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Aktionsplan Wolf

62 Seiten und viel Kritik

Wolf jagt Schaf
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Alexandra Königer, Wochenblatt
am
14.03.2019

Knapp ein Jahr hat es gedauert, jetzt liegt der „Aktionsplan Wolf“ auf dem Tisch

Die Weidetierhaltung flächendeckend und dauerhaft erhalten, auch wenn der Wolf in Bayern unterwegs ist, das ist das Ziel des „Bayerischen Aktionsplans Wolf“, den das Kabinett im April 2018 angekündigt und Umweltminister Thorsten Glauber (FW) vergangenen Montag vorgelegt hat. Über Monate gab es immer wieder Gespräche zwischen dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, jetzt liegt der Plan mit 62 Seiten vor. Doch richtig zufrieden ist damit keiner, weder die Weidetierhalter noch die Naturschutzverbände.
Seit 2006 werden in Bayern immer wieder Wölfe nachgewiesen – in der Regel Jungtiere auf der Durchreise. Zuletzt war auch im oberbayerischen Landkreis Traunstein ein Wolf gesichtet worden. Standorttreue Wolfs­paare gibt es im Veldensteiner Forst im Landkreis Bayreuth, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Landkreis Neustadt an der Waldnaab sowie im Nationalpark Bayerischer Wald. In Gebieten mit standort­treuen Wölfen müssen Tierhalter Präventionsmaßnahmen ergreifen, um im Fall eines Wolfsrisses eine Entschädigung zu bekommen.

 

Jede Entnahme braucht eine Genehmigung

Wo das nicht möglich ist, soll eine sogenannte Weideschutzkommission zum Einsatz kommen: Sie soll Gebiete vor allem im alpinen Bereich festlegen, in denen Herdenschutz etwa wegen der Topographie oder felsigem Untergrund nicht möglich ist. In diesen Gebieten kommt die Entnahme, also das Töten des Wolfes, nach Auffassung der Staatsregierung auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen in Betracht, wenn nur so erhebliche Schäden für die Weidewirtschaft vermieden werden können. Notwendig bleibt dabei weiterhin eine Einzelfallentscheidung der zuständigen Behörden. Für den Chef des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Georg Mair, ist das praxisfern. Er fordert, in Weideschutzgebieten vorhandene Wölfe „unkompliziert bejagen“ zu dürfen, auch wenn sie einfach durchziehen, wie er im Bayerischen Fernsehen sagte. „In der Weidewirtschaft muss jeder Wolf, der sich nähert und beim ersten Übergriff Schäden verursacht, geschossen werden dürfen.“
Laut Ministerium ist das wegen des strengen Artenschutzes nicht möglich, schon mit der geplanten Ausweisung von Weideschutzgebieten schöpfe man „die rechtlichen Möglichkeiten aus“. Bis diese Gebiete festgelegt sind, könnte es allerdings dauern. Laut einem Sprecher des Umweltministeriums erarbeitet ein „Arbeitskreis Weideschutzkommission“ derzeit anhand von zwei Modellgebieten – um den Grünten im Oberallgäu sowie im Werdenfelser Land – die Kriterien für die Bewertung der Weidegebiete. Erst im Anschluss beginnt die Kommission mit ihrer Arbeit.
Für präventive Herdenschutzmaßnahmen soll es künftig ein bayerisches Förderprogramm geben, doch auch das könnte sich hinziehen: Es muss der EU zur Genehmigung vorgelegt werden. Bis dahin gibt es für Tierhalter bei „aktueller Wolfsanwesenheit“ lediglich Zaunmaterial aus dem staatlichen Präventionsfonds.
 

Kritik am Aktionsplan kommt vom Bund Naturschutz (BN) und dem Landesbund für Vogelschutz. Sie vermissen ein klares Bekenntnis der Staatsregierung zur Rückkehr des Wolfes nach Bayern und konkrete Empfehlungen für Tierhalter zur Prävention und zu Abläufen im Schadensfall. Für Prof. Kai Frobel, BN-Naturschutzreferent, ist außerdem mit der „niedrigen Schwelle für Entnahmen die juristische Anfechtung einer Wolfsentnahme vorprogrammiert“. BN-Chef Richard Mergner begrüßt zwar das angekündigte Förderprogramm, allerdings „startet nun eine weitere Weide­saison, ohne dass die Tierhalter eine Antwort auf die offene Frage nach der Finanzierung des Herdenschutzes bekommen“, erklärte er.


Die Geduld der Weidetierhalter ist am Ende, wie sich bei einem Fachgespräch kürzlich im Landtag zeigte (siehe BLW 10, Seite 13). Es gab harte Kritik wegen schleppender Verfahren, bis Nachweise vorliegen, Schäden ausgeglichen sind oder gegebenenfalls die Wolfs­entnahme genehmigt ist. „Allein schon der Nachweis dauert zu lange“, sagte der Vorsitzende der Bayerischen Schafhalter, Joseph Gras­egger. „Da stirbt der Wolf vorher an Altersschwäche, bis es wirklich zur Entnahme kommt.“

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