Login
Tierseuchen

Afrikanische Schweinepest - was tun?

Wildschwein Bache
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
11.01.2018

Während die Seuche langsam weiter nach Westen vorrückt, wird in Bayern über Möglichkeiten diskutiert, wie sich die Ausbreitung am besten verhindern lässt.

Sollte es zu einem Fund der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wildschwein in Bayern kommen, „reden wir mindestens von einer Restriktionszone von ein bis zwei Landkreisen für sechs Monate“. So beurteilte am Mittwoch Dr. Norbert Rehm, Leiter des Referats Tiergesundheit und Tierseuchenbekämpfung im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, am Rande einer Pressekonferenz des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) die Lage.

Sollte ein Schlachthof in der Restriktionszone liegen, dürfe er zwar weiter schlachten, doch alles Fleisch würde geprüft und zumindest für den Handel innerhalb der EU gesperrt – je nachdem wie andere Länder auf den Seuchenfund reagieren, auch für den Export in Nicht-EU-Länder.

Auf der Pressekonferenz betonte Rehm, dass sich die Bedrohungslage in Bayern aus Sicht des Ministeriums seit dem Auftreten der ersten ASP-Fälle in der EU in 2014 nicht grundlegend geändert habe. „Gefühlt“ sei die Bedrohung jedoch näher gekommen. Er wies darauf hin, dass der wichtigste Übertragungsfaktor für die Seuche der Mensch sei. Eine von einem LKW-Fahrer oder Saisonarbeiter aus Osteuropa mitgebrachte Wurstsemmel, die achtlos weggeworfen würde, könne das Erregervirus über weite Strecken transportieren. Rehm erklärte, dass das Virus in einem Lebensmittel wie rohem Schinken rund 400 Tage überleben könne, in blutgetränktem Boden drei bis vier Monate.

Bauern und Jäger müssen ihren Teil beitragen

Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, müssten auch Bauern und Jäger ihren Teil beitragen. Dem Wochenblatt sagte Rehm: „Die Bauern haben ihre Hausaufgaben umfassend gemacht.“ Er fügte hinzu: „Was die Jäger jetzt tun, ist schon gut. Sie sollten noch mehr schießen, um den potenziellen Infektionsdruck zu senken“. Er unterstrich jedoch, dass Landwirtschaft und Jäger keine Pole seien, die gegeneinander arbeiteten.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des BJV, betonte auf der Pressekonferenz, dass die bayerischen Jäger ihre Schwarzwildjagd nochmals intensiviert hätten. Bis heute seien bereits so viele Schweine erlegt worden, wie im gesamten Jagdjahr 2016/17. Gelungen sei dies ganz ohne Genehmigung von „umstrittenen Methoden“ wie etwa dem Einsatz von Nachtzielgeräten.

Vocke erinnerte daran, dass das größte Risiko für die Verschleppung der Seuche der Mensch und nicht das Wildschwein sei. Der BJV fordere effektive Maßnahmen zu Vorbeugung, lehnt aber außerhalb des Seuchenfalls eine Einschränkung des Tierschutzes ab. Dazu gehören flächendeckend in ganz Bayern die Einführung von staatlichen Konfiskat-Sammelstellen, noch mehr Unterstützung, um den hohen Aufwand der Schwarzwildjagd auszugleichen, eine verpflichtende Fachschulung und einen Befähigungsnachweis für das Betreiben eines Saufangs sowie ein unbedingter Muttertierschutz sowie die Schonung der Leitbache und führender Bachen.

Jäger wollen Jagdmethoden kaum ändern

Einen Einsatz von Nachtzielgeräten hält Vocke nur im Seuchenfall für „denkbar“. Er sagte auch: „Ich wende mich nicht gegen Saufänge per se, ich sage nur, sie müssen strengste Tierschutzkriterien erfüllen.“ Der Präsident betonte zusammenfassend, dass die Jäger zusammen mit den Bauern die Thematik in den Griff bekommen wollten.

Abschließend dankte Vocke der Staatsregierung für die 20-€-Prämie je erlegtem Frischling bzw. erlegter Bache. Auf die Wirksamkeit der Prämie, die Zahl erlegter Tiere zu erhöhen  angesprochen, sagte er: „Aus meiner Sicht hat das eher einen wichtigen psychologischen Effekt, dass der Staat die Jäger anerkennt. Es reicht nicht, aber es wäre vermessen, mehr zu fordern.“

Bescheidene Ziele der Staatsregierung

Auf die Nachfrage des Wochenblattes, welches Ziel die Staatsregierung mit der Prämie mit der Zahl erlegter Wildschweine erreichen wolle sagte Rehm: „Das ist keine Frage absoluter Zahlen. Für uns ist interessant, nach drei bis sechs Monaten zu erkennen, die Jagdstrecke hat deutlich zugenommen.“ Auf die Frage, wie „deutlich“ zu verstehen sei sagte Rehm: „Schon ein Prozent ist ein Zeichen für uns, dass die Maßnahmen ansprechen.“

Beim Bayerischen Bauernverbandes (BBV) sieht man die Lage unter Verweis auf die Aussagen von Tierseuchenspezialisten etwas anders. Neben dem Faktor Mensch spiele die Wildschweindichte die entscheidende Rolle für den Ausbruch und vor allem dann für die Verbreitung der ASP. Generalsekretär Georg Wimmer fordert: „Um das Schwarzwild wie dringend notwendig massiv zu reduzieren, sind alle rechtlichen Möglichkeiten bereits präventiv voll auszuschöpfen, so wie es auch das Maßnahmenpaket zur Schwarzwildjagd des Landwirtschaftsministeriums seit 2015 vorsieht.“

Dazu gehört laut BBV neben revierübergreifenden Bewegungsjagden und einem vermehrten Erlegen von Bachen genauso der Einsatz von Saufängen und Nachtsichtvorsatzgeräten. All dies sei im Einklang mit dem Tierschutz möglich. Der BBV begrüßt, dass die Agrarminister im Herbst beschlossen haben, diesen Präventionsmaßnahmen in der Schweinepestverordnung einen hohen Stellenwert beizumessen.

Auch interessant