Login
Besitz

Alle wollen das Land

Maisacker
Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
16.05.2019

„Kauft Land, das stellen sie nicht mehr her."

michel-berger

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain soll einmal gesagt haben: „Kauft Land, das stellen sie nicht mehr her.“ Dass das so ist, und weil das Land großteils den Bauern (und Waldbesitzern) gehört, trägt nicht unerheblich zur politischen Bedeutung der Landwirtschaft bei, obwohl es immer weniger Bauern gibt. Denn diese Flächen wollen alle haben: Das Bauministerium, damit darauf Wohnungen gebaut werden können. Das Umweltministerium, damit darauf Dinge für den Naturschutz getan werden. Das Verkehrsministerium für Straßen. Das Energieministerium für Erneuerbare Energien. Und das Landwirtschaftsministerium, damit darauf Nahrung erzeugt wird.

Ganz zu schweigen von manchen Bürgern, die einen diffusen Neid empfinden, wenn sie auf dem Weg von der Arbeit zurück in ihre Drei-Zimmer-Wohnungen an großen und kleinen Agrarflächen vorbeifahren. Hinzu kommt noch die Bundeskanzlerin, die mehr Aufforstung und Kohlenstoffsenken will.

Nun kann man aber nicht alles haben: Baumhäuser auf neu gepflanzten, hochstämmigen Bäumen auf Streuobstwiesen, auf deren Dächern Öko-Quinoa angebaut wird und PV-Module liegen, während sich in der Kaminattrappe ein Funkmast für superschnellen 5G-Mobilfunk befindet? Das mag für manche eine interessante Vision sein, ich bezweifle aber, dass es jemals so weit kommt.

Die Landwirtschaft (und Forstwirtschaft) muss sich dringend überlegen, wie sie mit den Flächenforderungen umgeht. Aufrufe zum Flächensparen sind verständlich und höchst ehrenwert. Aber das Volksbegehren in Bayern zeigt, dass wenn die Bauern sich partout weigern, Teile ihrer Flächen für andere Dinge als Landwirtschaft herzugeben, die Gesellschaft schon Mittel und Wege finden wird, sie dazu zu bringen. Das wird auch weiter gelten – es sei denn, beide Seiten finden verlässliche Leitplanken für den Flächenverbrauch.

Auch interessant