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Kabinettsentscheidung

3. Nationalpark in Bayern: Rhön oder Donau-Auen?

Donauauen
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
20.07.2017

München - Die Staatsregierung schließt Spessart und Frankenwald als mögliche Regionen für einen dritten Nationalpark endgültig aus.

Die Rhön und die Donau-Auen sind die beiden verbleibenden Kandidaten für einen dritten Nationalpark in Bayern. Das ist ein Ergebnis der Kabinettssitzung in der Bayerischen Staatskanzlei vom Dienstag.
Umweltministerin Ulrike Scharf erklärte nach der Sitzung, dass der Frankenwald nicht weiter untersucht werde, weil wegen der Fichtenbestände nach der Stilllegung die Gefahr einer vollständigen Landschaftsveränderung durch den Borkenkäfer bestehe. Eine Bekämpfung des Schädlings könne wegen der eng verzahnten Privatwaldflächen kaum gewährleistet werden.
Der Spessart werde nicht mehr weiterverfolgt, weil durch einen Nationalpark private Eigentumsrechte in zu hohem Maße beeinträchtigt würden. Konkret nannte Scharf die Vielzahl von individuellen Holznutzungsrechten. Auch seien negative Auswirkungen auf die heimische Holzwirtschaft bei der Verarbeitung der einzigartigen Furniereiche, nicht auszuschließen.
Mit den Donau-Auen werde der Dialog zu einem Nationalpark hingegen fortgesetzt. Die Auenbereiche zwischen Neuburg an der Donau und Ingolstadt stellten eine einmalige, naturschutzfachlich besonders wertvolle Fluss- und Auenlandschaft dar.
Im Falle der Rhön werde derzeit die Möglichkeit eines länderübergreifenden Nationalparks zusammen mit dem Land Hessen geprüft. Die Prüfungen sollen „in den nächsten Monaten“ abgeschlossen werden, so Scharf. Wann die endgültige Entscheidung zum dritten Nationalpark getroffen werde, sagte die Umweltministerin jedoch nicht.

Landräte reagieren teils positiv

Mit gemischten Gefühlen sehen die Landräte in den betroffenen Regionen die Entscheidung. Thomas Habermann (Lks. Rhön-Grabfeld, CSU) sagte, die Entscheidung werde „positiv zur Kenntnis genommen“. Ein „Wald-Nationalpark, ausschließlich auf Flächen der Bayerischen Staatsforsten liegend, wäre eine gute Ergänzung“ zur Kulisse des Offenlandes. Man wolle nun eine sachliche Diskussion im Kreistag führen.
Roland Weigert (Lks. Neuburg-Schrobenhausen, FW) sagte die Donau-Auen hätten es „verdient, unter den besonderen Schutz des Freistaates Bayern gestellt zu werden“. Nun gelte es, die Sorgen der Menschen vor Ort im Sinne der Maßgaben der Staatsregierung – mit der Region, nur auf Staatswaldflächen, kein Eingriff in das Privateigentum – in einem noch intensivieren Dialog aufzunehmen und ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln.
Landrat Stefan Rößle (Lks. Donau-Ries, CSU) betonte gegenüber der Augsburger Allgemeinen hingegen: „Ich sehe die Donau-Auen in der Außenseiterrolle, denn wir bringen keine 10 000 Hektar Gesamtfläche zusammen und haben auch zu wenige zusammenhängende Gebiete.“
Dem Bayerischen Rundfunk gegenüber erklärte Landrat Martin Neumeyer (Lks. Kelheim, CSU), er werde eine Ausweitung eines möglichen Nationalparks an der Donau bis in seinen Landkreis verhindern. Damit trat er Spekulationen entgegen, das geplante Gebiet könnte ausgeweitet werden, um auf die notwendige Gesamtfläche zu kommen. Umweltministerin Scharf habe ihm vergangene Woche mitgeteilt, dass die Flächen des Paintner und des Hienheimer Forstes beim Nationalpark ausgeschlossen seien.

Bauern ablehnend

Matthias Klöffel, BBV-Kreisobmann aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld, warnte vor übereilten Entscheidungen: „Drängende Fragen, die sich etwa aus einer neuen Gebietskulisse ergeben, sind noch nicht beantwortet. Auch die Schwarzwild-Problematik wurde bei der Planung bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Wir befürchten Einschränkungen bei der Bewirtschaftung und erhalten nur unkonkrete Aussagen über mögliche Chancen. Unter den heutigen Voraussetzungen lehnen wir einen dritten Nationalpark in der Rhön deswegen ab.“
Ludwig Bayer, BBV-Kreisobmann aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen betonte: „Einen Nationalpark Donau-Auen lehnen bei uns alle Landnutzer – Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei – ab.“ Zur Begründung verwies er auf ungeklärte Fragen etwa zu den Holz- und Fischereinutzungsrechten sowie zur Schwarzwildproblematik. Er erinnerte außerdem an eine Studie der Staatsregierung, die einem Nationalpark Donau-Auen – anders als an den anderen Standorten – nur sehr geringes zusätzliches Wirtschaftswachstum vorausgesagt habe.
Der Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie bezeichnete die Pläne für einen dritten Nationalpark insgesamt als „unverständlich“. Ein nachhaltig und im Einklang mit der Natur bewirtschafteter Wald sei die Existenzgrundlage vieler oft seit Generationen in der Region ansässiger Unternehmen.

Naturschützer kritisch

Hubert Weiger, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz, nannte es „bedauerlich“, dass das Kabinett mit dem Ausschluss von Steigerwald und Spessart „gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung und alle naturschutzfachlichen Argumente“ handelte. Er forderte ein „faire Chance“ für die Top-Kandidaten Steigerwald und Spessart. Der Weg zur Sicherung eines Weltnaturerbes „alte Buchenwälder“ im Steigerwald und Spessart müsse mit nutzungsfreien Großschutzgebieten weitergegangen werden. Die Option für einen Nationalpark in den beiden Regionen dürfe nicht verbaut werden. Zu den Kandidaten Rhön und Donau-Auen sagte Weiger: „Wir freuen uns, dass trotz massiven Protesten von örtlichen CSU-Landtagsabgeordneten, Holzindustrielobbyisten und dem Bayerischen Bauernverband zwei geeignete und ebenfalls vom BN vorgeschlagene Regionen in die Konzeptphase kommen.“
Auch der WWF sprach dem Kabinettsbeschluss „jedwede naturschutzfachliche Basis“ ab. Diana Pretzell, Leiterin der Abteilung Naturschutz Deutschland des Umweltschutzverbandes bescheinigte zwar auch der Rhön und den Donau-Auen „Potenzial“. Die Laubwälder im Spessart seien jedoch etwas „ganz besonderes“. Bayern habe die einmalige Chance verpasst, „echter Wildnis ihren Platz zu geben.SMB

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