Garten Wandeln im Rosenparadies

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen. Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Rosenhof © Stanislav Grapatin Bild vergrößern
von , am

Fridolfing - Im Garten von Gerlinde Berger haben Rosen ihren großen Auftritt. Damit die Blüten der Pflanzen noch besser zur Geltung kommen, hat die Bäuerin sie farblich sortiert.

La Negresse © Stanislav Grapatin Bild vergrößern
‘La Negresse’ hat stark gefüllte, intensiv purpur gefärbte Blüten.

Die Rose ist zweifelsohne die Hauptdarstellerin im Garten von Gerlinde Berger. Doch die Bäuerin bietet nicht nur einer Pflanze eine gute Bühne, sondern gleich 170 verschiedenen Sorten. Damit sich die Solistinnen nicht gegenseitig die Schau stehlen, sondern sich in ihrer Wirkung unterstützen, hat Berger für ihre Rabatten ein farbliches Konzept ersonnen.
Vor knapp 20 Jahren, als die Bäuerin und ihr Mann den Milchviehbetrieb in Fridolfing (Lks. Traunstein) übernommen haben, wurde im Garten hauptsächlich Gemüse angebaut; Rosen wuchsen dort noch nicht. Berger begann nach und nach rund um das Wohnhaus Staudenrabatten anzulegen. „Am Anfang kauft man dafür einfach die Pflanzen, die einem gefallen. Ob deren Blütenfarben gut zusammenpassen, darauf habe ich damals nicht besonders geachtet“, blickt sie zurück. Doch so wirkte der Garten bald unruhig, durch ihre verschiedenen Farben kamen sich die Pflanzen „ins Gehege“. Deshalb hat die Gartenbäuerin ihren Garten schließlich neu strukturiert – die Pflanzen wurden ausgegraben und nach ihren Blütenfarben neu sortiert. Dabei bilden die Rosen heute ganz klar den Mittelpunkt ihrer farblichen Kompositionen. „Rosen können über 100 Jahre alt werden und sind quasi unverwüstlich“, schwärmt sie. „Außerdem fasziniert mich ihr intensiver Duft und ihr hübsches Aussehen.“ Zudem hat Berger bei der Gestaltung Wert darauf gelegt, dass rund um die Rosen robuste Stauden wachsen, die ihre farbliche Wirkung unterstützen und sich in den Rabatten wiederholen. So wirkt die Bepflanzung der Beete in sich geschlossen und harmonisch.

Blüten von zartem Rosa bis Purpur

Kartoffelrose © Stanislav Grapatin Bild vergrößern
Die Kartoffelrose ‘Roseraie de l‘Hay’ duftet unvergleichlich.

Wie gut dieses Farbkonzept aufgeht, zeigt sich im „rosafarbenen Bereich“ des Gartens unterhalb des Wohnhauses. Hier blühen entlang eines gepflasterten Weges zahlreiche Rosen mit Blüten in zartem hellrosa, wie die Beetrose ‘Maria Theresia’. Sie wurden mit kräftig pinkfarbenen Exemplaren wie der Kletterrose ‘Laguna’ oder Sorten mit purpurfarbenen Blüten wie der Damaszenerrose ‘La Negresse’ kombiniert. Eine Rarität ist in diesem Bereich die pink blühende Kartoffelrose ‘Roseraie de l’Hay’, die unvergleichlich intensiv duftet. Aus ihren Blüten kocht die ­Gartenbäuerin Sirup und Gelee, das sie ihre Gäste bei Führungen verkosten lässt. Leider ist die Sorte nur mit viel Glück im Handel erhältlich. Hofiert werden die Rosen entlang des Weges von Pflanzen mit farblich passenden Blüten wie Muskatellersalbei, Buschnelken oder Porzellanblümchen. Von Lavendel als Pflanzpartner zu Rosen rät Berger ab: „Lavendel wird zwar oft als Rosenbegleiter angepriesen, aber er hat ganz andere Ansprüche an den Boden und die Düngung.“

Gelbe Rosen blühen im Gemüsegarten

Gemüsegarten © Stanislav Grapatin Bild vergrößern
Blüten auch im Gemüsegarten: Zwischen Kohl und Karotten blühen gelbe Rosen wie ‘Graham Thomas’ (o.), ‘Golden Gate’ und ‘Lichtkönigin Lucia’.

