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Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e. V. (AGR)

AGR sieht Schönfärberei bei Vorteilen eines dritten Nationalparks

Holzpolder
pd
am
20.07.2017

Berlin - Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) kritisiert angesichts der Entscheidung der bayerischen Staatsregierung, entweder in der Rhön oder den Donau-Auen einen dritten Nationalpark auszuweisen, dass die Politik vor den tatsächlichen Auswirkungen einer Flächenstilllegung die Augen verschließt.

Statt den zuletzt genannten 2,5 Millionen Euro Einkommenseinbußen in der lokalen Forstwirtschaft der Rhön geht die AGR von jährlich über 50 Millionen Euro aus. Zudem würde mit einem Nationalpark auf eine CO2-Einsparung von 100.000 Tonnen pro Jahr verzichtet.

AGR-Geschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge kritisiert: „Das vorliegende Gutachten von Prof. Dr. Hubert Job zu den Auswirkungen eines Nationalparks Rhön geht von ökonomisch absolut unrealistischen Zahlen aus. Statt der gesamten Wertschöpfungskette wird allein der Wegfall des forstwirtschaftlichen Einkommens betrachtet. Das ist schlicht Schönrechnerei.“

Prof. Arno Frühwald von der Universität Hamburg hat im Zusammenhang mit der Einrichtung des Nationalparks Nordschwarzwald die finanziellen Auswirkungen untersucht und kam zum Ergebnis, dass bei den dortigen 50.000 Kubikmetern Holz ein direkter und indirekter Wertschöpfungseffekt in der Forst- und Holzwirtschaft von ca. 46 Millionen Euro erzielt wird, an dem ca. 670 Arbeitsplätze hängen. Übertragen auf die Rhön mit ca. 9.000 ha Waldfläche und 61.000 Kubikmetern Rohholz rechnet die AGR selbst bei konservativer Schätzung mit einem jährlichen Wertschöpfungsverlust von mehr als 50 Millionen Euro.

    Naturschutzeffekt zweifelhaft

    Die Forderung nach einem dritten Nationalpark werde u. a. mit dem Ziel begründet, Arten und Biodiversität zu schützen. Das Gegenteil sei nach Ansicht der AGR jedoch der Fall, wie in einer aktuellen Studie von Professor Ammer nachgewiesen werde. Demnach weise ein naturnah bewirtschafteter Wald eine höhere Biodiversität auf als ein stillgelegter.

      Klimaschutzziel verfehlt – dennoch wird Holzverwendung ausgeschossen

      Die AGR führt weiter an, dass die Klimaschutzleistung von Holznutzung unbestritten sei: Holzprodukte und die nachwachsenden Bäume entzögen der Atmosphäre kontinuierlich CO2. Zusätzlich werde bspw. beim Bauen energieintensive Materialien durch beinahe CO2-neutral erzeugtes Holz ersetzt. „Rechnet man die für den Nordschwarzwald erhobenen Zahlen beispielsweise auf die Rhön um, verzichtet man mit einem Nationalpark Rhön auf eine CO2-Einsparung in Höhe von ca. 100.000 Tonnen pro Jahr. Unverständlich angesichts der Tatsache, dass der Kampf gegen den Klimawandel eines der wichtigsten Zukunftsthemen ist und Deutschland sein Klimaziel 2020 verfehlen wird“, so Ohnesorge.  

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