Klimawandel Waldumbau: ein bisschen Roulette?

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Waldumbau-Lehrpfad © Michael Ammich Bild vergrößern
Was steckt hinter dem Waldumbau-Lehrpfad: Die Politik erkundete, was sich hinter dem Projekt eines Waldumbau-Lehrpfads verbirgt, (vorne, v. l.) Bürgermeister Günther Pfefferer, Landrat Stefan Rößle, MdL Wolfgang Fackler und MdEP Markus Ferber.
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Mohnheim - Ein wenig gleicht der Waldumbau einem Roulette im Spielcasino des Klimawandels. Setze ich auf Bäume, die tolerant gegen hohe Temperaturen sind? Oder auf solche, die Spätfröste tolerieren? Aber im Roulette wie im Waldbau kann der „Spieler“ auch die Vernunft walten lassen und nicht alles auf eine Karte setzen, um das Risiko zu streuen.

Dabei leistet der neue Waldumbau-Lehrpfad im Monheimer Stadtwald den Waldbesitzern gute Dienste. Auf einem fünf Kilometer langen Rundweg mit vielen Schautafeln können sie sich an Ort und Stelle über die zu ihrer eigenen Forstwirtschaft passenden Baumarten informieren. Eingerichtet wurde der Lehrpfad im „Zukunftswald“ südlich von Monheim vom AELF Nördlingen. Bei seiner feierlichen Eröffnung erinnerte Bürgermeister Günther Pfefferer an den wenig erfreulichen Anlass für das Projekt. Im August 2013 hatte ein verheerender Sommersturm binnen einer halben Stunde rund 100 ha Wald schwer beschädigt, das entspricht einem Siebtel der Fläche des gesamten Stadtwalds. Das aufgearbeitete Sturmholz im Umfang von 45.000fm spülte zwar 4,2 Mio. € in den Stadtsäckel, doch erkauft wurde dies mit hohen Ausgaben und Verlusten. Vor und nach dem Abtransport des Holzes mit insgesamt 2.250 Lkw- Fuhren mussten Forstwege neu angelegt oder instand gesetzt werden, was alleine Kosten von 100.000 € verursacht hat. Weitere 70.000 € fallen jährlich für die Wiederaufforstung und Pflege der Sturmflächen an. Der schlimmste Schaden sei aber durch den Wurf großer hiebreifer Fichtenbestände aufgelaufen, sagte Pfefferer. Das bedeutet, dass die Stadt Monheim in den kommenden 20 Jahren Einnahmeausfälle in Millionenhöhe hat.

Um derartigen Katastrophen im Zeichen des Klimawandels vorzubeugen, geht die Stadt jetzt konsequent an den Umbau von fichtenlastigen Waldarealen zu stabilen, standortgerechten Mischbeständen. „All das geschieht im Kontext der Nachhaltigkeit“, betonte der Bürgermeister.

Waldumbau und Lehrpfad, ein Vorbild

„Der Waldumbau im Monheimer Stadtwald und der Lehrpfad sollen ein Ansporn für andere Regionen sein.“ Der Pfad mit seinen Infotafeln mache die Notwendigkeit zum Waldumbau und die in Monheim getroffenen Maßnahmen nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für Waldbesitzer und angehende Forstleute nachvollziehbar. Der EU-Abgeordnete Markus Ferber, der seine familiären Wurzeln in Monheim hat, begrüßte ebenfalls die Einrichtung des Lehrpfads. Der Zukunftswald der Stadt verdeutliche, was unter dem ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammenden Begriff der Nachhaltigkeit zu verstehen ist: So zu wirtschaften, dass auch die kommenden Generationen davon profitieren. Eine nachhaltige Waldwirtschaft verlange also langfristige Planungen, denen allerdings das Klima und die Witterungsverhältnisse jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Mit Nachdruck wandte sich Ferber gegen die Forderung von Naturschützern, ganze Waldflächen stillzulegen. MdL Wolfgang Fackler zeigte sich „neugierig“ auf das, was sich hinter dem Wort „Zukunftswald“ verbirgt. Er sprach den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen an und mahnte die Politik, an die nachfolgenden Generationen zu denken. „Es lohnt sich, Geld für den Klimaschutz auszugeben.“ Der Lehrpfad beweist, dass der Klimaschutz in der Region ernst genommen wird, so Fackler. Der Freistaat habe seine Einrichtung auch deshalb gefördert, um den Menschen den Wald wieder näher zu bringen.

