Generhaltung „Den Tuxern verdanke ich alles“

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Tuxer Rind © Max Riesberg Bild vergrößern
Auf der Arztaler Alm in den Tuxer-Voralpen hält Familie Maier, Neuwirt in Ellbögen, den Sommer über ihre prächtige Herde Tuxer-Mutterkühe.
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Ellbögen - Karl Mair aus Tirol hat sich dem Erhalt alter Nutztierrassen verschrieben. Sein Herz gehört den Tuxern.

An der Verbindungsstraße zwischen Innsbruck und dem Brenner liegt auf einem Sonnenplateau am Fuße des Patscherkofels ein alter, ehrwürdiger Gasthof, der mit seiner auffälligen Lüftlmalerei zum Verweilen einlädt. Es ist der Neuwirt in Ellbögen, ein geschichtsträchtiger Gasthof, früher Tafernwirtschaft genannt, der erstmals 1302 urkundlich erwähnt wurde. Eine Malerei zeigt drei Kühe, eine rotbraun und zwei dunkel gezeichnete, urig und mit gehörnten Häuptern beim Grasen auf der Alm. Dem Kenner fällt sofort auf, dass es sich dabei nicht um herkömmliches Fleck- oder Braunvieh handelt. Es sind Tuxer, die alte Rasse aus dieser Tiroler Bergregion, mit ihrer Wiege dem Tux- und Zillertal.
Auch beim Neuwirt, zu dem seit jeher auch eine Landwirtschaft gehört, wurden einst Hochleistungskühe gehalten. „Tiroler Braunvieh, in das man nach und nach Brown Swiss einkreuzte“, berichtet Wirt und Bauer Karl Mair und ergänzt: „Ohne Leistung kein Preis!“ So sei das halt schlichtweg gewesen, damals in der Tierzucht und für viele Betriebe gelte das heute noch. Für ihn sei das aber auf Dauer nicht der richtige Weg gewesen. Er erinnert sich an frühere Zeiten zurück. „Schon mein Großvater hatte Tuxer Rinder“, erklärt Mair. Die hätten ihn damals schon fasziniert.

Doch die Rasse sei damals schon dem Tode geweiht gewesen. Denn Mitte der 1980er-Jahre gab es vielleicht noch 100 Tiere, inklusive der Kreuzungen. Heute ist das zum Glück wieder anders. In Tirol blicken die Tuxer-Züchter inzwischen auf 30 Jahre organisierte Zucht und erfolgreiches Generhaltungsprogramm zurück (siehe Kasten). Karl Mair blickt nicht nur selbst auf seine 30-jährige Züchterpassion zurück, er war selbst langjähriger Obmann des Rasseverbandes. „Vor zehn Jahren haben wir dann mit dem Tiroler Fleckviehzuchtverband unter dem Dachverband Rinderzucht Tirol fusioniert, was eine wahre Erfolgsgeschichte für die Zuchtorganisationen bedeutete“, berichtet Mair zufrieden. Inzwischen heißt der Obmann der Tiroler Tuxer-Züchter Alois Huber und kommt aus Fügen im Zillertal.

Mühsame Zuchtarbeit, die sich gelohnt hat

„Die ersten Zuchterfolge bei den Tuxern waren katastrophal. Es sind alle möglichen Farben rausgekommen, nur nicht der ursprüngliche Typ, den wir eigentlich wollten“, beschreibt Mair die Entwicklungen.  Drei Farbsschläge gibt es bei den Tuxern: schwarz, rot und weichselbraun. Dazu kommen Weißzeichnungen am Rücken sowie in der Bauchgegend. Das Flotzmaul muss braun sein, auf keinen Fall weiß. „Wir haben bestimmt eine halbe Million Schillinge in die Hand genommen, um in der Tuxerzucht und bei der Gen-
erhaltung voranzukommen“, sagt er.
Das Gewicht der Tuxer schwankt zwischen 550 und 750 kg, die Milchleistung beträgt zwischen 4000 und 5000 kg. „Wir züchten außerdem Tiere mit kräftigen Hörnern, die von Natur aus eher nach vorne geschwungen sein sollten. Enthornen kommt für mich auf keinen Fall infrage“, betont Mair. Für ihn ist das Horn für das Rind wichtig für den Temperaturausgleich und den Gleichgewichtssinn, was vor allem auf der Alm für die Tiere von großem Nutzen sei.

