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Kommentar zur Grünen Woche

Werden die alten Gräben kleiner?

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
23.01.2019

In Berlin trafen sich Befürworter und Gegner der aktuellen Agrarpolitik - und dabei gab es nicht nur Konfrontation.

michel-berger

Vieles war auf der diesjährigen Grünen Woche wie immer – aber nicht alles. Gleich blieben die Ansichten so mancher Funktionäre, die am liebsten in Schwarz und Weiß denken – sowohl im Lager der Landwirtschaft als auch für ihre Kritiker in Politik und Gesellschaft.
Gleich blieben die Aussagen, dass im kommenden Jahr wieder viele Unwägbarkeiten anstehen. In 2019 werden dies vor allem der Brexit und die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sein. Hinzu kommt die möglicherweise anstehende Verschärfung der Düngeverordnung, die von der EU-Kommission gefordert wird. Wenn sie käme, wäre das eine Blamage für die Verantwortlichen, die die aktuellen Regeln gestaltet und mit Brüssel abgestimmt haben.
Aber es gab, das war neu, auch ein paar Anzeichen, dass die Lager sich ein wenig bewegen. So veranstaltete der Industrieverband Agrar, seines Zeichens Vertreter der Hersteller von  Pflanzenschutz- und Düngemitteln, einen gemeinsamen Pressetermin mit der Umweltschutzorganisation WWF. Konsens: Pflanzenschutz muss nachhaltiger werden. Bei den Vertretern von Bioland gab es heiße Diskussionen, wie weit man es sich leisten darf, mit einem Discounter wie Lidl zusammenzuarbeiten. Fazit: Die Realität des Marktes macht es notwendig.
Das alte Lagerdenken, dass nur die jeweils eigene Position richtig ist, ist bei den agrarpolitischen Themen nach wie vor stark ausgeprägt. Aber angesichts globaler Entwicklungen wie Klimawandel, Hunger in der Welt oder dem unerbittlichen Druck, den weltweite Preisschwankungen ausüben, gibt es auch immer öfter Stimmen, die dazu aufrufen, aufei­nander zuzugehen. Nicht im Sinne allgemeiner Forderungen vom Typ „Ihr da, redet mal miteinander“, sondern im Rahmen konkreter gemeinsamer Projekte. Es wäre schön, wenn die alten Gräben wirklich ein wenig kleiner würden.

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