Login
IGW

Agrarwende gefordert

Kritischer-Agrarbericht-2019_smb
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
23.01.2019

„Wir haben es satt!“-Mitglieder haben Reformvorschläge.

Die laufenden Verhandlungen über die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in Brüssel müssen sich eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft zum Ziel setzen. Das ist eine der Botschaften, für die am vergangenen Samstag rund 35 000 Menschen und 171 Traktoren in Berlin protestiert haben. Die Kundgebung unter dem Motto „Wir haben es satt!“ findet seit 2011 regelmäßig zur Grünen Woche statt. Getragen wird die Veranstaltung von einem breiten Netzwerk, in dem unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschland, der Deutsche Tierschutzbund (DTB), Greenpeace, Misereor, Brot für die Welt und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vertreten sind. Die Demonstranten vereint ein breiter Forderungskatalog, der von Klimaschutz bis zur Hilfe für Flüchtlinge reicht, im Kern aber Folgendes vorsieht:

  • Subventionen nur noch für umwelt- und klimaschonende Landwirtschaft
  • öffentliche Gelder nur noch für artgerechte Tierhaltung
  • mehr Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe.

Kritischer Agrarbericht

Bereits im Vorfeld der Kundgebung präsentierten am Donnerstag Vertreter des AgrarBündnisses, deren 25 Mitgliedsorganisationen sich auch an der Kundgebung am Samstag beteiligten, den sogenannten „kritischen Agrarbericht 2019“. Frieder Thomas, Geschäftsführer des Bündnisses, betonte, dass das Netzwerk sich für eine starke Agrarwirtschaft in Europa einsetze. Bernd Voß von der AbL verwies auf die großen Herausforderungen beim Tierwohl, Ackerbau und der Entwicklung auf den Dörfern. Die EU-Kommission setze in ihren Reformplänen für die neue GAP Ziele, sei aber beim Weg zu deren Erreichung zu wenig verbindlich. Er forderte mehr Beihilfen für die ersten Hektare und erteilte Marktinterventionen eine Absage: „Man kann gegen eine ruinöse Marktsituation nicht ansubventionieren.“

Hubert Weiger vom BUND bescheinigte der GAP „großes Potenzial für Nachhaltigkeit“. Allerdings sei die Politik auch für Fehlentwicklungen verantwortlich. Die Agrargelder müssten großzügig in die zweite Säule umgeschichtet werden, um insbesondere besser gegen den Artenschwund vorgehen zu können. Auf Nachfrage eines Vertreters des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) bekräftigte Weiger aber auch, dass Mittel in der ersten Säule für das Marktverantwortungsprogramm des BDMs zur Verfügung gestellt werden müssten.

Thomas Schröder vom DTB kritisierte, dass das geplante staatliche Tierwohllabel nicht als Ausrede genutzt werden dürfe, die Tierhaltung vom Ordnungsrecht unberührt zu lassen. Es brauche eine nationale Nutztierstrategie, die ein Konzept zum Umbau der Tierhaltung vorlegen müsse. Verständnis zeigte Schröder hingegen für die Zusammenarbeit von Neuland mit Aldi. Er sagte: „Wer in die Breite gehen will, braucht Handelsunternehmen.“
Tobias Reichert von Germanwatch forderte eine stärkere Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in der GAP. Statt pauschaler Flächenprämien und steigender Agrarexporte müsse mehr Wert auf biologische Vielfalt und Klimaschutz liegen. SMB

Der kritische Agrarbericht 2019 kann hier kostenlos abgerufen werden  www.kritischer-agrarbericht.de/Home.86.0.html

Mit Material von AgE
Auch interessant