Bundessieg als erster überraschender Erfolg

1996 fand in der Steiermark die erste österreichische Fleischrinder-schau statt. 250 Ausstellungstiere der insgesamt 15 verschiedenen Rassen gingen an den Start. Auch Familie Mair aus Ellbögen war mit zwei Tuxer-Kühen vertreten, als Neulinge. „Dass es dann für uns mit unserer Kuh Wolke ganz überraschend sogar zum Bundessieg reichte, war natürlich die Sensation“, erklärt Mair noch immer mit strahlenden Augen, und weiter: „Plötzlich hat mich jeder gekannt und auch die Tuxer sind über Nacht bundesweit bekannt geworden.“
Inzwischen war und ist Familie Mair mit ihren vielfach ausgezeichneten Zuchttieren auf allen größeren Fleischrinderschauen in Österreich präsent und stellt auch über die Grenzen hinweg aus, einmal sogar auf der Grünen Woche in Berlin. „Für den Verkauf von Zuchtvieh sind diese Schauteilnahmen extrem wichtig. Aber es geht uns bei Weitem nicht darum, alle Preise abzuräumen. Auch das züchterische Miteinander steht für uns im Mittelpunkt unserer Arbeit“, schildert Mair.

Nutztierhimmel auf Erden

Denn über die Tuxerzucht hinaus verschrieb sich Karl Mair ganz allgemein dem Erhalt alter und vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen. Als eingetragener Arche-Hof züchtet die Familie neben den Tuxern auch Pustertaler Sprinzen sowie Haflinger Pferde, Walliser Schwarznasenschafe, Blobe Ziegen sowie verschiedene Schweine- und Hühnerrassen. Die zum Betrieb gehörige Alm, die Arztaler Alm in den Tuxer Voralpen gleicht einem Garten Eden, zumindest an schönen Tagen. Wenn die Tuxer- und Pustertaler Mutterkühe mit ihren Kälbern auf den Almmatten in der Mittagssonne vor dem Hochleger Siesta halten, sich die Schweine genüsslich im Schlamm suhlen und die Ziegen und Schafe bei der Suche nach den zartesten Almkräutern scheinbar schwindelfrei die steilen Felsflanken hinaufklettern, dann ist die Arztaler Alm ein wahrer Nutztierhimmel auf Erden.
Mit den Rössern  – Karls Sohn und Hofnachfolger Alois ist begeisterter Pferdezüchter – sömmern die Mairs gut 100 Stück Vieh am Berg. Karls Frau Marianne packt da natürlich auch fest mit an. „Als wir geheiratet haben, haben wir zwar die erste Tuxer geschenkt bekommen. Aber die Sprinzen sind mit ihrer auffallende Fellzeichnung schon etwas ganz Besonderes“, schwärmt sie.
20 Zuchtrinder verkauft Familie Mair im Jahr. „Die Tiere sind gefragt und erzielen gute Preise“, freut sich Mair. Den Bundessieger-Stier konnte er sogar an einen Züchter im Schweizer Wallis verkaufen. Ansonsten finden die Tiere Absatz in ganz Österreich oder in Deutschland. „Zuletzt haben wir Tuxer an einen Neueinsteiger im oberbayerischen Wasserburg verkauft“, berichtet er zufrieden und auch ein wenig stolz. „Die Vorzüge unserer außergewöhnlichen Tiere müssen wir möglichst vielen Landwirten näherbringen, um weiterhin die genetische Vielfalt und einen soliden Absatz sichern zu können. Engstirnigkeit ist dabei kein guter Berater“, sagt Mair. So verdankt ihm die Rasse doch einiges. „Doch ich verdanke den Tuxern alles!“, gibt der Neuwirt offen zu.