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Seuchen

Afrikanische Schweinepest: Ausbreitung verhindern

Wildschweine
pd
am
22.08.2017

München - Gravierende Marktverwerfungen, verursacht durch das Inkrafttreten von Handelsrestriktionen und ein damit einhergehender Preisverfall, würden die Existenz vieler Bauernfamilien gefährden.

Das Virus wurde in Tschechien bereits bei 88 verendeten Wildschweinen nachgewiesen. Auf Initiative des Bayerischen Bauernverbandes kamen im August Vertreter des BBV und des Landesjagdverbandes Bayern e. V. zu einem fachlichen Austausch zusammen, wie die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach Bayern verhindert werden kann
Die Teilnehmer – auch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz saß mit am Tisch – waren sich einig, dass die Auswirkungen im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Bayern weit über die Landwirtschaft hinaus massiv sein werden. Dazu würde ein einziger ASP-Fall bei einem Wildschwein ausreichen.

Gravierende Marktverwerfungen, verursacht durch das Inkrafttreten von Handelsrestriktionen und ein damit einhergehender Preisverfall, würden die Existenz vieler Bauernfamilien gefährden. Wildfleisch würde unverkäuflich. BBV-Veredlungspräsident Gerhard Stadler forderte alle Beteiligten auf, die Einschleppung der gefährlichen Seuche mit allen Mitteln zu verhindern.

Neben den Osteuropa-Reisenden, Tiertransporteuren, Viehhändlern, Saisonarbeitskräften und Landwirten sind besonders auch die Jäger in der Verantwortung: „Die Jäger sind gefordert, schon vor einem Ausbruch durch den präventiven Einsatz aller rechtlich zulässigen Maßnahmen zur Bejagung die Schwarzwildbestände so weit wie möglich zu reduzieren, da deren Höhe maßgeblich die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest beeinflusst“, stellte Stadler fest. Er appellierte deshalb an den Landesjagdverband (BJV), zumindest das Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion von Schwarzwild von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vollumfänglich zu unterstützen. Dazu zählen vor allem die Forcierung revierübergreifender Bewegungsjagden, eine deutlich stärkere Bejagung der Bachen, Jagdzeitverlängerungen sowie der Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten und Saufängen.

Einigkeit über Ausbau revierübergreifender Bewegungsjagden, aber Dissens über Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten

BJV-Vizepräsident Dr. Günther Baumer wies auf die vielen Aktivitäten des BJV hin und erklärte, dass nichts gegen den Einsatz von Saufängen spreche, wenn bei der Genehmigung die Tierschutzaspekte eingehend geprüft würden. Stadler dankte dem BJV für seine Arbeit. Bei den Themen Gebühren für die Trichinenbeschau, für die Bereitstellung von Behältern zur Entsorgung von Aufbruch und für die verkehrsrechtlichen Anordnungen bei Bewegungsjagden sind sich BBV und BJV einig. Beide wollen zudem für den Ausbau revierübergreifender Bewegungsjagden und Erntejagden sowie die Anlage von Bejagungsschneisen in großen Maisfeldern bei den Betroffenen werben.

Gegenseitige Information und der Austausch zwischen Jägern, Landwirten und Jagdgenossen sind wichtig. Dabei betonten die Vertreter des BBV, dass sie im Gegensatz zum BJV auf die Bürgerplattform Wildtiere in Bayern (WilTiB) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft als revierübergreifende, verbandsneutrale Kommunikationsplattform setzen. Als Dissens blieb zudem: Während der BBV Nachtsichtvorsatzgeräte zur Jagd auf Sauen als unverzichtbaren Baustein im Mix der Bejagungsmaßnahmen sieht, lehnt der BJV diese auch unter der veränderten Gefährdungslage bei ASP weiterhin ab.

In Kürze wird der BBV auch mit den Bayerischen Staatsforsten über eine verstärkte Jagd auf Wildschweine sprechen. Aktuell baten BBV-Präsident Walter Heidl und Veredlungspräsident Gerhard Stadler die politisch Verantwortlichen, von den Landräten bis zu den Vertretern des Landtags und der Staatsregierung um tatkräftige Unterstützung bei der Seuchenprävention.

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