Zum Sonntag Unten beginnen – zu allererst

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Krumbach-Niederraunau - Was die Betroffenen „unten“ selbst lösen können, darf nicht von „oben“ durch Eingriffe gelöst werden.

Vor etlichen Wochen konnte ich als ehemaliger Bundeskurat und Gast bei der Jahreshauptversammlung der Katholischen Landjugendbewegung in Roggenburg den derzeitigen Bundesminister Gerd Müller, geboren ganz in meiner Nähe und ehemaliger KLJBler, und seine gänzlich neue Politik der staatlichen Entwicklungshilfe – kennenlernen.

Hochinteressant: Der erste Minister, der nach dem Subsidaritätsprinzip der katholischen Soziallehre den entscheidendsten Ansatz jeder Art von Entwicklungshilfe mit Nachdruck selbst in die Wege leitet. Die Not und der Frust der Betroffenen bieten die stärksten Antriebskräfte für jede Art von Entwicklung. So hat es einmal die Katholische Landjugend mit ihrem Sehen – Urteilen – Handeln – und nun noch seit 1970 mit ihrer sozialen Gemeinwesenarbeit unternommen.

Menschen in Not dürfen nicht gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen und in Scharen auf gefahrvollen Wegen nach Europa aufzubrechen. Wer sollte da, neben den schwierigen Integrationsproblemen, auch noch die Finanzen aufbringen, ohne unsere eigene Lebensbasis zu ruinieren?

Was hier als Lösung angegangen wird, muss nach dem gleichen Prinzip für die Landwirtschaft hier und auch für die Kirche hier und weltweit gelten: Probleme müssen nach dem Subsidaritätsprinzip angepackt werden: Was die Betroffenen „unten“ selbst lösen können, darf nicht von „oben“ durch Eingriffe gelöst werden. Erst, wenn die untere Ebene ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hat, muss die nächsthöhere Ebene übernehmen. Der leidige Frust über „Brüssel“ und die „Amtskirche“ wäre damit automatisch vermieden.

Hat nicht Jesus selbst und unübersehbar ganz „unten“ im armseligen Galiläa angefangen? Und genauso Papst Franziskus seit seiner Wahl 2013 und jetzt massiv nach den zwei großen Familiensynoden mit seinem Apostolischen Schreiben AMORIS LAETITIA vom 19. März 2016: Zu allererst bei den Familien selber anfangen, dann erst in den Bistümern, danach in den Regionen der Erde und erst zuletzt ganz oben in Rom? Wie wär’s: Probieren Sie es doch ganz einfach jeden Tag bei sich selber!