckenfolien oder feuchten Jutesäcken. Darunter sollte metaldehydhaltige Schneckenköder ausgebracht werden. Durch die Schleimspuren der getöteten Schnecken kann der Befall sehr leicht kontrolliert werden. Die Schadschwelle liegt bei maximal 1 bis 2 Schnecken je Köderstelle. Neben dem Einsatz von Schneckenfolien besteht auch die Möglichkeit, durch das Ausstreuen (2 m x 2 m) von metaldehydhaltigem Schneckenkorn auf mehreren Stellen den Ausgangsbefall zu kontrollieren.
Zusätzlich sollten auch die schlagspezifischen Erfahrungen der letzten Jahre und die vorausgegangene Witterung mit in die Bekämpfungsentscheidung einbezogen werden. Im Zweifelsfall sollte Schneckenkorn angewendet werden, da schon geringe Schäden im Keimblattstadium der Kultur zu unregelmäßigen Beständen und damit Ertragsverlusten führen.

Zugelassene Schneckenköder

Zur Schneckenbekämpfung stehen mit dem Wirkstoff Metaldehyd und Eisen-III-Phophat zwei zugelassene Wirkstoffe zur Verfügung. Der Wirkstoff Metaldehyd wirkt durch die irreversible Zerstörung der Schleimzellen der Schnecken. Demgegenüber führt der breit zugelassene Wirkstoff Eisen-III-Phosphat zu einer Veränderung im Verdauungstrakt der Schnecke. Die Schnecken ziehen sich nach der Wirkstoffaufnahme in ihren Unterschlupf zurück und verenden aufgrund mangelnder Nahrungsaufnahme. Sowohl Eisen-III-phosphat wie auch Metaldehyd sind nützlingsschonend und haben keine Abstandsauflagen. Bei der Anwendung im Raps oder anderen Kulturen sollte der genaue Zulassungsumfang des eingesetzten Schneckenkorns beachtet werden.
Schneckenköder werden mittlerweile größtenteils als Nasspressung (Patrol MetaPads G2, Arinex, Metarex TDS, Sluxx HP und andere) angeboten. Die Nasspressung besitzt im Vergleich zur Trockenpressung eine höhere Regenfestigkeit. Das Produkt NaTrox ist eine Fertigmischung aus nass- und trocken gepressten Schneckenkorn. Bei starkem Ausgangsbefall ist darauf zu achten, dass Produkte mit mehr als 30 Ködern je m² eingesetzt werden. Durch die hohe Kornzahl wird eine sichere Bekämpfung auch bei hoher Besatzdichte gewährleistet. Der optimale Einsatztermin liegt im Vorauflauf bis spätestens 2 bis 3 Tage nach der Saat.
Zu diesem Zeitpunkt ist kein alternatives Nahrungsangebot vorhanden, sodass die Schneckenköder am sichersten aufgenommen werden. Dadurch werden auch die Keimlinge schon beim Durchstoßen des Bodens vor Schneckenfraß geschützt. Dabei ist darauf zu achten, dass Schneckenköder eingesetzt werden, welche bereits nach der Saat im Vorauflauf zugelassen sind. Bei einem hohen Schneckendruck muss zur Bestandessicherung eventuell eine gezielte Folgebehandlung durchgeführt werden.