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Düngeverordnung

"7-Punkte-Programm für die Landwirtsfamilien"

Julia Klöckner
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
01.04.2019

Deutschland ist schon gut beim Grundwasserschutz - muss aber noch besser werden, fasst es Julia Klöckner zusammen. Um die Landwirte "bei den zusätzlichen hohen Anforderungen zu unterstützen", hat sie gemeinsam mit ihrer Kollegin aus NRW ein Sieben-Punkte-Programm erarbeitet.

„Grundwasserschutz geht uns alle an, und Grundwasserschutz geht nur mit, nicht gegen die Bauernfamilien. Die Branche erbringt bereits Leistungen, die ihnen einiges abverlangt, um auf die zu hohen Nitratwerte wirksam zu reagieren. 2017 wurde die Düngeverordnung überarbeitet. Weitergehende Maßnahmen stehen nun an, die sicherstellen sollen, dass Dünger bei den Pflanzen ankommt, sie ernährt, aber nicht ins Grundwasser gelangt. Gerade in stark belasteten Gebieten müssen und wollen wir noch besser werden", sagte Bundeslandwirtschaftministerin Julia Klöckner als Sie das Sieben-Punkte-Programm gemeinsam mit Ursula Heinen-Esser (Landwirtschaftsministerin NRW) vorstellte.

"Da wir im Interesse aller den Bestand unserer heimischen Landwirtschaftsfamilien in allen Regionen Deutschlands sichern möchten, ist es notwendig, sie bei der Umsetzung der zusätzlichen hohen Anforderungen zu begleiten und zu unterstützen", heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Ihre sieben Punkte lauten:

  1. Die Investitionsförderung der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz
    werden wir nutzen, um insbesondere Investitionen in Lagerstätten, Maschinen
    und Geräte, die zur Emissionsminderung bei Wirtschaftsdünger führen,
    auszubauen. Zudem soll die Gemeinschaftsaufgabe auch im Bereich nichtinvestiver
    Maßnahmen erweitert werden, um z.B. die emissionsarme Ausbringung zu
    fördern. Damit werden Probleme bei der bedarfsgerechten Verwertung flüssiger
    Wirtschaftsdünger entschärft.
  2. Mit einem Bundesprogramm Nährstoffe werden wir
    - die Ermittlung der Nährstoffgehalte von flüssigen Wirtschaftsdüngern während
    der Entnahme aus dem Lagerbehälter und während der Ausbringung durch
    das Verfahren der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) erproben; damit wollen wir
    die Menge der ausgebrachten Nährstoffe genauer bestimmen und die Einhaltung
    des ermittelten Düngebedarfs sicherstellen.
    - die Ansäuerung von Gülle mit Schwefelsäure testen, um eine Reduzierung
    der Ammoniakemissionen in die Luft und zur Steigerung der Düngeeffizienz
    bei der Gülleausbringung zu erzielen. Dieses Verfahren wird in Dänemark bereits
    erfolgreich angewendet;
    - Vorhaben zur Aufbereitung von Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen in
    einem modellhaften Ansatz an verschiedenen Standorten in Deutschland fördern,
    um damit Gülle und Gärreste aufgrund des dann niedrigeren Wassergehaltes
    wirtschaftlicher zu transportieren und die Nährstoffe auch zur Düngung
    in Ackerbauregionen nutzen zu können.
  3. Die Nährstoffverwertung durch die Pflanzen werden wir durch neue und innovative
    Techniken wie zum Beispiel Sensor- und Robotertechnik, Verfahren
    der platzierten Düngung oder satellitengestützte Ausbringungsverfahren
    in der Erprobung und durch Demonstrationsvorhaben unterstützen, insbesondere
    durch die Förderung der Entwicklung und Verbreitung digitaler Techniken
    für ein verbessertes Nährstoffmanagement.
  4. Wir werden das qualitative Wachstum in der Tierhaltung, insbesondere Investitionen
    in mehr Tierwohl, unterstützen und damit die landwirtschaftliche Wertschöpfung
    stärken.
  5. Die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete sollen deutschlandweit differenziert
    ausgewiesen werden, um die Beschränkungen für die Landwirtschaft besser auf
    die Gebiete mit akutem Handlungsbedarf auszurichten.
  6. Agrarumweltmaßnahmen sowie freiwillige Vereinbarungen zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft, die zum Schutz des Grundwassers beitragen, werden in den Ländern noch konsequenter unterstützt.
  7. Wir werden Beratungskonzepte im Bereich der Fütterung der Nutztiere fördern,
    damit eine bedarfsgerechte und an die Entwicklung der Tiere angepasste
    Fütterung noch stärker Verbreitung in der landwirtschaftlichen Praxis findet und
    die Tiere dadurch weniger Stickstoff und Phosphor ausscheiden.
Mit Material von BMEL
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