Fichte hat in der Region keine Zukunft

Landrat Stefan Rößle wies auf die große Bedeutung des Waldes für den Donau-Ries-Kreis hin. Die Forste, die ein Drittel der Landkreisfläche einnehmen, hätten eine vielfältige Funktion im Erosions-, Klima-, Lärm- und Wasserschutz, als Erholungsraum für die Menschen und als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Nicht zuletzt sei der Wald auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Der Lehrpfad helfe den Menschen, sich ein eigenes Bild von der heimischen Forstwirtschaft zu machen.

„Der Lehrpfad zeigt uns, dass wir im Waldbau nicht mehr so weitermachen können wie bisher“, stellte auch Forstdirektor Peter Birkholz bei der Führung über den Rundweg fest. Ein Baum könne schließlich nicht vor dem Klimawandel davonlaufen. Folglich komme es beim Waldumbau auf die Weitsichtigkeit der Forstleute und Waldbesitzer an. Heute würden jene Bäume gepflanzt, die ihre Hiebreife auf dem prognostizierten Höhepunkt der Erderwärmung erreichen. Absehbar sei schon jetzt, dass die Fichte in der Region keine wirtschaftliche Zukunft hat, sagte Birkholz. Allenfalls ihre Naturverjüngung lasse sich noch mitnehmen. Die zunehmenden Hitze- und Trockenperioden begünstigen den Borkenkäfer, den großen Feind der Fichte. Der Klimawandel zwingt die Waldbesitzer zur Kultivierung von Baumarten, die mit den erhöhten Temperaturen zurecht kommen. Aber auch das nütze wenig, so Birkholz, wenn es der Weltgemeinschaft nicht gelingt, den Temperaturanstieg auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Andererseits werde es auch künftig frostige Winter geben, die das Anpflanzen von kälteempfindlichen Baumarbeiten verbieten. Als Ersatz für die Fichte bieten sich Douglasie und Tanne an, als wertvolle Laubhölzer Elsbeere oder Schwarznuss. Freilich sollte nicht alles auf die Karte einer einzigen Baumart gesetzt, sondern das Risiko durch eine breite Mischung gestreut werden. „Niemand von uns weiß schon heute, wie das Klima in 200 Jahren tatsächlich sein wird.“

Auf einer Windwurffläche wurden im Monheimer Stadtwald neben Linden auch zahlreiche Hybridnüsse – eine Kreuzung aus der amerikanischen Schwarznuss und der europäischen Walnuss – gepflanzt. „Es handelt es sich um einen forstlichen Versuch“, erklärte Birkholz. Niemand wisse, wie sich die Hybridnüsse auf die Tier- und Pfanzenwelt in ihrer Umgebung auswirken werden. Außerdem könnten die jungen Bäume durch Spätfröste gefährdet werden. Andererseits sei die Hybridnuss ein guter Ersatz für die Esche, der das Eschentriebsterben immer mehr zusetzt. Die Nussbäume wachsen schnell und stabilisieren den Wald, sie sind eine wertvolle Ergänzung des heimischen Baumartenspektrums und ihr walnussähnliches Holz ist dank seiner dunklen Färbung sehr gefragt. Innerhalb von 60 Jahren kann die Hybridnuss einen Stammdurchmesser von 60 cm erreichen. Ihr Holz wird derzeit mit 2.000 €/fm bezahlt. Alois Michel, Vorsitzender der WBV Nordschwaben: „Der Lehrpfad ist ganz wichtig für uns Waldbesitzer, er liefert uns Anschauungsmaterial für den Waldumbau.“ Wie Michel suchen viele seiner Berufskollegen nach einer Baumart, mit der sich die Fichte – „unser Geldbaum“ – ersetzen lässt. „Manchmal wissen wir einfach nicht mehr, was wir machen sollen, um unsere Wälder gegen den Klimawandel zu schützen.“