Im Gemüsegarten nebenan beginnt ein neues Farbkonzept: Hier treffen Krautköpfe, Kartoffeln, Karotten und Co. auf gelb blühende Rosensorten. Die Englische Rose ‘Graham Thomas’, die Strauchrose ‘Lichtkönigin Lucia’ oder die Kletterrose ‘Golden Gate’ dürfen sich hier, wie in einem klassischen Bauerngarten üblich, in der breiten Einfassung der vier Gemüsebeete entfalten. Das Gemüse, wenn auch üppig wachsend, stiehlt ihnen sicher nicht die Show. Zudem runden pflegeleichte Begleiter wie die Fetthenne ‘Weihenstephaner Gold’, gelbe Ringelblumen sowie Frauenmantel die Farbwirkung der gelben Rosenblüten im Gemüsegarten harmonisch ab.

Rot-blauer Bereich wirkt sehr intensiv

Klatschmohn © Stanislav Grapatin Bild vergrößern
Farbkomposition in Rot-Blau: Den Bereich um die Weinlaube umrahmen blaue Schwertlilien und roter Klatschmohn. Die roten Rosensorten lassen hier mit der Blüte noch etwas auf sich warten.

Ganz anders, sehr intensiv und kontrastreich, zeigen sich dagegen die Rabatten im „rot-blauen Gartenbereich“. Diese umrahmen die Weinlaube, auf der die schmackhafte Sorte ‘Muscat bleu’ rankt, den Gartenteich und das geräumige Gartenhäuschen, das die Gartenbäuerin zur Bewirtung von Gästen nutzt. In diesen Beeten gedeihen die roten Kletterrosen ‘Florentina’ und ‘Naheglut’, ‘Belkanto’ und ‘Amadeus’. „Diese Edelrosen blühen meist etwas später und sind frostgefährdet. Aber sie treiben zuverlässig jedes Jahr wieder aus“, erzählt die Bäuerin. Bis die Rosen auf dieser Bühne ihren großen Auftritt haben, zeigen schon allerlei andere Pflanzen ein prächtiges Schauspiel: Violetter Steppensalbei und roter Klatschmohn schaffen flächige Farbpartien, während Frauenmantel und Funkien die Pflanzung auflockern. Schwertlilien setzen eine Etage höher mit ihren intensiven dunkelblauen Blüten farbliche Akzente. Die Einfassung für diese Rabatte, die direkt an eine Wiese grenzt, bildet ein Band aus verzinktem Blech. Dieses wurde halb in den Boden eingelassen und hält Wiesengräser wirkungsvoll aus der Pflanzung fern.

Blühende Hingucker rund um den Hof

Himalayan Musk © Stanislav Grapatin Bild vergrößern
‘Paul’s Himalayan Musk’ ist eine wüchsige Ramblerrose mit vielen kleinen zartrosa Blütenbällen.

Doch nicht nur im Garten der Bäuerin zeigen sich die Rosen von ihrer besten Seite, sie prägen auch das Gesicht des kompletten Betriebs: Auf dem Weg zum Hof grüßt bereits die Ramblerrose ‘Paul’s Himalayan Musk’, die einen alten, abgebrochenen Apfelbaum in zartrosa Blüten hüllt. Das Stallgebäude schmückt die Zwergrose ‘Lupo’ mit vielen kleinen pinkfarbenen Blüten mit weißer Mitte, und neben dem Hackschnitzellager, Seite an Seite mit einem Aprikosenspalier, rankt die Englische Rose ‘Summer Song’. Ihre gefüllten Blüten strahlen in einem Farbton zwischen Kupfer und Orange. Und selbst bei den Geranien, die auf einem niedrigen Tisch die Wand der alten Maschinen­halle zieren, zeigt sich Gerlinde Bergers Leidenschaft für Rosen: Hier streckt eine Rosengeranie ihre bezaubernd filigranen, rot-gefüllten Blüten keck nach oben und sonnt sich im Blick des Betrachters.